Ein Katze liegt gemütlich auf ihrem Kratzbaum. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

Schmusekatzen und Streuner Wie Tiere "Persönlichkeit" entwickeln

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SWR2 Wissen. Von Martin Hubert.

Introvertiert oder abenteuerlustig? Auch bei Tieren gehören solche Eigenheiten zur Persönlichkeit. Doch wie entwickelt sich der Tier-Charakter?

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Luna ist bei fremden Menschen erstmal schüchtern und Balu fürchtet sich vor Wasser - jeder Katzenbesitzer und jeder Hundehalter kennt die Eigenarten seines Tieres. Doch was prägt den tierischen Charakter? Wie entwickelt sich die Tierpersönlichkeit? Das haben Biologen mit vielfältigen Experimenten erforscht.

Ein Hund auf einer Couch. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Hat er Schmusehundgene oder ist das anerzogen? Thinkstock -

Die Charakterbildung eines Tieres wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst

  • Tiere bringen immer eine genetische Prägung mit. Wenn Mutter und Vater Wildfänge waren, entwickelt sich der Nachwuchs selten zu einem ruhigen Schmusehund oder einem schüchternen Stubentiger. Studien haben gezeigt, dass sich in gewissem Maße Persönlichkeitseigenschaften bei den Tieren über Generationen hinweg fortpflanzen.
  • Der Aktionsradius eines Tieres ist ebenfalls sehr wichtig. Kann die Fellnase selbst entscheiden wann, wo und was sie frisst? Kann sie entscheiden, ob sie herumläuft, aktiv ist oder lieber faulenzt? Tiere mit einem großem Radius sind entdeckungsfreudiger und weniger verspielt. Tiere mit sehr beschränktem Radius dagegen investieren mehr Energie ins Spielen.
  • Die sozialen Beziehungen spielen eine große Rolle. Wächst der Vierbeiner in einer großen Familie auf, in der es turbulent zugeht. Oder ist er die Haltung mit nur einem anderen Artgenossen gewohnt - ohne viel Kontakt zu Menschen? Liegt der Hund alleine an der Kette im Zwinger oder darf die Schar der Samtpfoten ganz selbstverständlich aufs Sofa?
  • Die Ressourcen, die das Tier zur Verfügung hat. Tiere, die in üppigen Umwelten mit großen Futterressourcen leben, sind weniger neugierig und erkundungsfreudig. Sie treten eher passiv und vorsichtiger auf. Tiere, denen solche Ressourcen fehlen, sind entdeckungsfreudiger und risikobereiter. Sie treten mutiger und aggressiver auf.
Hund zerrt aggressiv an Hosenbein (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Warum zerrt dieser Mops so aggressiv am Hosenbein? Hängt dieses Verhalten mit seiner Persönlichkeit zusammen? picture-alliance / dpa -

Die Tiere passen ihre Verhaltensmuster also stark den Umweltbedingungen an. Das ist ein Beleg für die adaptive Persönlichkeitstheorie. Das heißt, die Tiere sind in ihren persönlichen Eigenschaften flexibel, um auf sich ändernde Umweltsituationen reagieren zu können.

Tiere haben also ein persönliches Grundmuster: manche sind neugieriger und aggressiver als andere. Andererseits hält sich aber selbst das aggressivste und neugierigste Tier zurück, wenn es über gute Ressourcen verfügt.

Eine Katze lauert auf einem Ast in einem Baum (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Die Freigänger unter den Katzen jagen gerne. Thinkstock -

Der Zeitpunkt der Geburt beeinflusst die persönlichen Eigenschaften der Tiere ebenfalls. So sind zum Beispiel Meerschweinchen, die in den Frühling hineingeboren werden, deutlich mutiger und werden viel schneller geschlechtsreif als Herbstgeborene. Denn im Frühjahr gibt es genügend Futter. Es lohnt sich, die Umwelt rasch zu erobern und sich fortzupflanzen. Ganz anders im Herbst, wo der harte Winter bevorsteht und es besser ist, erst einmal abzuwarten. Werden die Jungtiere in den Herbst rein geboren, dann sind Jungtiere eher schüchtern und zurückhaltend.

In der Adoleszenz verändern sich die Nervenverbindungen im Gehirn von Menschen noch einmal aufgrund neu gemachter Erfahrungen. Auch Tiere verändern ihre Persönlichkeit noch einmal in der Pubertät. Zum Beispiel klagen Hundehalter mit pubertären Tieren oft, dass ihre Vierbeiner die ganze Erziehung des ersten Jahre wieder völlig vergessen hätten und sie jetzt nochmal anfangen müssten, einfache Regeln mit ihnen zu üben.

Ein Hund zwischen kaputten Kissen. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Viele Hunde vergessen in der Pubertät ihre "Erziehung". Thinkstock -
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