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Nelson Mandela (RSA) anlässlich der Enthüllung einer Nelson-Mandela-Statue in London (Archivbild 2007)

SENDETERMIN So, 15.7.2018 | 8:30 Uhr | SWR2

Freiheit für Südafrika Nelson Mandela zum 100. Geburtstag

SWR2 Wissen: Aula. Von Andreas Eckert

Nelson Mandela wurde am 18. Juli 1918 im Osten Südafrikas geboren. Seine Eltern gaben ihm den Namen Rolihlahla - was im Volksmund "Unruhestifter" bedeutet. Mandela stiftete im wahrsten Sinne des Wortes Unruhe - als Kämpfer gegen soziale Unterdrückung, als Aktivist und Friedensnobelpreisträger. Der Afrikanist Professor Andreas Eckert erzählt von dem Menschen Mandela und welche Bedeutung er bis heute hat.

Biografie mit Rissen, Brüchen und Verwandlungen

Als Student war er zunächst unpolitisch, das hat sich aber rasch geändert. Er war jemand, der anfangs überzeugt war, die Befreiung Südafrikas könne allein von den Schwarzen ausgehen. Lange Zeit hat er sich für den friedlichen Widerstand eingesetzt. Spätestens nach der Verschärfung der Apartheidpolitik, nach den Massakern von Sharpeville 1960, hat er sich dezidiert für einen gewaltsamen Widerstand gegen die Apartheid ausgesprochen.

Auch der Privatmann Mandela hat viele Gesichter. Er war sehr schweigsam, hat persönlich sehr großes Leid erfahren, er hat einige seiner Kinder verloren, zwei sehr komplizierte Scheidungen durchgemacht, er war im Gefängnis Robben Island extremen Situationen ausgesetzt.

Buchcover: Nelson Mandela - Briefe aus dem Gefängnis (Hrsg: Sahm Venter)

Nelson Mandela (Hrsg.: Sahm Venter)

Nelson Mandela - Briefe aus dem Gefängnis. Aus dem Englischen übersetzt von Anna Leube und Wolf Heinrich Leube

Länge:
752 Seiten
Preis:
28 Euro
Bestellnummer:
978-3-406-71834-2

Er hat sich aber nie so „richtig in die Karten“ schauen lassen. Viele hat das dazu veranlasst, ihn als kalten und verschlossenen Menschen zu sehen. Das deckt sich nun überhaupt nicht mit dem Mandela, wie er in der Öffentlichkeit „tanzte“ und sehr viel unkonventioneller agierte als alle Politikergestalten aus dem Norden.

Mandelas Weg zum unbeugsamen Systemgegner

Er hatte als Student wegweisende Erlebnisse: Er hat sich zusammen mit anderen Studienvertretern einmal beschwert über das schlechte Essen und schlechte Unterkünfte. Er sollte die Beschwerde zurücknehmen, was er verweigert hat. Daraufhin hat ihn die Universität relegiert, also vom Studium ausgeschlossen. Er sollte zwangsverheiratet werden, sein Vater hatte schon eine Frau für ihn ausgesucht. Dem hat er sich entzogen und ist nach Johannesburg gegangen. Er hat noch einen Bachelor gemacht und konnte irgendwann als erster schwarzer Anwalt überhaupt eine Praxis aufmachen.

Nelson Mandela, aufgenommen vor seiner Inhaftierung.

Undatierte Aufnahme des südafrikanischen Bürgerrechtlers Nelson Mandela, aufgenommen vor seiner Inhaftierung.

Etwas, was viele Afrikaner und Südafrikaner im Kolonialismus insgesamt gespürt haben, war der ständige alltägliche Rassismus: Man musste getrennt in Bussen fahren, man durfte nicht die Toiletten benutzen, die die Weißen benutzt haben. Der Rassismus im Alltag war etwas, was Mandela sukzessive gegen dieses Regime aufgebracht hat. 

18. Juli 1918 Nelson Mandela wird geboren

Sein Geburtsort ist Mvezo, Transkei, in der damaligen Südafrikanischen Union, dem heutigen Südafrika. Sein Vorname ist Rolihlahla. Den Namen Nelson erhält er erst später in einer christlichen Missionsschule in Qunu.

1944 Mandela tritt dem Afrikanischen Nationalkongress bei

Der ANC war 1912, kurz nach der Gründung der Südafrikanischen Union, entstanden, als Protestbewegung gegen die diskriminierenden Wahlgesetze und wandte sich später ganz allgemein gegen Rassengesetze.

1961 Mandela wird Chef des bewaffneten Flügels des ANC

Der bewaffnete Flügel wird als eine Folge des Massakers von Sharpeville 1960 gegründet, bei dem über 60 unbewaffnete Demonstranten erschossen wurden. Mandela glaubt nun nicht mehr an den Erfolg von friedlichen Protesten und nimmt an Sabotageaktionen teil, die aber niemals Menschen gefährden sollen.

