Bitte warten...

Worms Herta Mansbacher: Unbeirrt gegen Brandstifter

Stolperstein im Adenauerring 6

48 Jahre lang spielte es keine Rolle, dass sie Jüdin war. Mit den Nazis änderte sich alles. In der Pogromnacht stellte sich Herta Mansbacher den Horden in den Weg und rettete wertvolle Kunstschätze aus der brennenden Synagoge. 1942 wurde sie ermordet. Heute wird sie in Worms als Heldin verehrt.

Porträt von Herta Mansbacher, aufgenommen im Jahr 1940, zwei Jahre vor ihrer Ermordung.

Das letzte Foto von Herta Mansbacher. Es wurde im März 1940 aufgenommen und fand sich in ihrem Personalausweis.

Kurzbiografie

Herta Mansbacher wurde 1885 in Darmstadt geboren und verlebte eine behütete Kindheit. Ihre Eltern gehörten zum gehobenen Bürgertum und fühlten sich gleichermaßen als Deutsche wie als Juden.

Die Tochter wurde Lehrerin in Worms, zunächst an einer nicht-jüdischen Volksschule. 1933 wurde sie plötzlich aus dem Unterricht auf den Flur gerufen – und kehrte nie wieder in ihre Klasse zurück. Sie wurde Lehrerin an der jüdischen Schule, die sie schließlich sogar leitete.

Um ihre eigene Zukunft kümmerte sie sich nicht: Sie war ganz für "ihre" Kinder da.

In der Pogromnacht rettete sie wertvolle Kunst- und Kultgegenstände aus der brennenden Synagoge.

Schließlich wurde die jüdische Schule 1941 aufgelöst. Herta Mansbacher wurde, zusammen mit etlichen ihrer Schüler, 1942 deportiert und ermordet – vermutlich im Vernichtungslager Belzec.


Kämpferin gegen das Unrecht

In den letzten Jahren, in denen sich Herta Mansbacher in Worms um "ihre" Kinder in der jüdischen Schule kümmerte, erkannte man sie kaum wieder. Früher hatte sie zuweilen wenig gepflegt gewirkt, eine Schönheit war sie ohnehin nicht. Sie galt als humorlos, ohne Charme und Herzlichkeit, kleidete sich unvorteilhaft. Ihre Katzenliebe brachte ihr bei den Schülern den Spitznamen "Bussie" ein. Dann aber veränderte sie sich in eine selbstbewusste und entschlossene Kämpferin gegen das Unrecht.

Lehrer der jüdischen Schule vor dem Eingang zur Frauensynagoge, 1937 (Herta Mansbacher steht vorn, zweite von links)

Lehrer der jüdischen Schule vor dem Eingang zur Frauensynagoge, 1937 (Herta Mansbacher, 2. von links)

Sie versuchte alles, um ihre Schüler und deren Eltern zur Auswanderung zu bewegen. Nie dachte sie daran, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Ihre Schüler brauchten sie, das ging vor. Schon bald war ihr klar, dass das Wormser Judentum mit seiner großen, fast tausendjährigen Tradition von den Nazis völlig ausgerottet werden sollte. Deshalb zögerte Herta Mansbacher nicht, mit dem Mut der Verzweiflung in der schrecklichen Pogromnacht wertvolle Kunstwerke und Kultgegenstände zu retten.

Brennende Synagoge am 10. November 1938 in Worms

Brennende Synagoge am 10. November 1938 in Worms


Buchhinweise:

Henry R. Hüttenbach: Herta Mansbacher. Porträt einer jüdischen Lehrerin, Heldin und Märtyrerin (1885 – 1942). Aus: Der Wormsgau. Zeitschrift der Kulturinstitute der Stadt Worms und des Altertumsvereins Worms. Beiheft 27. Verlag Stadtarchiv Worms, 1981, 88 Seiten mit zahlreichen Abbildungen.

Annelore und Karl Schlösser: Keiner blieb verschont. Die Judenverfolgung 1933 – 1945 in Worms. Aus: Der Wormsgau. Zeitschrift der Kulturinstitute der Stadt Worms und des Altertumsvereins Worms. Beiheft 31, Verlag Stadtarchiv Worms, 1987, 164 Seiten

Beide Bücher sind im Jüdischen Museums im Raschi-Haus Worms käuflich zu erwerben.