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Weiblicher Maschinenmensch aus dem Science Fiction Stummfilm "Metropolis", Deutschland 1926, Regie: Fritz Lang

SENDETERMIN Mi, 19.7.2017 | 8:30 Uhr | SWR2

Revolutionieren Roboter das Liebesleben? Sex mit Maschinen

SWR2 Wissen. Von Mirko Smiljanic

"Touch me", "Fass mich an", Sexroboter sind deutlich. Allerdings sind sie kein Ersatz für echte Kommunikation und Beziehung. Sie sind nur Maschinen.

Mensch liebt Maschine - Maschine simuliert Liebe. Was wir aus Science-Fiction-Filmen kennen, könnte bald Realität sein. Das prognostizieren weltweit immer mehr Informatiker und Ingenieure. Sexroboter haben perfekte Proportionen, reagieren dank ausgeklügelter Sensortechnik auf jede Berührung, erfüllen alle Wünsche mit Vergnügen.

Sie bewegt beim Sprechen den Mund, lächelt, klimpert mit den Augen und kann sogar Konversationen über Fußball führen. Das Modell Roxxxy der amerikanischen Firma True Companion wurde 2010 vorgestellt und galt als erster echter Sexroboter der Welt. Roxxys Aussehen lässt sich personalisieren. Frei wählbar sind Augen- und Haarfarbe, Gesichtsform, Größe und auch ihre Persönlichkeit lässt sich programmieren von abenteuerlustig über zurückhaltend bis hin zu lernwillig. Eines gibt die Sexroboterin aber immer vor- den Liebesakt zu genießen.

Entwickler Douglas Hines mit der Sex-Roboterin Roxxxy - produziert von der Firma True Companion

Entwickler Douglas Hines mit der Sex-Roboterin Roxxxy. In der Standardausführung ist Roxxxy 1,70 Meter groß, wiegt 60 Kilogramm, hat Körbchengröße C und kostet ab 6200 Euro aufwärts.

An der Weiterentwicklung von Sexrobotern arbeitet auch die kalifornischen Firma Abyss Creations. Sie stattet die erotischen Ja-Sage-Maschinen mit künstlicher Intelligenz aus. Denise und Harmony heißen die willigen Sexbots Sie sind vollgestopft mit Sensoren und Künstlicher Intelligenz, mit Kameras, Lautsprechern und Mikrophonen, mit winzigen Motoren und Hochleistungschips. Schließlich sollen die Roboterinnen die Stimmungen ihrer Besitzer erspüren und auch lernen, was diese wann möchten. Wir wollen ein Wesen entwickeln, mit dem man sich vor und nach dem Sex auch gerne unterhält, erklärt Entwickler McMullen.

Lebensechte Real Dolls aus Wernigerode

Die Entwicklung von Sexrobotern begann gegen Ende des letzten Jahrhunderts in den USA unter dem Schlagwort "Real Doll". In Wernigerode, am nordöstlichen Rand des Harzes hat die Firma "RS-Dolls Deutschland" ihr Ausstellungs- und Servicecenter. Inklusive Werkstatt, Beratung und Lagerverkauf. Dort sitzen mehr als 40 Real Dolls auf Sesseln und Sofas, sie sind spärlich bekleidet, breitbeinig fast alle. Sie sind blond bis schwarzhaarig, haben kleine bis unnatürlich große Brüste, eine einzige Puppe ist männlich.

Ihre Größe variiert zwischen einem Meter und einem Meter siebzig. Kinderpuppen für Menschen mit pädophiler Neigung sind nicht im Angebot.

Sex-Roboterin Roxxxy - produziert von der Firma True Companion

Orgasmus für alle - Sex-Roboter wie Roxxxy machen das möglich


Individuelle Gestaltung nach Kundenwunsch möglich

Die Sexmaschinen aus dem Harz sind keine Roboter wie sie die Sexindustrie Kaliforniens in ersten Prototypen produziert. Es sind hochwertige Silikonpuppen mit einem Metallskelett, das dazu dient, möglichst viele unterschiedliche Sexpositionen einnehmen zu können. In der Luxusausfertigung gibt es sie mit Ganzkörperheizung und austauschbarer Vagina. RS-Dolls lässt die Hightech-Liebespuppen in China herstellen, heimische Produkte wären zu kostspielig. Die Preise variieren zwischen 900 und knapp 3.000 Euro. Zum Vergleich: In den USA kosten Sexroboter 10.000 Euro und mehr.

Fast alle Körperteile der Real Dolls sind hyperrealistisch gestaltet – so der Fachbegriff – Kunden sollen einen möglichst menschenähnlichen Eindruck von ihrer zukünftigen Sexgespielin bekommen. Die meisten sind mit idealisierten weiblichen Formen ausgestattet, nur eine weicht davon ab und besitzt natürliche Maße.

Die Real Dolls werden auf Kundenwunsch auch individuell gestaltet. Ein Foto reicht und schon entwerfen Designer am Computer den entsprechenden Kopf. Viele nutzen diesen Service allerdings nicht, die meisten schauen sich im vorhandenen Angebot um. Soll die Puppe europäisch-westlich aussehen? Soll sie eine Afrikanerin oder Asiatin sein? Mit einem jüngeren oder älteren Gesicht?