1964: Mandela wird zu lebenslänglicher Haft verurteilt

Mehr als 150 Sabotageakte werden Mandela angelastet. Bis 1981 sitzt er auf der Felseninsel "„Robben Island“ vor Kapstadt, dann kommt er in das Hochsicherheitsgefängnis Pollsmoor bei Kapstadt.

1976 Schüleraufstand von Soweto.

Schüler demonstrieren friedlich gegen Afrikaans als Unterrichtssprache. Sicherheitskräfte gehen dagegen vor und schießen. 176 Fliehende Schüler und Studenten sterben im Kugelhagel. Die Folge ist ein internationaler Aufschrei. Investoren verlassen das Land, und auch der Ruf nach der Freilassung von Mandela wird vielerorts laut.

1985 Staatspräsident Pieter W. Botha bietet Mandela die Freilassung an

Botha reagiert auf zunehmenden internationalen Druck. Zur Bedingung für die Freilassung macht Botha allerdings, dass Mandela öffentlich der Gewalt entsagt. Mandela lehnt ab und fordert die Legalisierung des ANC und die Abschaffung der Apartheid.

1990 Nelson Mandela wird nach 27 Jahren Haft freigelassen

Präsident Willem de Klerk nimmt nach seinem Amtsantritt 1989 Kontakt mit Mandela auf. De Klerk hat sein Amt mit dem Versprechen angetreten, die Rassenaussöhnung voranzutreiben. Nach seiner Freilassung am 11. Februar 1990 tritt Mandela rasch an die Spitze der Anti-Apartheidbewegung. Die Abschaffung der Apartheid und der Übergang zur Demokratie für alle Südafrikaner wird vorangetrieben, auch von der bestehenden Regierung.

1994 Mandela wird Staatspräsident von Südafrika

Der ANC gewinnt im April die ersten freien Wahlen. Mandela bleibt Präsident bis 1999, für eine weitere Amtszeit tritt er nicht mehr an.

5. Dezember 2013 Mandela stirbt in Johannesburg

Beerdigt ist Mandela in Qunu, wo er seine Kindheit verbrachte.


 

Versöhnungspolitik

Mandela hat versucht, zwischen Weißen und Schwarzen zu vermitteln. Das war eine Herkules-Aufgabe, gegen die sich heutige Koalitionsstreiteren wie Kindergarten-Zankereien ausnehmen. Auf der einen Seite gab es viele Weiße, die es inakzeptabel fanden, Schwarzen überhaupt in irgendeiner Form entgegenzukommen. Aber auch unter den Schwarzen gab es Kräfte, die meinten: „Wir haben so unter dem Regime gelitten, wir können jetzt doch nicht einfach kooperieren“. Mandela hat es aber geschafft, beide Seiten auf einen Kompromiss einzuschwören. Ich glaube, diese große Leistung war möglich, weil Mandela diese ungeheure Autorität hatte und weil er für die Weißen jemand war, der nicht „mit dem Messer zwischen den Zähnen“ agierte.

31:05 min

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1990

Mandelas berühmte Rede nach seiner Freilassung

SWR2 Archivradio

Eine Stunde nach seiner Freilassung am 11. Februar 1990 aus dem Gefängnis bei Kapstadt spricht Nelson Mandela (18.7.1918 - 5.12.2013) in Anzug und Krawatte zu seinen Anhängern. Er streckt erst eine, dann beide Fäuste in die Luft. „Ich stehe hier nicht als Prophet, sondern als euer bescheidener Diener.“ So beginnt er seine Rede. Die Apartheid habe keine Zukunft, erklärt er und appelliert an die weißen Mitbürger, sich am Aufbau eines neuen Südafrikas zu beteiligen. Doch bevor er seine Rede beginnen kann, wird er zunächst zwei Minuten lang begeisternd begrüßt.

Es gibt immer noch Rassismus – trotz Mandela!

Rassismus lässt sich nicht per Knopfdruck oder Dekret verabschieden. Natürlich gibt es noch Unterschiede. Weiße haben bessere Bildungschancen, immer noch gehört ihnen die Mehrheit des Grund und Bodens. Es gibt weiterhin Segregation, also Trennung von Wohnbereichen. Die Unzufriedenheit unter den Schwarzen wächst. Selbst wenn in den Regierungen und in höheren Verwaltungsämtern jetzt vorwiegend Schwarze sind – wenn man sich die Ökonomie anschaut, die großen Minen, die großen Banken, so sitzen doch hauptsächlich Weiße an den entscheidenden Stellen der Gesellschaft. 

Audio: Nelson Mandela und Südafrikas Weg aus der Apartheid

27:36 min | Fr, 13.7.2018 | 8:30 Uhr | SWR2

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Nelson Mandela - Ein Mythos wird 100

Jana Genth

Nelson Mandela gilt als Nationalheld Südafrikas und als Ikone, die für Vergebung steht. Geboren wurde er am 18. Juli 1918. Was ist von seinem Mythos geblieben?

Sendung vom

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