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Erzbischof Oscar Romero aus El Salvador in einer Menschenmenge vor seiner Kirche

SENDETERMIN Di, 9.10.2018 | 8:30 Uhr | SWR2

Der Heilige von El Salvador Oscar Romero

SWR2 Wissen. Von Anne-Katrin Mellmann.

Für die Menschen El Salvadors geht am 14. Oktober ein Wunsch in Erfüllung: Ihr Nationalheld Oscar Romero wird 38 Jahre nach seiner Ermordung heilig gesprochen. Heute noch mangelt es dem Land an Frieden.

Der Erzbischof Oscar Romero war im März 1980 während einer Messe von einem Schergen des Militärregimes erschossen worden, weil er sich zu einem politisch unbequemen Geistlichen entwickelt hatte. Er setzte sich für die Armen in dem kleinen mittelamerikanischen Land ein, und kritisierte Oligarchen und Militärs. Er gilt als einer der prominentesten Verfechter der Befreiungstheologie.

"Wenn sie mich töten, werde ich im Volk Salvadors auferstehen", sagte der mutige Erzbischof wenige Monate vor seinem Tod. El Salvador leidet bis heute unter Bandenkriminalität und hat eine der höchsten Mordraten der Welt. Einkommen sind extrem ungleich verteilt, viele überleben nur dank der Überweisungen von Angehörigen in den USA.

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Der Heilige von El Salvador

Oscar Romero

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Oscar Romero, Nationalheld des kleinen mittelamerikanischen Landes El Salvador, wird am 14. Oktober 2018 heiliggesprochen. 1980 war der Erzbischof in der Hauptstadt San Salvador von einem Schergen des Militärregimes ermordet worden. Er hatte das von den USA unterstützte ultrarechte Regime furchtlos kritisiert, Gräueltaten der Armee benannt und Soldaten zum Ungehorsam aufgerufen.

Oscar Romero, Nationalheld des kleinen mittelamerikanischen Landes El Salvador, wird am 14. Oktober 2018 heiliggesprochen. 1980 war der Erzbischof in der Hauptstadt San Salvador von einem Schergen des Militärregimes ermordet worden. Er hatte das von den USA unterstützte ultrarechte Regime furchtlos kritisiert, Gräueltaten der Armee benannt und Soldaten zum Ungehorsam aufgerufen.

Kardinal Gregorio Rosa Chávez war mit Oscar Romero befreundet. Ihm sei sofort klar gewesen, dass Todesschwadrone des Militärregimes für den Mord verantwortlich waren, sagt er. Chávez hat sich Jahre lang für die Seligsprechung Romeros (2015) und für seine Heiligsprechung eingesetzt.

Die einzige Kugel des Scharfschützen traf den Erzbischof mitten in die Brust. Er starb vor dem Altar der Kapelle einer Armenklinik in der Hauptstadt. „Wenn sie mich töten, werde ich im Volk El Salvadors auferstehen“, hatte er geahnt. Die brutale Unterdrückung durch das Regime trieb Oppositionelle in den bewaffneten Widerstand. Noch im Jahr der Ermordung Romeros begann ein Bürgerkrieg, der letztlich zur demokratischen Abwahl des verhassten Regimes beitrug.

Marisa Martínez leitet die Romero-Stiftung in San Salvador und ist eine glühende Verehrerin des Erzbischofs. Ausgerechnet sie ist die Schwester des nach Ende des Bürgerkrieges verstorbenen Roberto D’Aubuisson – des Gründers der Todesschwadrone und der rechten ARENA-Partei. D’Aubuisson war Urheber des Mordkomplotts gegen Oscar Romero. Marisa Martínez erzählt nur ungern von ihrem Bruder.

Der Bauer José Mejilla in Chalatenango hat seine kleinen Söhne im Bürgerkrieg verloren. Sie wurden entführt und nach Italien verkauft, während er bei der Guerilla kämpfte. Vielen oppositionellen Familien erging es ähnlich. „Monsenor Romero ist für mich der einzige Bischof, der so gehandelt hat, wie Jesus in seiner Zeit“, sagt José Mejilla, „der sich hinstellte und Missstände benannte“.

Der Ortseingang der Kleinstadt Ciudad Barrios, wo Oscar Romero geboren wurde und aufwuchs.

In Ciudad Barrios liegt ein Hochsicherheitsgefängnis, in dem mehr als 3.000 Mitglieder gewalttätiger Jugendbanden, sogenannter Maras, einsitzen. El Salvador hat immer noch die höchste Mord- und Gewaltrate in Mittelamerika – Ausdruck der nach wie vor extremen sozialen Ungleichheit und der blutigen Geschichte des Landes. Die Häftlinge dürfen keinen Besuch empfangen und teilen sich eine Zelle mit nur einer Toilette mit 100 anderen.

Der 40jährige Carlos Rodriguez ist der palabrero – der Sprecher – der Mara-Häftlinge. Wegen dreifachen Mordes sitzt er eine Strafe von 81 Jahren ab. „Hier fehlt es an allem“, sagt er, „es gibt nichts, um irgendetwas zu lernen, um sich mit Kultur oder Religion zu beschäftigen.“ Bei diesen Haftbedingungen werde niemand alt.

Tuberkulose, ansteckende Hautkrankheiten und andere gesundheitliche Probleme machen den zusammengepferchten Häftlingen zu schaffen.

Ein Graffito in Ciudad Barrios zeigt Oscar Romero, der das Radio liebte, bei einer Hörfunk-Aufnahme. Seine Predigten wurden über einen katholischen Sender in El Salvador verbreitet. Sie zu hören war bei Strafe verboten.

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