Bitte warten...
Augen-OP

SENDETERMIN Mo, 24.12.2018 | 8:30 Uhr | SWR2

Wissenschaft 2018 Wie wir das Jahr erlebt haben

Mit Sonja Striegl, Uwe Gradwohl, Ulrike Till, Gabor Paál und Martin Schneider

Spannende Raumfahrtprojekte - genmanipulierte Embryonen - die Plastifizierung der Welt und: eine überforderte Forschungsministerin. Was war 2018 wichtig?
Das SWR Wissen-Team mit einem persönlichen Jahresrückblick

Raumfahrt

In der medialen Wahrnehmung war das Raumfahrt-Jahr geprägt von Alexander Gersts ISS-Mission. Doch was hat er eigentlich dort erforscht? Vor lauter Star-Kult und Gruß-Botschaften kam von den Ergebnissen seiner Forschung bisher wenig auf der Erde an.

Alexander Gerst schaut aus Raumschiff-Luke

Alexander Gerst war ein gefragter Interviewpartner: zu allen möglichen und unmöglichen Themen, die unseren Planeten betreffen.

"Die unbemannte Raumfahrt hatte mehr zu bieten als Gerst"

Aus wissenschaftlicher Sicht sind die unbemannten Raumfahrtprojekte des Jahres 2018 die interessanteren: Die Chinesen sind zur Rückseite des Mondes gestartet. Das private Raumfahrtunternehmen Space X hat eine mondtaugliche Schwerlastrakete gestartet. Und die NASA will den Gateway bauen, eine Station, die den Mond umkreist – so wie heute die ISS die Erde. 

Auf unserem Nachbarplaneten ist Mars Insight gelandet und wird demnächst beginnen, den Mars zu „durchleuchten“. Gleichzeitig ist BepiColombo in die andere Richtung losgeschickt worden – denn vor lauter Mars-Forschung kamen Merkur und Venus wissenschaftlich viel zu kurz.

"InSight" Probebohrung auf dem Mars

Die von der US-Raumfahrtbehörde NASA zur Verfügung gestellte Computer-Visualisierung zeigt den Lander "InSight", der auf dem Mars eine Probebohrung durchnimmt.

Die Parker Solar Probe der NASA wiederum ist ganz nah an der Sonne vorbeigeflogen.

Und für Raumfahrtfans hat SWR-Astro-Redakteur Uwe Gradwohl noch einen Tipp: „Am Neujahrstag wird New Horizons – die Sonde vor einigen Jahren am Pluto vorbeiflog – den Himmelskörper Ultima Thule erreichen, ein großer Felsbrocken im Kuiper-Gürtel weit außerhalb der Pluto-Bahn“.

Medizin

Für Medizin-Redakteurin Ulrike Till war die Geburt genetisch manipulierter Zwillinge in China das Ereignis des Jahres – im negativen Sinn. „Inzwischen heißt es, dass noch eine weitere Frau mit einem genetisch umprogrammierten Baby schwanger ist. Es gibt immer noch keine Veröffentlichung in einem Fachmagazin – das heißt, die Versuche sind nicht von unabhängigen Wissenschaftlern überprüft worden.“ Trotzdem gehen inzwischen die meisten internationalen Experten davon aus, dass die Nachricht stimmt.

Weltweite Kritik an genmanipulierten Embryos

Die Versuche sind weltweit als unverantwortlich kritisiert worden – sogar in China selbst. Aber auch die beiden Entdeckerinnen der Genschere CrisprCas haben die Tat scharf verurteilt. „Denn es ging nicht darum, die Babys vor einer gefährlichen Erbkrankheit zu bewahren, sondern sie sollten immun gegen Aids werden – das ist aber kein triftiger Grund für einen so folgenreichen Eingriff; vor Aids kann man sich ja auf herkömmliche Weise sehr gut schützen“, sagt Ulrike Till.

Im Moment sollen beide Kinder gesund sein, aber keiner weiß, wie es ihnen in ein paar Jahren gehen wird. Die Genschere funktioniert nicht zu 100 Prozent exakt; es kann auch zu ungewollten Mutationen bis hin zu Krebs kommen.

