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Vom Musiker zum Massenmörder Karl Jäger. Mörder der litauischen Juden. Biographie eines Täters aus der südbadischen Region

Wie konnte aus dem Musiker und Instrumentenbauer Karl Jäger aus dem Schwarzwaldstädtchen Waldkirch ein Massenmörder werden?

Porträt eines Mannes in Uniform

Karl Jäger

Er war kein Schreibtischtäter, sondern ein Direkttäter "vor Ort". Als SS-Standartenführer leitete er 1941/42 die Ermordung der litauischen Juden. In seinem Bericht vom 1.12.1941 meldete er die Exekution von 137.346 Juden und prahlte gegenüber seinen Vorgesetzten, Litauen sei jetzt "judenfrei".
Wer war dieser Polizeioffizier, der sich als Soldat fühlte?

Ein Vortrag von Prof. Dr. phil. Wolfram Wette, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br., vom 3.12.2014, Veranstalter: Stadtmuseum Baden-Baden in Kooperation mit SWR 2/ Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg

Nach 1945 führte Jäger in der Nähe von Heidelberg ein unbehelligtes Leben, bis er 1959 verhaftet wurde und sich im Zuchthaus das Leben nahm.
Der Freiburger Historiker Wolfram Wette, der seit 1971 in Waldkirch wohnt, hat sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit dem „Fall Jäger“ auseinandergesetzt. Die Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte er in dem Buch „Karl Jäger – Mörder der litauischen Juden“, das 2011 im Fischer-Taschenbuch-Verlag erschien und alsbald eine 2. und 3. Auflage erreichte.

In seinem Vortrag präsentiert Wolfram Wette den – in der internationalen Holocaust-Forschung berühmten – „Jäger-Bericht“, in dem die Mordtaten des SS-Einsatzkommandos 3 minutiös aufgelistet sind. Durch Augenzeugenberichte von Überlebenden der Judenmorde in Kaunas führt er ganz nahe an die Massaker heran und lässt die Opfer sprechen. Sodann zeichnet er die Biographie Karl Jägers nach, der sich schon 1923 für die NSDAP engagierte. Sein Leben führt zu der Frage, „wie viel Jäger“ in uns allen stecken könnte. Beleuchtet wird weiterhin die konfliktreiche Rezeptionsgeschichte des Holocausts in Litauen und in Deutschland, besonders in der Region, aus der Jäger stammt.

Wolfram Wette

Wolfram Wette

Kurzvita des Vortragenden:


Wolfram Wette, Prof. Dr. phil., geb. 1940, Studium der Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie, Promotion 1971 in München, Habilitation 1991 in Freiburg i. Br.; von 1971 bis 1995 Historiker im Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) in Freiburg i. Br.; 1980 bis 1989 Stadtrat in Waldkirch und Vorsitzender der SPD-Fraktion; seit 1998 apl. Professor für Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.; Ehrenprofessor der russischen Universität Lipezk; Mitbegründer der Historische Friedensforschung; Mitherausgeber der Reihe "Geschichte und Frieden" und des Jahrbuchs „Frieden und Krieg. Beiträge zur Historischen Friedensforschung“. Spezialgebiete: Militärgeschichte und Historische Friedensforschung. Publizistische Tätigkeit für DIE ZEIT, Frankfurter Rundschau, Badische Zeitung u.a.

Zum Weiterlesen:

Wolfram Wette: Karl Jäger. Mörder der litauischen Juden.
Mit einem Vorwort von Ralph Giordano. Frankfurt/M. (Fischer-Taschenbuch-Verlag) 1. u. 2. Aufl. 2011, 3. Aufl. 2012, 284 Seiten.

Wolfram Wette/Detlev Hoffmann (Hrsg.): Litauen 1941 und 2001. Auf den Spuren des SS-Massenmörders Karl Jäger.
Erlebnisberichte von Freiburger Schülern und Studenten. Bremen (Donat-Verlag) 2002, 178 Seiten.

Vincas Bartusevicius/Joachim Tauber/Wolfram Wette (Hrsg.): Holocaust in Litauen. Krieg, Judenmorde und Kollaboration im Jahre 1941.
Mit einem Geleitwort von Ralph Giordano. Köln, Weimar, Wien (Böhlau) 2003, 337 Seiten.

Wolfram Wette (Hrsg.): Retter in Uniform. Handlungsspielräume im Vernichtungskrieg der Wehrmacht.
Mit einem Geleitwort von Fritz Stern. Frankfurt (Fischer-Taschenbuch-Verlag) 2002, 3. Aufl. 2003.

Wolfram Wette (Hrsg.): Zivilcourage. Empörte, Helfer und Retter aus Wehrmacht, Polizei und SS.
Mit einem Geleitwort von Bundespräsident Johannes Rau. Frankfurt/M. (Fischer-Taschenbuch-Verlag) 2004, 2. Aufl. 2005, 361 Seiten.

Wolfram Wette: Nur seine Pflicht getan.
Karl Jäger war ein feinsinniger Mann, musikalisch begabt, immer korrekt. 1941 ließ er in Litauen innerhalb weniger Monate 137 346 Menschen erschießen. In: DIE ZEIT Nr. 5, 26.1.2012, S. 16 (Geschichte), sowie: http://www.zeit.de/2012/05/SS-Jaeger

Wolfram Wette: Feldwebel Anton Schmid. Ein Held der Humanität.
Frankfurt/M.: S. Fischer Verlag 2013, 312 Seiten, 2. Aufl. 2013.

Wolfram Wette: Ehre, wem Ehre gebührt. Täter, Widerständler und Opfer.
Bremen (Donat-Verlag) 2015, 334 Seiten.