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Vorsicht Fake! Schummeln und Betrügen im Internet

SWR2 Impuls. Von Petra Stalbus.

Ein bisschen nachhelfen, das tun viele bei Facebook & Co. Fotos von sich selbst werden mit Bildbearbeitungsprogrammen aufgehübscht und bei den persönlichen Daten wird geschummelt. Aber im Netz tummeln sich auch immer mehr komplett erfundene Personen – die Fakes. Wer sind sie, was wollen sie und wie kann man sie enttarnen?

Egal ob auf Facebook oder in anderen Communities, in Foren, überall gibt es Fakes. Die Verbreitung ist sehr groß. Victoria Schwartz

Victoria Schwartz ist Expertin für Internetfakes. Sie meint dabei nicht nur die millionenfach gekauften Likes, Facebook-Freunde und Twitter-Follower für Promis und Firmen, sondern auch die gefälschten Internetuser, die die politische Stimmung beeinflussen und vor allem auch die privaten Fakes.

Autorin Victoria Schwartz

Autorin Victoria Schwartz

Funfakes und Realfakes

Ich leg mir mal einen Fakeaccount zu und dann guck ich mal, was meine Freunde so über mich reden, ist doch lustig, die denken sich nicht soviel dabei, aber häufig rutschen diese Menschen dann doch oft in eine emotionale Beziehung zu einer anderen Person und dann wird’s halt kompliziert, weil sie dann nicht mehr daraus kommen und sagen können, ich bin gar nicht echt.

Das sind die sogenannten Funfakes. Bei den Realfakes wird’s dann ernster. Sie legen sich mit Vorsatz eine ganze erfundene Welt zu:

Die Realfakes sind Fakes, die mit Hilfe eines großen Netzwerks an Fakeaacounts von Freunden und Familienmitgliedern komplett echt wirkendende falsche Identitäten erschaffen. Denen geht’s um Aufmerksamkeit, darum, Gefühle zu erwecken, manche wollen manipulieren, manche wollen aber auch eine Liebesbeziehung im Internet führen und das sind Fakes, die sehr, sehr sehr aufwändig arbeiten und sehr schwer zu enttarnen sind, häufig.

Betrügen im Internet

Man sollte das Facebook-Profil unter die Lupe nehmen.

Wie meine Internetliebe zum Albtraum wurde

Victoria Schwartz ist selbst auf einen solchen Realfake hereingefallen. Zu perfekt war das Lügengebild von "Kai" aus zig Facebook-Accounts, Tausenden von Fotos und Videos – alles von anderen Internetnutzern per Copyclick gestohlen. Victoria Schwartz hat ihren Internetfake dann enttarnt und ist mit einem Blog und dem Buch "Wie meine Internetliebe zum Albtraum wurde: Das Phänomen 'Realfakes'" an die Öffentlichkeit gegangen. 500 Betroffene haben sich seitdem bei ihr gemeldet, die meisten von ihnen medienkompetente Menschen zwischen 20 und 30 Jahren. Getäuscht, enttäuscht, ihr Vertrauen missbraucht.

Betrügen im Internet

Diese Briefe und Postkarten bekam Victoria Schwartz von "Kai".

Fakes erkennen

Oft werden Ausreden gefunden, warum das geplante Treffen wieder verschoben werden muss und viele denken natürlich nicht daran, dass der gutaussehende charmante Mann, mit dem man seit Monaten schreibt und telefoniert eventuell gar nicht echt ist. Viele sind sogar verifizierter Nutzer, z.B bei lovoo.

Verifiziert bedeutet nur, dass der Person ein Zahlencode zugeschickt wird, den soll die Person auf einen Zettel schreiben und ein Selfie damit machen. Mir ist es neulich gelungen, mit dem geklauten Foto eines Freundes von mir und einem Zettel, den ich da vorgeklebt hab, einen Account verifizieren zu lassen, und das ist da leider alles gar keine Sicherheit.

Also Augen auf im Internet, gerade wenn sich Gefühle anbahnen – und zur Not die Person checken:

Man kann den Namen mal googeln und schauen, gibt’s den überhaupt und die Bilder mit der Bilderrückwärtssuche überprüfen und gucken, ob die Bilder wirklich seine sind oder ob die einer ganz anderen Person gehören.

