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Freiburg Karl Müller: Selbstmord als einziger Ausweg

Der römisch-katholische Sattlermeister kommt am 12. März 1942 in Untersuchungshaft ins Freiburger Gefängnis: Der Vorwurf lautet Verführung zur gleichgeschlechtlichen Unzucht. Bereits 1938 war er wegen § 175 zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Karl Müller stellt einen Antrag auf "freiwillige" Entmannung, erhängt sich dann aber.

Historische Ansicht des ehemaligen Ledergeschäfts Müller in Freiburg

Ledergeschäft Müller. Hier wohnte und arbeitete Karl Müller, Jahrgang 1886. Er wurde verhaftet und wegen § 175 angeklagt. Aus Angst vor der Strafe erhängte er sich am 17.05.1942 während der Untersuchungshaft im Gefängnis von Freiburg. Das Geschäft stand dort, wo sich heute in der Kaiser-Josef-Straße Kaufhof befindet. Ab 12.2.2015 erinnert ein akustischer Stolperstein an ihn.

Kurzbiografie:

Kopie einer Akte

Karl Müllers Akte im Gerichtsgefängnis

Karl Müller wurde am 23. Januar 1886 in Bohlingen geboren. Er war das siebte von elf Kindern der Eheleute Johann Müller und Karolina geb. Riedmann, beide aus Bohlingen. Karl war römisch-katholisch, ledig, von Beruf Sattlermeister und betrieb zur Zeit seiner Verhaftung 1942 ein Lederwarengeschäft in der Adolf-Hitler-Strasse 197 (heute Kaiser-Josef-Strasse 197) in Freiburg.

Obwohl es keine Meldekarte von Karl Müller im Stadtarchiv mehr gibt, zog er laut Adressbüchern spätestens 1924 nach Freiburg und wohnte über dem Ledergeschäft. Gregor Müller, Karls Onkel, auch aus Bohlingen, kam 1884 nach Freiburg und betrieb bis zu seinem Tod 1929 das Lederwarengeschäft Gregor Müller.

Seine Witwe Wilhelmine erbte das Geschäft. Sie starb 1934. Das Geschäft ging dann an Karl und Anton Müller, die beide in dem Haus wohnten.

Karl Müller kam am 12. März 1942 wegen "Verführung zur gleichgeschlechtlichen Unzucht" in Untersuchungshaft im Freiburger Gefängnis.

Historische Ansicht des ehemaligen Landgerichts Freiburg, vor 1933.

Ehemaliges Landgericht Freiburg. Dort wurden in den Jahren 1933-45 neben vielen anderen Menschen ca. 180 - 190 Männer wegen § 175 verurteilt. Einige von ihnen kamen nach Verbüßung der Strafe ins KZ und wurden dort ermordet. Heute Amtsgericht, Holzmarkt.

Er war schon wegen Unzucht mit Männern vorbestraft. Eine Verurteilung ist belegt. Am 18. Januar 1938 wurde er wegen § 175 vom Landgericht Freiburg zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Leider sind zu dieser Verurteilung keine Einzelheiten bekannt, da die Prozessakte nicht mehr existiert. In Untersuchungshaft stellte Müller 1942 einen Antrag auf "freiwillige" Entmannung. Am 17. Mai 1942 erhängte er sich in der Zelle. Ein Zitat aus dem Leichenschauerfundbericht und Gutachten:

"Karl Müller ist eines gewaltsamen Todes durch Erhängen gestorben. Es liegt einwandfrei Selbstmord vor. Die Motive dafür sind in der Furcht vor der zu erwartenden Strafe wegen Sittlichkeitsverbrechens zu suchen. Er hat gestern bei einer Untersuchung durch mich noch angegeben, dass er außer an Hermann G. noch an einer ganzen Anzahl anderer Burschen sich vergangen habe."

Von William Schäfer //