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Rohstoffe des Fortschritts Die Jagd nach seltenen Metallen

Eine Zukunft ohne Lithium und Seltene Erden ist kaum vorstellbar. Sie sind eingebaut in Batterien, Laptops und Handys, Katalysatoren, CD-Player und Elektromotoren. Problem: Die Rohstoffe sind nicht in Massen verfügbar, die Gewinnung ist aufwendig – und genau das macht sie so kostbar. Die Jagd nach den Metallen lässt Monopole entstehen, die Exportmengen und Marktpreis bestimmen, und führt zu Versuchen, Länder mit großen Mengen an Ressourcen auszubeuten.

Das Öl von morgen

Salar de Uyuni in Bolivien ist der größte Salzsee der Welt. Unter der dicken Salzkruste verbirgt sich ein gigantischer Schatz, der den Bolivianern Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt: Lithium. Das Metall ist in einer Salzlauge gebunden, die in etwa in vierzig Metern Tiefe unter dem Salzsee vorkommt.

Lithium wird als das Öl von morgen beschrieben. Mithilfe der Lithium-Ionen-Batterie werde der Traum vom massenhaft industriell gefertigten Elektroauto wahr, schwärmen Experten. Dafür muss das Metall auf den Markt - die industriellen Rohstoff-Raubritter haben schon ihre Krallen ausgefahren.

Bolivien gegen die Ausbeutung

Boliviens Präsident Evo Morales

Boliviens Präsident Evo Morales

Der bolivianische Präsident Evo Morales befürchtete beim Lithium eine Wiederholung der Geschichte.

Ab 1545 wurden Tonnen an Silber nach Spanien verschleppt, um die spanische Krone zu finanzieren. Für die Ureinwohner Boliviens war es eine Geschichte der Unterdrückung und Ausbeutung. Acht Millionen Indianer starben in den Schächten. Der Silberreichtum hat in Bolivien nur Misere hinterlassen.

In seiner Antrittsrede Anfang 2006 machte Morales deswegen sofort auf das Problem aufmerksam: "Unser Land ist reich, aber gleichzeitig gibt es viel Armut. Die Rohstoffe sind uns im Laufe der Geschichte immer wieder geraubt worden. Sie wurden geplündert oder meistbietend von neoliberalen Regierungen versteigert oder multinationalen Unternehmen überlassen."

Die Bodenschätze fürs Gemeinwohl

Lithium Fabrik Bolivien

Lithium-Fabrik in Bolivien

Daraufhin hat Bolivien die Verfassung geändert. Der Staat besitzt seitdem wieder die Kontrolle über die Bodenschätze, Artikel 349 besagt: "Die natürlichen Ressourcen sind direktes, unteilbares und unverjährbares Eigentum und Besitz des bolivianischen Volkes und werden vom Staat im Sinne des Gemeinwohls verwaltet." Der größte Gewinnanteil geht an den Staat – ein wichtiger Schritt in Richtung Industrialisierung und den Export von Produkten.

Die Produktion läuft

Lithium-Ionen-Batterie

Lithium-Ionen-Batterien

Inzwischen stellt Bolivien Lithium-Karbonat her. Junge bolivianische Ingenieure und Techniker machten es möglich. Ohne ausländische Hilfe.

Die nächsten Schritte stellen bereits höhere technologische Anforderungen. Erst recht die Produktion von Batterien. Da macht sich der Mangel an technisch qualifiziertem Personal besonders bemerkbar.

Ausländische Unternehmen wollen zwar Lithium-Karbonat kaufen, aber nicht in die Industrialisierung investieren.

Ein Wettlauf ohne Rücksicht

Verdunstungsbecken, gelbe Flüssigkeit

Verdampfungsbecken mit Lithium

Die Jagd nach Lithium ist Teil einer viel größeren Jagd nach allen möglichen Metallen: Rohstoffhungrige Konzerne lassen keinen Winkel des Planeten aus. Es wird gesprengt. Gletscher werden abgetragen. Nur zu oft ohne Rücksicht auf die Umwelt. Kraterlandschaften bleiben zurück. Drastische Umweltschäden entstehen auch bei der Gewinnung von den so genannten Seltenen Erden.

Seltene Erden in modernen Technologien

Die stärksten Magnete, die es auf der Erde gibt, sind mit Seltenen Erden gebaut (aus Neodym). Mit diesen Supermagneten kann man Motoren von Elektrofahrzeugen antreiben oder sogar Autos wegschieben. Durch das Element Cer sind Autolacke und Scheiben widerstandsfähiger gegen Verkratzen. Und mit Yttrium in Hochtemperatur-Supraleitern werden Stromleitungen in Zukunft noch leistungsfähiger. Glasfaserkabel, Energiesparlampen, Handys, CD-Player und alle LEDs enthalten Seltene Erden.

Monopolist China erhöht die Preise

Seltene Erden: Mangan, Wismut

Seltene Erden

97 Prozent der Seltenerdmetalle kommen derzeit aus China. Die Lieferungen aus dem Reich der Mitte waren konkurrenzlos billig und trafen stets zuverlässig ein.

Doch die chinesische Produktion steigt nicht mehr so schnell wie die erwartete Nachfrage: China führte Exportrestriktionen ein. Von da an erhalten unter anderem die EU-Länder Seltenerdmetalle nicht mehr in beliebigen Mengen. Die Preise gehen seitdem nach oben.

Solche Engpässe sind für die technologische Entwicklung ein Problem. Zum Beispiel könnten die ohnehin teuren Elektroautos vollends unerschwinglich werden. Überspitzt formuliert: Ohne Seltene Erden kein technischer Fortschritt.