„Ich glaube, der Schreck über die chinesischen Crispr-Babies sitzt so tief, dass Genforscher und Reproduktionsmediziner sich tatsächlich auf einen Kodex für die Zukunft verpflichten lassen“, meint Ulrike Till. „Wenn das klappt, dann hat die fatale Genmanipulation in China zumindest etwas Gutes bewirkt.“

Insektensterben und die Plastizifierung der Welt

Bei "Umwelt" denken die meisten Menschen an den Klimawandel. Er hat in den letzten Jahrzehnten die Debatten um Umweltschutz beherrscht. Umso bemerkenswerter findet Gábor Paál, dass es neuerdings weitere große ökologische Themen gibt, die genauso global sind und fast genauso viel Aufmerksamkeit bekommen, wenn nicht noch mehr. Das Insektensterben und die weltweite Plastikverschmutzung. Beide Themen haben im letzten Jahr nicht nur viel Aufmerksamkeit bekommen, es gab auch politische Reaktionen:

Die – mediale, wissenschaftliche und politische – Entwicklung beim „Insektensterben“ ist hier dokumentiert.

Und auch beim Plastik hat sich etwas getan. Wissenschaftlich haben Studien belegt, dass Mikroplastik heute praktisch überall auf der Erde ist. In der Tiefsee – und auch im menschlichen Kot, egal wo die Menschen leben. Die Politik ist aktiv geworden: Der Plastiktütenverbrauch in Deutschland hat sich innerhalb von zwei Jahren halbiert. 2018 hat die EU-Kommission ein Verbot von Einweg-Plastik auf den Weg gebracht. Und im Herbst begann ja auch die spektakuläre Aktion von Boyan Slat – dem jungen Niederländer, der das Projekt Ocean Clean entwickelt hat, und der mit seiner Crew in den Pazifik hinausfuhr, um das Plastik einzusammeln, das dort im riesigen Plastikstrudel schwimmt. Das funktioniert zwar bisher noch nicht so, wie er es sich gedacht hat, aber auch das hat dem ganzen Thema nochmal viel Aufmerksamkeit gebracht.

Der Niederländer Boyan Slat will mit seinem Projekt "Ocean Cleanup" dabei helfen, die Meere vom Plastikmüll zu befreien.

Der Niederländer Boyan Slat will mit seinem Projekt "Ocean Cleanup" dabei helfen, die Meere vom Plastikmüll zu befreien. Doch erste Versuche sind jetzt wohl gescheitert.

Parallelen zwischen Insektensterben, Plastik und Klimawandel

Gábor Paál sieht dabei Parallelen zwischen den Themen: „Bei Themen – das Insektensterben und die ‚Plastifizierung‘ der Welt – haben wie der Klimawandel etwas Unheimliches. Man sieht die Phänomene nicht auf den ersten Blick, und doch sind sie nachweislich da – und zwar überall. Gleichzeitig sind die Folgen kaum zu erfassen. Es gibt keine einfachen Lösungen. Man kann nicht einfach Schutzparks für Insekten schaffen, ebenso wenig, wie man das Mikroplastik einfach wieder einsammeln kann. Und alles zusammen: das einerseits Unsichtbare und doch Überall-Gegenwärtige und das Ungewisse, das macht diese Phänomene so unheimlich.“

Und zuletzt ... die neue Forschungsministerin Karliczek

2018 wurde Anja Karliczek neue Bundesministerin für Bildung und Forschung. Sie wird meist als „Bildungsministerin“ vorgestellt, dabei ist Bildung primär Ländersache – und 90 Prozent ihres Etats ist der Forschung gewidmet - 18 Milliarden Euro. Dennoch wird als Forschungsministerin kaum wahrgenommen. In der Wissenschafts-Landschaft hat sie zunächst irritiert: Sie forderte, dass Forschung mehr anwendbare Ergebnisse bringen müsse – was viele als Abwertung der Grundlagenforschung deuteten.

Dann die Fettnäpfchen, in die sie getappt ist: Dass man noch nicht wisse, wie sich gleichgeschlechtliche Eltern auf die Kinder auswirken – dabei gibt es dazu etliche Studien. Oder dass der neue Mobilfunkstandard 5G nicht „an jeder Milchkanne“ verfügbar sein müsse. „Dabei setzen viele Entwicklungen – etwa das autonome Fahren – genau das voraus, dass die Technik überall funktioniert“, sagt Martin Schneider, wissenschaftspolitischer Redakteur im SWR. Er schiebt das unglückliche Agieren auch auf ihren Hintergrund zurück: „Sie hatte vorher nichts mit Forschung zu tun – und bezeichnet sich ja auch selbst als Quereinsteigerin.“

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, CDU

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, CDU

Von dieser Sendung gibt es leider kein Manuskript.

Sendung vom

Mo, 24.12.2018 | 8:30 Uhr

SWR2

Mehr zum Thema im WWW:

Sendezeiten

Montags bis samstags, 8.30 bis 9.00 Uhr, sonn- und feiertags: SWR2 Wissen: Aula

Die Sendungen finden Sie auch in allen gängigen Podcast-Portalen, bei Spotify und Deezer und natürlich auch in der ARD Audiothek.

Weitere Themen in SWR2