Mensch und Roboter geben sich die Hand

Wie sehen die Werte und Rollenklischees aus, wenn Männer und Frauen mit Sexrobotern Beziehungen eingehen?

Sexroboter lesen künftig Wünsche von den Augen ab

Entwickler von Sexrobotern tüfteln noch an der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. In den Augen sind Kameras eingebaut, die das Gesicht des Besitzers scannen. Eine Mustererkennungssoftware signalisiert, wie es ihm geht: Ist er müde? Sucht er Nähe? Entsprechend reagiert der Roboter.

Module mit Künstlicher Intelligenz lernen, was er möchte: Sagt er dies, hat er Lust auf Sex, sagt er jenes, möchte er in Ruhe gelassen werden. Wie im richtigen Leben bei einem Paar kennt der Roboter nach wenigen Monaten seine respektive ihre Vorlieben und Wünsche.

Frauen interessieren sich selten für Sexpuppen und Roboter

Männliche Sexpuppen oder Sexroboter sind eine Domäne von Männern oder Paaren, die mal etwas Neues ausprobieren möchten – so Silvia Reder, die Ehefrau des Geschäftsführers von RS Real Dolls. Deshalb hat der Händler aus Wenigerode auch nur eine männliche Real Doll im Angebot, einen Latin Lover mit Waschbrettbauch und sanftem Gesichtsausdruck.

Stumm sitzen die Real Dolls im Ausstellungsraum nebeneinander auf Sesseln und Sofas, inklusive einer schwarz gekleideten Domina mit Peitsche in der Hand.

Der Beginn einer langen Beziehung

Viele Kunden geben "ihrer" Puppe oder "ihrem" Roboter schon während des Verkaufsgesprächs Namen. "Ich nehme Jenny mit, in die könnte ich mich glatt verlieben." Häufig ist es der Beginn einer langen Beziehung. Die Wunsch-Jenny ist in der Regel schlank mit möglichst vollen Brüsten, aber das wichtigste ist: sie ist immer willig.

Sex-Roboterin Roxxxy - produziert von der Firma True Companion

In Japan wohnt ein Mann mit zwei Sexpuppen zusammen; in Frankreich möchte eine Frau ihren Roboter heiraten; ..

Können sich Menschen in Maschinen verlieben?

In Japan wohnt ein Mann mit zwei Sexpuppen zusammen; in Frankreich möchte eine Frau ihren Roboter heiraten; in den USA leben heute schon erstaunlich viele Männer mit Puppen in gemeinsamen Haushalten – nur drei von vielen Medienberichten über das psychische Phänomen "Objektophilie", das emotional und sexuell sich Hingezogen fühlen zu Gegenständen.

Besteht in solchen Situationen nicht die Gefahr der Vereinsamung? Das sind nicht nur Fragen, mit denen sich Programmierer auseinandersetzen müssen, es sind wichtige gesellschaftliche Fragen. Aktuell können Sexroboter noch nicht die Rolle lebender Menschen übernehmen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Unterschied zwischen Mensch und Maschine sei, dass Roboter auf absehbare Zeit nur reagieren und nicht agieren.

Denise hat keinen eigenen Willen, "möchte" also auch nicht, dass ihr Besitzer sie berührt. Ihre Software sagt "touch me" – und vieles andere, was nicht jugendfrei ist – weil es ihr jemand einprogrammiert hat in der Hoffnung, Denise‘ Besitzer möchte das hören. Doch da Sexroboter unbeseelt sind, können sie zum Beispiel die psychosozialen Grundbedürfnisse des Menschen nicht erfüllen.

Liebesschloss

Können sich Menschen in Maschinen verlieben?

Sexroboter für Alten- und Behindertenheime?

Die sexuelle Erregung funktioniert bei Sexmaschinen allerdings hervorragend. Vergleichbar mit Pornografie produzieren Real Dolls und Roboter Erregungsniveaus, die in Beziehungen zwischen Menschen nur selten erreicht werden. Darüber hinaus bauen die Nutzer von Sexrobotern über Projektionen auch Beziehungen auf.

Der Sexroboter als Ausgleich und Hilfe für einsame Menschen. Ein wenig weitergedacht öffnen sich noch andere Bereiche: Gefängnisse, Behinderten- und Altenheime, also Orte, in denen Menschen kaum Zugang zu Sex haben. Außerdem möchten manche Sexualwissenschaftler Roboter therapeutisch nutzen. Immer wieder fordern sie zum Beispiel den Einsatz kindlich gestalteter Sexroboter für Pädophile, um sie von echten Kindern fernzuhalten.

Können Sexroboter Missbrauch verhindern?

Fördern kindlich gestaltete Roboter den Missbrauch realer Kinder oder verhindern sie ihn? Die Meinungen gehen weit auseinander. Kinderpuppen für Pädophile gibt es noch nicht, und ob es sie legal jemals zu erwerben gibt, ist fraglich. Realistischer sind Sexmaschinen als Ersatz für Prostituierte. Ob Real Dolls und Roboter Prostitution verhindern können, ist aber ebenfalls unklar.

Real Dolls und Sexroboter erobern zwar langsam aber nach und nach die Gesellschaft. Dabei muss niemand befürchten, dass sie demnächst zu Millionen die Schlafzimmer bevölkern, Sexroboter sind und bleiben Nischenprodukte.

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