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Sandsäcke auf einer Palette

SENDETERMIN Mo, 18.9.2017 | 8:30 Uhr | SWR2

Was tun gegen Überschwemmungen? Hochwasserschutz in Deutschland

Von Manuel Waltz

Wieder mal treten die Flüsse über die Ufer, sind Straßen und Felder überflutet. Was tun gegen Hochwasser? Zu den Konzepten gegen Überschwemmungen gehören unter anderem "Schwammstädte". Denn die wichtigste Erkenntnis ist: Das Wasser braucht mehr Raum - doch Flächen sind kostbar.

Gründe für Überschwemmungen

Die Gründe, warum es heute immer wieder zu schweren Überschwemmungen kommt, sind u. a. auch historisch bedingt:

Industrialisierung

Mit der Industrialisierung im 19. und vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in Deutschland zahlreiche Deiche gebaut, Flüsse begradigt, kanalisiert oder umgeleitet

Zerstörung von Fluss-Auen

Flussauen wurden zerstört oder stark verkleinert, weil das Land für Industrie- und Siedlungsflächen gebraucht wurde

Ungeeignete Baumarten

Typische Baumarten der Hartholzauen wie Eiche, Ulme und Esche wurden teilweise durch weniger geeignete Arten wie Ahorn, Linde und Buche ersetzt. Diese kommen aber sehr viel schlechter mit dem Wasser klar. Die Auenwälder können weniger Wasser aufnehmen.

Klimawandel

Bedingt durch den Klimawandel nehmen Starkregenereignisse weiter zu.

Bodenversiegelung

Städte und Siedlungen dehnen sich immer weiter aus, auch das Verkehrsnetz wird weiter ausgebaut. Somit wird immer mehr Bodenfläche luft- und wasserdicht abgedeckt. Bei Hochwasser und Starkregen kann der Boden das Wasser nicht schnell genug aufnehmen. In Deutschland sind etwa 46 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt.


Neubaugebiet in Köln

Neubaugebiet in Köln

Hauptprobleme

Die Probleme, die im Zusammenhang mit Hochwasserereignissen stehen, sind komplex. So schützen einerseits Dämme vor Überflutung, sie können aber auch dafür sorgen, dass sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers erhöht.

Dämme können Fließgeschwindigkeit erhöhen

Solange die Dämme halten, schützen sie vor den Fluten. Allerdings werden durch sie die Wassermassen so stark zusammengedrängt, dass dadurch eine mögliche Flutwelle sogar noch verstärkt wird. Die Fließgeschwindigkeit des Wasser erhöht sich, es kann nicht versickern oder abfließen.

Rückhalteflächen gehen verloren

Mit der Vernichtung der Flussauen fehlen Flächen, in die das Wasser abfließen kann, ohne Schaden anzurichten.

Bäche werden zu Flüssen

Kleinste Bäche werden zu reißenden Flüssen bei Starkregen. Starkregen bedeutet, dass innerhalb von 5 Minuten mehr als 5 Liter Wasser auf einen Quadratmeter niedergehen.


Schätze der Welt, Folge 296, mittleres Rheintal

Die Rheinbegradigung brachte Vorteile für die Schifffahrt, aber negative Folgen blieben nicht aus.

Schutzmaßnahmen

Es wäre zu teuer und zu aufwendig, Städte und Häfen in großem Umfang zurückzubauen und wieder in Moore und Sümpfe zu verwandeln. Daher sind neben Entsiegelung von Flächen und Renaturierung technische Lösungen gefragt:

Technischer Hochwasserschutz

Dämme, Hochwasserrückhaltebecken, mobile Schutzwände 

"Schwammstadt"

Dämme helfen gegen klassisches Flusshochwasser, aber nicht bei Starkregen. In diesem Fall ist es nötig, die Wassermassen möglichst schnell in Kanalisationen, Kläranlagen und Flüsse zu leiten.

Das Konzept der "Schwammstadt" sieht vor, dass z.B. Parkplätze nicht versiegelt, sondern mit durchlässigen Rasenkammersteinen ausgelegt werden. Unter Grünanlagen werden Zisternen angelegt, die im Notfall geflutet werden können. 

Polder

Wiesen, Wälder und auch Äcker, die im Ernstfall gezielt geflutet werden können

Risikokarten

Risikokarten zeigen, bei welchem Pegelstand ein Fluss über die Ufer tritt. Daten werden gesammelt, sodass man die Wahrscheinlichkeit von Hochwassern berechnen und rechtzeitig Schutzmaßnahem ergreifen kann. Ausgedrückt wird die Wahrscheinlichkeit mithilfe des Hochwasserquotienten (HQ).

Informationen darüber, wo der Fluss voraussichtlich zuerst über die Ufer tritt und wohin das Wasser dann fließt, helfen Schäden zu vermeiden. So können Schutzmaßnahmen frühzeitig ergriffen werden.

Beispiel Hochwasserquotient (HQ)

Die Alb, die durch Ettlingen bei Karlsruhe fließt, hat durchschnittlich alle 50 Jahre einen Pegel von 2 m (= HQ 50) und alle 100 Jahre einen Pegel von 2,10 m (= HQ 100).


6:26 min | Di, 19.9.2017 | 21:45 Uhr | REPORT MAINZ | Das Erste

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Mo, 18.9.2017 | 8:30 Uhr

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