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SENDETERMIN Do, 11.7.2019 | 8:30 Uhr | SWR2

Lernen im Schlaf Klarträume

SWR2 Wissen. Von Jochen Paulus

Durch die Luft fliegen wie Peter Pan, Bewegungsabläufe trainieren bis zur Perfektion, der Spinne ins Auge sehen. Wenn Menschen einen "Klartraum" haben, können sie dies bewusst steuern.

Was ist ein Klartraum?

Ein Klartraum ist ein Traum, in dem sich der Träumer bewusst ist, dass er träumt, während er weiterschläft. Diese Art des Traumes wird auch luzider Traum genannt. „Es ist ein merkwürdiges Zwischenreich, im dem sich die Träumerin oder der Träumer befindet. Er schläft und er träumt und in vielen Fällen kann er auch den Traum beeinflussen. Er sieht ganz häufig sich selbst von außen“, beschreibt Ursula Voss, Psychologin an der Universität Frankfurt das Klarträumen.

So lernt man klarträumen

Der Australier Denholm Aspy von der University of Adelaide empfiehlt eine Kombination mehrerer Methoden:

1. Der Realitäts-Check: Man fängt an, sich auch tagsüber fünf bis zehn Mal die Frage zu stellen: Träume ich oder bin ich wach? Aufgrund dieser Gewohnheit stellt man sich früher oder später die Frage auch im Traum - und stellt fest, dass man diesmal träumt. Es kann allerdings Monate dauern, um so weit zu kommen. Das ist die gängigste Methode.

2. Zusätzlich sollte man vor dem Einschlafen immer wieder den Satz wiederholen: „Wenn ich das nächste Mal träume, werde ich daran denken, dass ich träume“ zu wiederholen.

3. Und schließlich sollte man sich nach sechs Stunden wecken lassen, sich ausführlich mit dem bis dahin Geträumten beschäftigen und darf anschließend weiterschlafen.



Die Hälfte der Deutschen hatte mindestens einen Klartraum

Etwa die Hälfte aller Menschen erleben mindestens einmal im Leben einen Klarträumen, erklärt der Mannheimer Traumforscher Michael Schredl, wissenschaftlicher Leiter am Schlaflabor des Zentralinstituts für seelische Gesundheit. Dennoch bleiben Klarträume für die meisten eine seltene Ausnahme. Weniger als ein Prozent der Menschen haben Schredls Untersuchungen zufolge mehrmals pro Woche Klarträume.

Frau mit Elektroden am Kopf in einem Schlaflabor

Im Schlaflabor werden Studien zu Klarträumen durchgeführt.


Lernen in Klartraum

Das Sportinstitut der Universität Bern forscht zum Lernen im Klartraum. Der Sportwissenschaftler Daniel Erlacher hat mehrere Studien zum Thema Klartraum durchgeführt. „Wir haben Studien gemacht, mit relativ einfachen Aufgaben, wo wir geschaut haben, in einem Gruppendesign, also wir haben eine Gruppe, die im Traum trainiert hat und eine andere Gruppe, die nicht im Traum trainiert hat, und haben einfach geschaut, ob die von dem Abend zum Morgen besser geworden sind.“

Die Ergebnisse der Berner Studien zeigen, dass Klartraum-Trainierende fast genauso gut abschnitten, wie die Probanden, die die gestellten Übungen tatsächlich und wach ausübten. Dieses Ergebnis hat Daniel Erlacher und sein Team durchaus erstaunt.

Älterer Mann schläft mit einem Buch auf dem Bauch auf einem Sofa

Lesen und dadurch Dinge im Schlaf lernen ist leider nicht möglich.


  • Die Frankfurter Psychologin Ursula Voss hat einen anderen Ansatz entwickelt. Sie stimulierte bestimmte Hirnareale über Elektroden mit sehr geringen Strömen. 80 Prozent der Probanden erlebten dadurch einen Klartraum, auch solche die diese Erfahrung zuvor noch nicht gemacht hatten. Andere Forscher bezweifeln allerdings, dass die Teilnehmer echte Klarträume hatten.

Firmen versuchen mit Klarträumen Geld zu machen

Findige Firmen versuchen Lern-Methoden zum Klarträumen zu verkaufen. Manchen verheißen großartige Erfolge: Für „67 Euro“ bei „30-Tage-Geld-zurück-Garantie“ verspricht die Website „getlucid“ beispielsweise jede Nacht „heißen Sex mit dem Traumpartner“, wobei „das Gefühl absolut real sei“. Auch Geräte, mit denen man dem eigenen Hirn leichte Stromstöße versetzen kann, wie es Ursula Voss in ihren Studien tut, finden sich auf dem Markt. Experten, auch Voss, raten dringend davon ab, solche Geräte zuhause auszuprobieren. Das Gehirn mit elektrischen Strömen zu beeinflussen, könnte bei manchen Menschen im Extremfall Krampfanfälle auslösen.

Im Klartraum lernt es sich weniger gut, als im echten Leben

Nach bisherigen Erkenntnissen aus verschiedensten Studien übt es sich im Klartraum nicht ganz so gut wie im echten Leben. Dafür drohen aber auch nicht die Gefahren von tatsächlichem Sport. „Bei manchen Sportarten – da hat auch schon der Klartraumforscher Professor Tholey darauf hingewiesen, ist es sicherer, im Traum zu üben“, sagt Schredl. Besonders bei technikorientierten Sportarten, wie Turnen oder Turmspringen gelinge das.

Viele können den Klartraum nicht steuern

Man muss allerdings ein ziemlich guter Klarträumer sein, um im Traum wirklich zum Üben zu kommen. Viele können ihren Klartraum nicht gut steuern und dann passieren die merkwürdigsten Dinge – wie sonst im Schlaf auch.

Ein Kind mit Stofftier schläft im Bett

Kinder haben häufiger Klarträume als Erwachsene und können sie nutzen um Albträume abzuwenden.

Nicht nur sportliche Fähigkeiten können im Klartraum eingeübt werden, manche üben sich auch darin, kreative Probleme zu lösen. Es gibt Träume, die kreative Anregungen geben für Kunstwerke, Erfindungen aber auch Vorträge oder Abschlussarbeiten. Bei luziden Träumen besteht die Möglichkeit, diese Ideen bewusst zu nutzen.

Einschränkungen des Lernens im Klartraum

Michael Schredl schränkt allerdings ein: Vokabeln lernen oder komplexere Zusammenhänge verstehen, sei im luziden Traum nicht möglich. Das Problem sei, man könne Dinge nicht lesen, die man nicht kenne. Das bedeutet, in diesen Bereichen ist kein Lernen im Klartraum möglich. Geeignet sind Klarträume dagegen, um Albträume zu bekämpfen. Besonders Kinder nutzen Klarträume effektiv gegen Albträume, denn sie haben viel öfter Klarträume als Erwachsene.

Klartraumforschung ist ein mühsames Geschäft. Kein Wunder, dass die Wissenschaft bisher keine Beweise für die fantastischen Möglichkeiten liefern konnte, von denen etliche Klarträumer berichten.

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