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SENDETERMIN Do, 1.11.2018 | 8:30 Uhr | SWR2

Nicht ohne mein Smartphone Internetsucht und Hirnforschung

SWR2 Wissen: Aula. Gespräch mit Christian Montag

Wenn man dem Hirnforscher Manfred Spitzer glauben mag, sind die meisten von uns süchtig nach dem Smartphone und leiden unter den Nebenwirkungen wie Depression, Zerstreutheit, Dummheit. Doch was heißt Smartphone-Sucht genau, wie zeigt sie sich im Gehirn, was kann man dagegen tun?

Drei Fragen, drei Antworten

1. Wie zeigt sich Smartphonesucht?

"Wir versuchen derzeit, klassische Symptome aus der Suchtforschung in den Bereich der Medienübernutzung zu übertragen. Ich gebe ein paar Beispiele: Wenn man über Alkoholismus spricht, würde man sagen, es gibt so etwas wie ständige gedankliche Beschäftigung mit der Droge, also mit Alkohol. Übertragen aufs Smartphone heißt das, es gibt die ständige gedankliche Beschäftigung mit dem Medium Internet: Ich bin gerade nicht online und denke die ganze Zeit daran, online zu gehen. Dann gibt es Entzugserscheinungen, d.h. wenn ich gerade nicht online sein kann, werde ich nervös. Dann hätten wir Dinge wie berufliche Beeinträchtigungen, so dass die Produktivität leidet. Und wie bei der Alkoholsucht muss ich die Menge der Droge erhöhen, ich beschäftige mich also immer länger mit dem Smartphone." (Christian Montag)

2. Gibt es Persönlichkeitsmerkmale, die einen Menschen anfällig für eine Sucht machen?

"Auf jeden Fall. Geringe Gewissenhaftigkeit im Alltag ist ein guter Prädiktor dafür, ob ich viel Zeit mit dem Smartphone verbringe und ich süchtig danach werde. Ich gehe nach Hause, und anstatt den Abwasch zu machen und die Alltagstätigkeiten zu erledigen, absolviere ich erstmal zwei Stunden WhatsApp.

Ein weiteres Persönlichkeitsmerkmal ist eine geringe Selbststeuerungsfähigkeit. Das hat etwas mit Willensstärke zu tun. Menschen neigen dazu, mehr oder weniger Willensstärke zu haben, wer sich schlecht selbst regulieren kann, wird leichter Opfer von Drogen." (Christian Montag)

3. Welche Therapie halten Sie aufgrund Ihrer Forschung für sinnvoll?

"Es ist sehr schwierig, die Persönlichkeit eines Menschen zu ändern, weil sie ab einem bestimmten Alter sehr stabil ist, und Sie werden nicht aus einer gewissenhaften Person den sehr gewissenhaften Menschen machen. Aber es sind Änderungen im kleinen Rahmen möglich. Dazu brauchen wir kognitive Strategien, die uns von dem Smartphone wegbringen. Denken wir an den Arbeitsplatz. Es gibt eine Studie, die zeigt, dass das Gerät direkt neben der Tastatur kognitive Ressourcen abzieht, wenn ich mich auf den Bildschirm konzentrieren muss. Und da gibt es nur eine Lösung: Das Gerät möglichst weit wegbringen, denn dann ist die Versuchung nicht mehr da." (Christian Montag)

Christian Montag ist Professor für molekulare Psychologie an der Universität Ulm. In seiner Forschungsarbeit interessiert er sich besonders für Molekulargenetik von Emotionalität und Persönlichkeit, Psychobiologische Grundlagen des Stotterns, Neuroökonomik, Psychoinformatik, insb. der Einfluss von Internet, Mobiltelefonen und Computerspielen auf Emotionalität, Persönlichkeit und Gesellschaft.

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Do, 1.11.2018 | 8:30 Uhr

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