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Fashion Week Berlin - Ökomode - Intiferreira

SENDETERMIN Mi, 5.12.2018 | 8:30 Uhr | SWR2

Die Kleidung von morgen Nachhaltige Mode

SWR2 Wissen von Stephanie Eichler

Umweltfreundliche Kleidung wird ohne belastende Chemikalien hergestellt, bestenfalls aus recyceltem Stoff oder mit Fasern, die in der Region angebaut werden und hält lange. Das finden die meisten gut, doch nur wenige kaufen sie tatsächlich.

Das Forschungsprojekt Slow Fashion an der Hochschule Hannover will herausfinden, wie die Modebranche umweltfreundlich und fair werden kann. Leiterin Martina Glomb hat da einige Ideen:

  • Umweltfreundliche Kleidung schont Ressourcen. Wenn die Qualität stimmt, hält ein Kleidungsstück lange. Ein Ramschpullover aber geht schnell kaputt, leiert aus, zieht Fäden -  ein neuer Pulli muss her. Auf diese Weise werden Ressourcen verschwendet: zum Beispiel die Anbaufläche, auf der die Baumwolle wächst. Oder Erdöl, aus dem Chemiefasern hergestellt sind.
  • Stoffabfälle vermeiden. Im Allgemeinen werden beim Zuschneiden von Kleidung rund 20 Prozent eines Stoffes weggeschnitten. Wenn man auf der Stoffbahn die einzelnen Schnittteile ineinander puzzelt statt sie nur nebeneinander zu legen, spart man Material. Diese Zero-Waste-Technik könnten auch die Designer für die großen Modehäuser anwenden.
  • Verwerten statt entsorgen. Designer sollten dazu beitragen, dass Kleidung nicht entsorgt, sondern wieder verwertet wird. Denn das klappt heute meistens nicht: Baumwolljeans beispielsweise werden weltweit mit einem Polyesterfaden verarbeitet. Die beiden Materialien lassen sich nicht voneinander trennen. Wird die Baumwolle recycelt, enthält sie eine Fremdfaser, die sich nach dem Färben als andersfarbige Stelle bemerkbar macht. Der Modemarkt fragt solche Stoffe nicht nach. Ehemalige Lieblingshosen oder -jacken enden deshalb in vielen Fällen als Putzlappen oder Dämmmaterial für Autos.
  • Um zu verhindern, dass Kleidung auf dem Müll oder im Schredder landet, sollten öffentliche Einrichtungen und Behörden mit Designern zusammenarbeiten. Zum Beispiel dann, wenn Uniformen ausgewechselt werden. So wurden an der Hochschule Hannover tausend giftgrüne Polizei-Motorradoveralls zu Reisetaschen und Rucksäcken umgearbeitet. Nach einem Entwurf von Studierenden gingen sie in die serielle Produktion.
    Taschen aus Polizeiuniformen

    Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) und Modeprofessorin Martina Glomb von der Hochschule Hannover präsentieren die sogenannten "Polibags". Diese werden aus ausgedienten grünen Polizeiuniformen hergestellt. (Archivbild Juni 2015)

Wie finde ich heraus, ob Mode umweltfreundlich ist?

Ein Label könnte Kunden zeigen, wie haltbar und umweltfreundlich die Kleidungsstücke sind. Bisher gibt es leider noch kein einheitliches Siegel, das von der Baumwollproduktion, über die Arbeitsbedingungen, bis hin zum Umweltschutz, alle Standards abdeckt. Bezeichnungen wie „bio“ oder „öko“ für Mode sind nicht geschützt. Bekannte Öko-Labeln sind GOTS, IVN Best und Made in Green. Sie garantieren Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Anbau der Faser auf dem Feld bis zum Verkauf des fertigen Kleidungsstücks im Laden.

Nachhaltige Mode findet sich selten in Fußgängerzone

Nach Umfragen des Slow Fashion Forschungsprojektes findet rund die Hälfte der Konsumenten umweltfreundliche und faire Kleidung gut, aber kauft sie nicht. Ein Grund dafür: Kleidung wird häufig beim Bummeln durch die Stadt spontan erworben. Und in den üblichen Einkaufsgegenden ist nachhaltige Mode so gut wie nicht zu finden.

Das bedeutet: wer auf Öko-Kleidung umsteigen will, muss Pläne schmieden: Spezialisierte Geschäfte suchen und längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Dieser Aufwand schreckt viele Konsumenten ab. Ganz zu schweigen davon, dass Ökomode meist teurer ist.

Aktuelle Zero Waste Mode vom Simone Austen

Aktuelle Zero Waste Mode vom Simone Austen

Öko-Mode zu günstigen Preisen

Nachhaltige Kleidung muss nicht mehr Geld kosten. Das will Holger Cebulla beweisen. Der Professor für Textilmaschinen- und Verfahrensentwicklung an der TU-Chemnitz,  entwickelt Ökosocken, die extrem lange durchhalten und so die Geldbörse der Verbraucher schonen. Da Baumwollsockenrecht schnell löchrig werden, nutzt Cebulla Hanffasern, um Strümpfe an den empfindlichen Stellen besser zu verstärken. Diese Ökostrümpfe halten bis zu zehnmal solange wie herkömmliche Socken. Je länger die Lebensdauer des Strumpfes, desto weniger Baumwolle wird für neue Socken benötigt. Wasser und Energie werden gespart und es fällt weniger Müll an.

Nachhaltig kann Mode nur werden, wenn der Konsum abnimmt

100 Milliarden neue Kleidungsstücke überschwemmen jährlich den globalen Markt. Denn bisher gilt: Gekauft wird, was billig ist. Die Chefs der großen Bekleidungskonzerne verdienen gut daran. Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace spielt die Branche jährlich 1,3 Billionen US-Dollar ein. Karl-Johan Persson, der Kopf von H&M, und Amancio Ortega, der Gründer von Zara, gehören zu den reichsten Menschen der Welt. Dagegen steht der Trend zur Second-Hand-Mode, also zur Wiederverwendung von bereits genutzten Kleidungsstücken und zum Kauf hochwertiger Kleidung - also Mode, die länger als eine Modesaison hält.

Kleiderständer in einem Kaufhaus

Hauptsache billig?. Die Arbeitsbedingungen in Asien sind oft menschenunwürdig

Bewusst entscheiden

Die Forschung engagiert sich, damit der Markt für Ökokleidung wächst. Doch bis die Branche soweit ist und nachhaltige Mode Standard sein wird, bleibt es jedem einzelnen überlassen, bei der Kleiderwahl die richtige Entscheidung zu treffen.

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