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Stuttgart Geschwister Kurz: Studienobjekte für Doktorarbeit in Rassenkunde

Stolpersteine in der Badergasse 6 | Bad Cannstatt

Am 9.5.1944 wurden zahlreiche Kinder aus Sinti- und Roma-Familien aus württembergischen Heimen nach Auschwitz deportiert. Unter ihnen waren auch die Geschwister Kurz.

Foto von Thomas und Sonja Kurz von der Frühkommunion

Frühkommunion von Thomas und Sonja Kurz, zwei Tage vor der Deportation

Kurzbiografie:

In der Bad Cannstatter Badergasse wohnte die sechsköpfige Familie Kurz. Die vier Kinder Otto (*1934), Sonja (*1935), Thomas (*1936) und Albert (*1938) Kurz verbrachten hier ihre ersten Lebensjahre. Im Februar 1939 kamen die Geschwister ins Heim, da ihren Eltern, Otto und Franziska Kurz, das Sorgerecht entzogen wurde. Im Mai 1944 wurden die vier Sinti-Kinder nach Auschwitz deportiert. Am 2.8.1944 wurden Otto, Sonja, Thomas und Albert Kurz im KZ ermordet.

Die Familie zerbricht

Im Februar 1939 hatte das Amtsgericht Bad Cannstatt den Eltern, Otto und Franziska Kurz, das Sorgerecht für ihre Kinder abgesprochen und die Erziehung in einem Heim angeordnet. Eine Fürsorgerin der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) kam bei einer Stippvisite bei der Familie Kurz zu dem Schluss, dass für die vier Kinder nicht ausreichend gesorgt würde. Hinzu kam, dass der Vater bereits als "Zigeunermischling" eingestuft worden war.

Deportation von Sinti-Kindern

Bis zur Einschulung der Geschwister Kurz wuchsen sie im Kinderheim Baindt heran, danach kamen sie in die St. Josefpflege in Mulfingen. Eva Justin, eine Mitarbeiterin der "Rassenhygienischen Forschungsstelle des Reichgesundheitsamts" nutzte die in Mulfingen lebenden Kinder als lebende Studienobjekte für ihre Doktorarbeit auf dem Gebiet der Rassenkunde. Am 9.5.1944 wurden die vier Geschwister sowie 30 weitere Kinder zum Bahnhof Crailsheim gebracht und nach Auschwitz deportiert.