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Münsingen-Trailfingen Andreas Bückle: Therapie – Wegsperren

Stolperstein in der Tragolfstr. 2

Ermordet als "lebensunwertes Leben" – Der Lehrer Andreas Bückle war im ersten Weltkrieg schwer traumatisiert worden.

Foto von Andreas Bückle in Uniform um 1909

Andreas Bückle um 1909

Kurzbiografie:

Andreas Bückle (*17.11.1889), ein Lehrer von der Schwäbischen Alb, wurde nach dem Ersten Weltkrieg schwer traumatisiert aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Danach erlitt er eine Odyssee durch verschiedene württembergische Heilanstalten. Zuletzt wurde er von der Heilanstalt Zwiefalten nach Grafeneck gebracht und dort am 5. August 1940 als "lebensunwertes Leben" vergast.

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Andreas Bückle

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Andreas Bückle (re.) mit Eltern und Geschwistern. Er ist das jüngste von sechs Kindern. Ganz links steht sein Bruder Georg, rechts daneben sitzt seine Schwester Rosine, die wie er den Lehrerberuf ergriff. Neben der Ältesten steht Dorothea, auch Dorle genannt. In der Mitte am Tisch sitzt Andreas Bückles Bruder Johannes. Er wurde im 1. Weltkrieg am Kopf verwundet. Rechts daneben steht der älteste Sohn der Familie. Matthäus ist der Zweitälteste nach Rosine. Dann folgen Anna, die Mutter und Vater Johann-Georg.

Andreas Bückle (re.) mit Eltern und Geschwistern. Er ist das jüngste von sechs Kindern. Ganz links steht sein Bruder Georg, rechts daneben sitzt seine Schwester Rosine, die wie er den Lehrerberuf ergriff. Neben der Ältesten steht Dorothea, auch Dorle genannt. In der Mitte am Tisch sitzt Andreas Bückles Bruder Johannes. Er wurde im 1. Weltkrieg am Kopf verwundet. Rechts daneben steht der älteste Sohn der Familie. Matthäus ist der Zweitälteste nach Rosine. Dann folgen Anna, die Mutter und Vater Johann-Georg.

Das Elternhaus von Andreas Bückle in der Tragolfstraße 2 in Münsingen-Trailfingen. Die heutigen Besitzer haben wenig an dem Haus verändert, in dem Andreas Bückle seine Kindheit verbrachte.

Diese letzte Feldpostkarte schrieb Andreas Bückle an seine Tante in der Heimat ...

"Liebste Tante! Der liebe Gott läßt mich morgen das geliebte Heimatland wieder sehen [….] Dein Dich liebender Andreas"

Vorderseite eines Notizzettels, auf dem Anna Volz, eine Cousine von Andreas Bückle, sein Schicksal niedergeschrieben hatte. Anna Volz schrieb: "Diese Karte ist von Andreas Bückle, Lehrer aus Trailfingen gebürtig, geschrieben, als er aus franz. Gefangenschaft in die Schweiz als "unheilbar krank" entlassen wurde im 1. Weltkrieg. Sein Schicksal war hart. Weil das Wort "unheilbar" auf seiner Entlassung stand, ließ man ihn seine Heimat Trailfingen nicht sehen und vertröstete ihn nach immer währenden Bitten von Monat zu Monat. So wurde er ganz verbittert, und die ...

... Sehnsucht nach der Heimat verkrafteten seine kranken Nerven nicht mehr. Er wurde dann nach Zwiefalten gebracht. Dort blieb er, bis man ihn im 2. Weltkrieg mit vielen unglücklichen Menschen in Grafeneck verbrannte. Er war der jüngste Sohn von Sailervetters, seine Mutter Anna war die Schwester meiner Mutter und er ist im Jahre 1889 geboren. Anna Volz"

Von der Heilanstalt Zwiefalten wurde Andreas Bückle nach Grafeneck gebracht. Dort wurde er ...

... dort vergast. Andreas Bückle starb am 5. August 1940 in diesem Gebäude.

Die Nationalsozialisten verschleierten den gewaltsamen Tod von Andreas Bückle mit einem gefälschten Datum und einem gefälschten Todesort (Hartheim in Österreich war allerdings auch eine Tötungsanstalt).

Auf Betreiben des Großneffen Ludwig Tampe wurde der Eintrag im Kirchenbuch korrigiert. Den standesamtlichen Unterlagen wurde im Herbst 2013 eine sogenannte "Erschließungsinformation" über Bückles tatsächliche Todesumstände beigefügt.