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SENDETERMIN Mo, 10.7.2017 | 8:30 Uhr | SWR2

Meerwasseraquarien Brutale Geschäfte mit bunten Fischen

Der Handel mit Zierfischen bedroht immer mehr Arten. Die meisten Meeresfische verenden bereits beim Transport.

Aquarienfische sind beliebt. Besonders begehrt sind die bunten Meeresfische mit ihren faszinierenden Mustern. Doch welches Tierleid hinter dem attraktiven Ausblick auf diese Fische im Aquarium steckt, wissen die wenigsten. 99 Prozent der marinen Zierfische werden wild gefangen. Je nach Art sterben bis zu 80 Prozent von ihnen bereits auf dem Weg vom Fang bis ins Aquarium. Wegen der großen Nachfrage sind einige Arten bereits vom Aussterben bedroht.

Kind zeigt auf Hai im Aquarium

Hai in einem begehbaren Großaquarium

Zum Beispiel der Banggai-Kardinalbarsch. Er lebt in Zentral-Sulawesi, Indonesien, rund um die Insel Banggai in den azurblauen Buchten des indischen Ozeans. Hier wird der Banggai-Kardinalbarsch wild gefangen. Er ist bei Meerwasser-Aquarienbesitzern sehr beliebt. Der kleine Fisch ist nur fünf Zentimeter lang, schwarz-weiß gestreift und schillert manchmal, je nachdem wie das Licht einfällt, hellblau in den Flossen.

Freilebende Banggai Kardinalfische

Die beliebten Banggai Kardinalfische im indischen Ozean

Ein indonesischer Fischer muss pro Monat etwa zweihundert dieser Fische fangen, um sein Auskommen zu sichern. Mittlerweile ist der Banggai-Kardinalbarsch vom Aussterben bedroht. 1994 wurde er für die Aquarianer entdeckt. Seither sind mehr als neunzig Prozent dieser Tiere verschwunden. Deshalb hat ihn die Weltnaturschutzunion IUCN auf die Rote Liste gesetzt und als «stark gefährdet» eingestuft. Sie fordert, dass Bangai-Fische nicht mehr wild gefangen, sondern stattdessen nur noch gezüchtet werden sollen.

Fischer fängt Banggai Fische im Netz

indonesischer Fischer fängt Banggai Kardinalfische im Netz

Den Fisch zu züchten ist möglich, erklärt Alejandro Vagelli, Meeresbiologie-Professor und Direktor des Zentrums für Meeres-Wissenschaften an der Universität New Jersey. Nur macht es kaum jemand, denn die Zucht lohnt sich nicht. Der Banggai hat nämlich eine lange Brutzeit und produziert wenige Nachkommen. Das ist aufwändig. Deshalb ist ein wild gefangener Banggai deutlich billiger als ein gezüchteter.

80 Prozent der Meeresfische sterben auf dem Weg ins Aquarium

Bereits beim Fang verletzen sich viele Tiere im Netz und werden sofort - noch auf dem Boot - vom Fänger aussortiert. Die restlichen werden verladen und gelangen über viele Zwischenstationen und Händler zu uns. Die Fische aus fernen Ozeanen sind oft Wochen unterwegs, bis sie bei uns ankommen.

Während des Transportes werden die bunten Fische in der Regel sehr eng zusammengepfercht. Meist in Plastiksäcken voll Wasser: ein Paradies für Bakterien. Dazu kommt der Stress für die Tiere, eingequetscht in fremder Umgebung. Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO und des Umweltprogrammes UNEP der Vereinigten Nationen ergeben, dass bis zu achtzig Prozent der marinen Zierfische vom Fang über den Transport bis ins Aquarium sterben.

Wie dem Banggai-Kardinalfisch geht es fast allen tropischen Meeresfischen, die für Aquarien-Besitzer interessant sind. Sie werden zu 99% aus Korallenriffen und deren Umgebung weggefangen.

Nur etwa 25 tropische Meereszierfische werden auch kommerziell gezüchtet - nämlich jene, deren Zucht anspruchlos zu organisieren ist und die viele Nachfahren und damit ein ordentlichen Umsatz bringen. Dazu gehört der Clownfisch. Seit er durch den Disney-Kinohit "Findet Nemo" berühmt wurde, ist diese Art weltweit besonders gefragt. Doch die Zucht des Clownfischs ist für die Tiere ziemlich trostlos.

Zucht von Clownfischen

Der Clownfisch Nemo wird für Aquarienbesitzer gezüchtet

Verantwortung der großen Schau-Aquarien

Meeresfische wie der Clownfisch oder der Banggai-Kardinalbarsch leben nicht nur in Aquarien von Privathaushalten, Spitälern, Arztpraxen, Restaurants und Zoos, sondern auch in Großaquarien. Laut einer amerikanischen Untersuchung gibt es an die tausend Groß-Aquarien weltweit. Geschätzte 450 Millionen Besucher bringen einen Milliardenumsatz. Und es werden immer mehr Riesen-Aquarien gebaut. In Sinsheim bei Heidelberg ist die «Shark City» geplant. Vor allem Haie und Rochen sollen dort in Aquarien schwimmen. Nur etwa zweihundert Kilometer südlich will der Zoologische Garten Basel ein sogenanntes «Ozeanium» bauen. Geplant wird mit jährlich bis zu siebenhunderttausend Besuchern. 2024 soll der Riesenbau mitten in der Stadt eröffnet werden.

geplante Aquarien im Ozeanium Basel

So sollen die Aquarien im künftigen Basler Ozeanium aussehen

Auch in den Großaquarien schwimmen zum überwiegenden Teil Wildfänge.

Vera Weber und ihre Stiftung, die Fondation Weber haben sich den Kampf gegen große Besucheraquarien - wie zum Beispiel das geplante Ozeanium in Basel - auf die Fahnen geschrieben. Sie halten das Modell von Ozeanium, Sea Life & Co für überholt und setzen auf eine tierschutzgerechte und attraktive Alternative: ein riesiges virtuelles Ozeanium, das mit modernsten digitalen Technologien arbeitet. Dort könnten wir die Fische in ihrem natürlichen Lebensraum sehen und erleben. So als tauchten wir selbst im Meer. Das Projekt nennt sich: "Vision Nemo". Der Haken: Es muss erst noch entwickelt werden.

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