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Streit um angebliche Bezüge zu einer Hitler-Rede Von wem hat Gauland abgeschrieben?

Hat AfD-Politiker Alexander Gauland aus einer Hitler-Rede abgeschrieben, als er für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einen Gastbeitrag verfasst hat? Der Berliner "Tagesspiegel" zitiert die Historiker Wolfgang Benz und Michael Wolffsohn, die das für wahrscheinlich halten. Allerdings steht das Blatt inzwischen selbst in der Kritik. Ein Gastautor der Zeitung erklärte, die umstrittenen Passagen könnten auch aus seinem Artikel für den "Tagesspiegel" stammen. Wolfgang Benz erklärt in SWR2, das ändere an den Vorwürfen nichts. Ähnlich wie Hitler suche Gauland "mit einem Hauch von Verschwörungstheorie" nach "Drahtziehern hinter den Kulissen".

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland im Bundestag, sitzend, lachend

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland im Bundestag

Hitler gegen "internationale Clique" - Gauland gegen "internationale NGOs"

Der Berliner "Tagesspiegel" zitiert auszugsweise eine Rede Hitlers von 1933 gegen "eine kleine wurzellose internationale Clique, die die Völker gegeneinander hetzt." Ähnlich klangen Worte des AfD-Fraktionschefs im Bundestag, Alexander Gauland, in einem Gastbeitrag für die "FAZ" vom Samstag. Nur dass Gauland seine Kritik gegen "die UN, Start-ups, Universitäten, NGOs" und andere internationale Organisationen richtete.

Hat Gauland nicht bei Hitler, sondern beim "Tagesspiegel" abgeschrieben?

Der "Tagesspiegel" zitierte die Historiker Wolfgang Benz und Michael Wolffsohn, Gauland habe Hitlers Kritik für den heutigen Sprachgebrauch modernisiert bzw. auf die Gegner der AfD von heute übertragen. Allerdings stellte der Autor Michael Seemann daraufhin fest, Gauland könne sich auch aus einem "Tagesspiegel"-Artikel von ihm von 2016 bedient haben, in dem er das Feindbild der AfD habe rekonstruieren wollen.

Wolfgang Benz: "Ändert nichts an hoher Ähnlichkeit der Denkweise"

Hat also der "Tagesspiegel" sich selbst mit Hitler bzw. Gauland verwechselt? Nein, sagt der Historiker Wolfgang Benz jetzt in SWR2. Es ändere sich "überhaupt nichts an der hohen Ähnlichkeit, vor allem an derselben Denkweise, wie sie Hitler 1933 und Gauland 2018 zeigen."

7:20 min | Mi, 10.10.2018 | 18:40 Uhr | SWR2 Kultur aktuell | SWR2

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Der Streit um einen FAZ-Beitrag von AfD-Politiker Gauland

Wolfgang Benz: "Hohe Ähnlichkeit" zur Hitler-Rede

Bauer / Benz

Der Historiker Wolfgang Benz sieht keinen Grund, seine Kritik an AfD-Politiker Alexander Gauland zu relativieren. Unverändert zeige sich eine "hohe Ähnlichkeit, vor allem an derselben Denkweise, wie sie Hitler 1933 und Gauland 2018 zeigen."

Diese Ähnlichkeit zeige sich in der Einschätzung, dass eine "Fundamentalopposition" notwendig sei gegen "Eliten, die heimat- und wurzellos sind. Bei Hitler waren damit die Juden gemeint. Gauland meint die natürlich nicht, sondern ein internationales Establishment".

"Hauch von Verschwörungstheorie - die Drahtzieher hinter den Kulissen"

Es sei "ein Hauch von Verschwörungstheorie dabei", so Wolfgang Benz in SWR2 - es gehe um "die Drahtzieher hinter den Kulissen". Hitler habe dabei eindeutig auf die Juden gezielt - bei Gauland seien es "die internationalen Wirtschaftseliten".

Reaktionen auf Gaulands Text in Sozialen Medien

Im Programm

Mit Martin Hagen
Carlos Chávez:
Sinfonie Nr. 2 „Sinfonía India“
The Orchestra of the Americas
Leitung: Carlos Miguel Prieto
Traditional:
"Kalimanku, Denku"
Vesselina Kasarova (Mezzosopran)
Cosmic Voices
"Sofia Soloists" Kammerorchester
Leitung: Tzanko Dimitrov Delibozov
Wolfgang Amadeus Mozart:
"La Clemenza di Tito" Arie des Sesto (2. Akt)
Vesselina Kasarova (Mezzosopran)
Staatskapelle Dresden
Leitung: Colin Davis
Henriette Renie:
Harfenkonzert c-Moll
Xavier de Maistre (Harfe)
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung: Hugh Wolff
Franz Schubert:
Rondo h-Moll D 895 op. 70 "Rondeau brillant"
Isabelle Faust (Violine)
Alexander Melnikov (Klavier)
Georg Philipp Telemann:
Ouvertüre D-Dur
Akademie für Alte Musik Berlin

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