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SENDETERMIN So, 14.1.2018 | 8:30 Uhr | SWR2

Der nackte Affe Die Sexualbiologie der Primaten

SWR2 Wissen: Aula. Von Volker Sommer

Unsere Geschlechtsmerkmale fielen nicht vom Himmel. Die Werkzeuge des Sex mussten sich vielmehr über Jahrhunderttausende herausbilden und stets neu bewähren.

"Der nackte Affe" - in diesem Bestseller aus dem Jahr 1967 verglich ohne Prüderie der Zoologe Morris die Sexualbiologie von Menschen mit der von anderen Tieren. Und in der Tat: Wenn man Penisgrößen oder Schamlippengestalt, das relative Hodengewicht oder den Beginn des Busenwachstums bei Primaten genauer analysiert, erkennt man, warum sich im Verlauf der Evolution bei unseren Vorfahren bestimmte Merkmale herausgebildet haben, die auch den Homo Sapiens prägen. Volker Sommer, Professor für Evolutionäre Anthropology an der University of London, beschreibt die faszinierende Sexualbiologie der Primaten:

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Evolutionsbiologie

Das Liebesleben der Primaten

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Vielfalt im Primatenreich, alles ist erlaubt: "Nackte" Affen können im Prinzip alles Mögliche miteinander treiben, das durchaus im Rahmen des "Natürlichen" bleibt. Von Monogamie über Vielweiberei bis hin zur Vielmännerei, von Ehescheidung bis zum polyamoren Partnertausch, über die Patchwork-Familie bis zum gleichgeschlechtlichen Zusammenleben, einschließlich Kinderadoption". Die Natur präsentiert also eine äußerst große Vielfalt an sexuellen Mustern.

Vielfalt im Primatenreich, alles ist erlaubt: "Nackte" Affen können im Prinzip alles Mögliche miteinander treiben, das durchaus im Rahmen des "Natürlichen" bleibt. Von Monogamie über Vielweiberei bis hin zur Vielmännerei, von Ehescheidung bis zum polyamoren Partnertausch, über die Patchwork-Familie bis zum gleichgeschlechtlichen Zusammenleben, einschließlich Kinderadoption". Die Natur präsentiert also eine äußerst große Vielfalt an sexuellen Mustern.

Das Sexualverhalten der polygamen Bonobos: "Fruchtbare Weibchen paaren sich bis zu 50 Mal am Tag mit oft mehr als zehn verschiedenen Männchen. Deren Konkurrenz ist gleichwohl abgeschwächt, da sie lebenslang in ihrer Geburtsgruppe bleiben. Weshalb sie genetisch einander nahestehen. Somit sind die Männchen lediglich ein wenig größer als die Weibchen, verfügen aber erwartungsgemäß über große Hoden. Mit 2,7 Kilo Körpergewicht sind die fast dreimal so schwer wie die der eher ein-ehigen Gibbons und fünf bis 13 Mal schwerer als die der polygynen Organ-Utans und Gorillas". Dieses Merkmal resultiert aus dem Phänomen der Spermakonkurrenz: Da sich die Bonobodamen mit mehrerer Partnern vergnügen, gewinnen die besten Samen den Wettlauf ums Ei.

Wie die Struktur von Gemeinschaften das Sexualverhalten beeinflusst: "In Ein-Männchen-Sozietäten kann Sex ohne störende Präsenz von Rivalen stattfinden. Dementsprechend dauert der Koitus relativ lange, sowohl bei Haremshaltern wie den Mantelpavianen oder den monogamen Springaffen. In Viel-Männchen-Sozietäten, etwa von Makaken, ist hingegen das Intervall vom Einführen des Penis bis zum Samenerguss kürzer, da paarungswillige Weibchen umlagert sind und ein Kopulator sich besser beeilt, bevor ihn Konkurrenten verprügeln."

Warum leben Männer kürzer als Frauen? "Evolutionsbiologisch erklärt sich die verkürzte Männerexistenz, weil alternde Männchen von jüngeren Konkurrenten an weiterer Fortpflanzung gehindert werden. Wenn Greise aber nicht mehr zeugen, können keine Erbanlagen herausselektiert werden, die hohes Alter begünstigen. Im post-reproduktiven Stadium nagt der Zahn der Zeit deshalb sehr rasch an den alten Haudegen".

Haremshalter sind größer als Weibchen: "Sind Männchen bedeutend größer als Weibchen, dürfte ein Sozialsystem vorliegen, bei der ein starker Haremshalter alle Konkurrenten von seinen Partnerinnen fernzuhalten vermag. Das zeigen vielen Primaten. Ein vertrautes Beispiel ist aber auch der Haushahn mit seiner Schar von Hennen."

Unser stammesgeschichtliches Erbe sind allein die geschlechtstypischen Reproduktionsstrategien. Da Männer mit wenig Aufwand Kinder zeugen können, ist ihnen eine Tendenz zur Polygynie in die Wiege gelegt, während Frauen wegen Schwangerschaft und Stillzeit auf jeden Fall viel in Nachkommen investieren müssen und so von zahlreichen Partnern weniger profitieren.

Prof. Dr. Volker Sommer leitet seit 1999 ein Projekt zur Erforschung der Schimpansen im Bergwald Nigerias. Seit 1996 hat Sommer den Lehrstuhl für Evolutionäre Anthropologie am University College (UCL) in London inne. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen: Evolution von Primaten hinsichtlich sozialen und sexuellen Verhaltens, Erhalt von Biodiversität, Rechte von Tieren.

Bücher (Auswahl):
- Lob der Lüge. Wie in der Evolution der Zweck die Mittel heiligt. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2015.
- Schimpansenland. Wildes Leben in Afrika. C.H. Beck 2008.
- Darwinisch denken. Horizonte der Evolutionsbiologie. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2007.

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