Betrügen im Internet

Ist die Person auf dem Foto wirklich echt?

Bilderrückwärtssuche, IP-Adresse und Facebook

Rechtsklick auf das Porträtbild, Bildadresse kopieren, Google.de öffnen, jetzt auf „Bilder“ klicken, dann auf das kleine Kamerasymbol im Suchfeld, Bildadresse einfügen und: los. Eventuell findet man das Bild dann mit einem anderen Namen.

Auch die IP-Adresse kann Aufschluss geben. Jedes an das Internet angebundene Gerät hat eine solche IP-Adresse ähnlich einer Postanschrift. Kommen die E-Mails von einer IP-Adresse beispielsweise aus Süddeutschland obwohl die Person angibt in Hamburg zu wohnen,sollte man vorsichtig sein.
Dritter Tipp: Social Media Accounts unter die Lupe nehmen, bezüglich Account-Alter, Account-Aktivitäten und der Freunde:

Bei Facebook zum Beispiel, wieviele Freunde hat der Mensch, kommen viele Freunde aus demselben Umfeld wie er selber aus derselben Stadt oder sind die aus anderen Ländern wahllos zusammengewürfelt. Gibt es Menschen, die seine Bilder liken oder kommentieren, oder ist der Account im Grunde komplett unbelebt.

Nicht alle Facebook-Profile sind echt

Nicht alle Facebook-Profile sind echt

Rächer und Scammer

Auch die „Rächer“ haben gefälschte Profile. Und sie sind besonders gemein. Denn ihre Absicht ist es, anderen Schaden zuzufügen.

Also nehmen wir an, ich finde Sie jetzt ganz blöd und bau mir ein Profil eines Mannes, der dann schreibt, ja Frau S. ist eine blöde Kuh, ich hab 2014 mal mit ihr zusammen gearbeitet, ein schrecklicher Mensch, also so etwas, da werden dann vermeintlich richtige Dinge aus dem Privatleben eines anderen Menschen öffentlich gemacht.

Aber wie kann man nun gegen diese Fakes vorgehen – die Rächer, Realfakes, Funfakes oder auch die kriminellen Scammer – die große Gefühle vortäuschen, um an das Geld ihrer Opfer zu kommen?

Betrügen im Internet

Du Suche nach der Liebe im Netz kann auch im Albtraum enden.

Wenn man einen Fake bei Facebook aufgespürt hat, kann man ihn melden. Leider macht Facebook relativ selten etwas dagegen. Fast täglich reporte ich Scammer und Facebook erkennt dann nicht an, dass sie nicht den Nutzungsbedingungen entsprechen, nicht einmal, wenn man schreibt, dass man weiß, wer auf dem Bild ist und den Namen dazu nennt. Die Rechtslage ist leider so, dass in Fakefällen wenn kein materieller oder physischer Schaden entstanden ist, keine Straftat vorliegt. Bei Scammern liegt natürlich eine Straftat vor, aber da die Kriminellen oft im Ausland sitzen, kann die deutsche Polizei gar nicht durchgreifen. Allerdings, bei allen Fakeformen kann man rechtliche Schritte einleiten, wenn es zu Drohungen oder zu Stakingmomenten kommt. Wenn allerdings 'nur gefaked' wurde, liegt keine Straftat vor.

Im Programm

Johann Sebastian Bach:
Präludium und Fuge G-Dur BWV 541
Martina Mailänder (Orgel)
Jan Dismas Zelenka:
"Confitebor tibi"
Accademia Barocca Luvernensis
Leitung: Javier Ulises Illán
Nicolas Bruhns:
Präludium e-Moll
Karsten Lüdtke (Orgel)
Wolfram Buchenberg:
"Splendor materne glorie"
Cantabile Regensburg
Leitung: Matthias Beckert
Heinrich Scheidemann:
"Mensch willst du leben seliglich"
Hilger Kespohl (Orgel)
Philipp Friedrich Böddecker:
Magnificat
Knut Schoch (Tenor)
I Sonatori
Max Reger:
Präludium und Fuge F-Dur op. 85 Nr. 3
Gerhard Weinberger (Orgel)

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