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La Folia Barockorchester spielt wiederentdeckte Barockschätze Pure Lust am Musizieren

CD-Tipp vom 28.11.2017

CD-Cover Dresden

CD

Titel:
Rediscovered Treasures from Dresden
Interpret:
Robin Peter Müller | La Folia Barockorchester | Pia Grutschus
Label:
dhm 889854 15902

Vielgerühmte Spielkultur der Dresdner Hofkapelle
In seiner goldenen Epoche während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts galt die Dresdner Kapelle am Hof der sächsischen Kurfürsten und Könige von Polen als das beste Orchester Europas und glänzte mit dem „perfektesten Ensemble-Spiel“. Entscheidenden Anteil an dieser vielgerühmten Spielkultur der Dresdner Hofkapelle hatte damals ihr Konzertmeister, der brillante Geiger Johann Georg Pisendel. Er verband höchste Virtuosität mit ausdrucksstarkem Spiel, aber auch mit großer orchesterpädagogischer Verve. Für seine Zeitgenossen war er „einer der genauesten Anführer eines Orchesters, die man jemals gehabt hat“. Eng befreundet mit Telemann, Vivaldi, Fasch, Graupner, Förster und anderen, bestellte und sammelte, kopierte, arrangierte und organisierte der rastlos fleißige Konzertmeister das Repertoire des Dresdner Spitzenorchesters und stellte eine einzigartige Musikbibliothek zusammen. Im legendären Schrank II überlebte Pisendels Musikaliensammlung im Juli 1760 den preußischen Beschuss Dresdens ebenso wie die Bombennacht im Februar 1945 und befindet sich heute in der Sächsischen Landesbibliothek – der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden.

Im Gefolge des sächsischen Kurfürsten Friedrich August war Pisendel 1716 zum Karneval nach Venedig gereist. Als er von seiner Italienreise zurückkehrt, hat er jede Menge italienischer Musik im Reisegepäck: neben Stücken, die ihm Antonio Vivaldi ausdrücklich gewidmet hat, vor allem auch Concerti seines venezianischen Kollegen. Die arrangiert Pisendel dann gelegentlich um.

Fünf Ersteinspielungen
Insgesamt fünf anonym überlieferte Concerti aus Pisendels Sammlung hat Robin Peter Müller mit dem La Folia Barockorchester nun erstmals eingespielt. Und wie! In den Aufnahmen gehen Stilsicherheit, spürbare Entdeckerfreude und die pure Lust am Musizieren eine unschlagbare Liaison ein. Hier musiziert ein bestens eingestimmtes und bestens aufgelegtes Ensemble. Das gilt für die Kompositionen, die in Format und Papier an die Handschriften erinnern, die Pisendel aus Italien mitgebracht hat; das gilt aber auch für die mitreißende Musik eines noch nicht näher identifizierten süddeutschen Vivaldi-Nachahmers. Bestechend vorgetragen vor allem ein von Pisendel notiertes Concerto in d-Moll mit einem dichten Orchestersatz, das – wohl ursprünglich für Traversflöte oder Oboe gedacht – von dem fleißigen Dresdner Konzertmeister für Violine arrangiert worden ist. Johann Georg Pisendel – der „vollkommene Konzertmeister“ des Dresdner Spitzen-Ensembles, der Schatzmeister des legendären Schrank II – er hätte seine wahre Freude daran gehabt!

CD-Tipp vom 28.11.2017 aus der Sendung „SWR2 Cluster“

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