Eine schmutzige Sache

Bagger, Laster, Steinbrocken, Abbau von Seltenen Erden in China

Abbau von Seltenen Erden in China

Der Abbau Seltener Erden hat nichts mit der Romantik eines Museumsbergwerks zu tun. Er ist vielmehr mit großen Umweltbelastungen verbunden. Bevor die Seltenen Erden bei uns zu sauberen Windrädern und Elektromotoren verarbeitet werden, hinterlassen sie zum Beispiel in China verwüstete Landschaften und häufig vergiftete Flüsse.

Die winzigen Spuren der Metalle aus Motoren oder einem gebrauchten Gerät herauszuholen lohnt kaum. Und so landen die Seltenen Erden aus alten Computerfestplatten oder Bildschirmen bis heute nach Gebrauch auf den Mülldeponien.

Ein rohstoffarmes Land wie Deutschland kann es sich langfristig nicht leisten, auf das Recycling zu verzichten. Schnelle Lösungen für den Engpass gibt es nicht. Weder neue Bergwerke noch eine Recycling-Infrastruktur werden von heute auf morgen zur Verfügung stehen.

Standort Deutschland

Seltene Erden...
...sind eine Gruppe von 17 Metallen, die in vielen technischen Anwendungen wichtig sind. Der Name führt in die Irre: Wirklich rar sind Neodym & Co. nämlich nicht. Selbst das seltenste der Metalle, Thulium, kommt auf der Erde deutlich öfter vor als Gold oder Platin. Aber: Der Aufwand ist sehr groß, um aus den Rohstoffen Reinmetalle zu gewinnen, das kostet. Es gibt z.B. auch keine Karte, auf der die weltweiten Vorkommen eingezeichnet sind. Die Metalle werden in kleinen Mengen gehandelt. Neodym kostet als Folie ungefähr in der Größe einer Briefmarke pro Stück 316 Euro.

Zum Abbau von Seltenerdmetallen werden derzeit Minenstandorte in 28 Ländern geprüft, zum Beispiel in Russland und Mittelasien, in Indien und Afrika.

Fraglich ist es, ob eines Tages Seltene Erden in Deutschland gefördert werden. Eine der größten europäischen Lagerstätten liegt bei Delitzsch in der Nähe von Leipzig. Vor allem Lanthan, Cer, Praseodym, Neodym und Yttrium sind hier zu finden – und kein Uran. Gerade das macht den Standort prinzipiell attraktiv. Andererseits liegen die Vorkommen mehrere hundert Meter unter der Erde. Das würde das Vorhaben ziemlich aufwendig machen.

Soviel ist sicher: Der Wettlauf um die seltenen Metalle hat längst begonnen.

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Lithium

Der alternative Entwicklungsweg Boliviens

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Die größte Salzwüste der Welt liegt im Südwesten Boliviens, 3.650 Meter hoch gelegen, unweit von Uyuni-Stadt.

Die größte Salzwüste der Welt liegt im Südwesten Boliviens, 3.650 Meter hoch gelegen, unweit von Uyuni-Stadt.

Das Salz in der Salar Uyuni wird von Salzarbeitern zu Kegeln gehäuft. Salz, ein wenig Landwirtschaft und Tourismus waren bislang die einzigen Einnahmequellen auf den Uyuni-Höhen.

Auch Eric, der Salzarbeiter weiß heute, dass sich unter der dicken Salzkruste ein gigantischer Schatz verbirgt: Lithium, von den Vulkanen mit Schlamm und Wasser heruntergeschwemmt. Hoffnung auch auf eine bessere Zukunft.

Porfirio Cruz, Generalsekretär von FRUTCAS, der Landarbeiter- und Kleinbauerngewerkschaft, die ihren Sitz am Stadtrand von Uyuni hat. Sie fordern, dass der Erlös aus künftigem Lithium Abbau der Elektrifizierung, dem Wegebau, der Landwirtschaft, zudem Gesundheit, Bildung, Sanierung und Infrastruktur zugute kommt.

Der 53-jährige Encorno treibt mit seiner Frau Milussa die beiden Ochsen an. Der hölzerne Pflug bricht den harten, trockenen Boden auf. Es staubt. Der Bach neben dem Feld führt kaum Wasser. Es habe zu wenig geregnet, stattdessen hätten sie einige Hagelschauer abbekommen. Sie klagen über Frost.

Die Geschichte des "Cerro Rico" in Potosí darf sich nicht wiederholen. Sie beginnt 1545. Tonne um Tonne Silber wurde seitdem dem „Reichen Berg“ entrissen und nach Spanien verschleppt. Für die Ureinwohner Boliviens war es eine Geschichte der Unterdrückung und Ausbeutung. Acht Millionen Indianer verreckten in den Schächten. Der Silberreichtum hat in Bolivien nur Misere hinterlassen. Potosí und Umgebung gehören heute zu den Armutsgebieten Boliviens.

In der "Salar Atacama", die Salzseen von Chile baut "Chemetall", mit Sitz in Frankfurt, bereits Lithium ab.

Eines von insgesamt 15 Verdampfungsbecken. Die Salzlauge wird mit reichlich Wasser und chemischen Zusätzen vermischt.

Die Salzlauge wird nun von Becken zu Becken weitergeleitet. Unter der beständigen Sonne verflüchtigt sich allmählich ein Teil der Flüssigkeit.

In den verschiedenen Verdampfungsbecken verändert sich die Farbe. Anfangs leuchtet das Wasser türkisfarben, wie an einem Karibikstrand.

Nach 18 Monaten in den Verdampfungsbecken bleibt zum Schluss eine eine olivgrüne Flüssigkeit übrig, in der sich das Lithium befindet.

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