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Speichen von aufgereihten Fahrrädern

SENDETERMIN Mi, 21.2.2018 | 8:30 Uhr | SWR2

Staus, Drängeln, Stellplatzmangel Der Fahrradboom und seine Folgen

SWR2 Wissen. Von Anja Schrum und Ernst-Ludwig von Aster

Doppelt so viele Radfahrer wie vor zehn Jahren - damit ist die Infrastruktur in den Städten schon jetzt eindeutig überfordert. Dazu kommt, dass in Zukunft vermutlich immer mehr Verkehrsteilnehmer E-Bikes benutzen werden. Dennoch ist jeder Autofahrer, der auf's Rad umsteigt, ein Gewinn für die Umwelt. Stadtplaner und Verkehrswissenschaftler fordern deshalb dringend eine neue Mobilitätsdebatte.

Dass die Karlsruher so häufig auf's Fahrrad steigen, hat mit der guten Rad-Infrastruktur der Stadt zu tun. Überall auf den Straßen sind Radfahr- oder Radschutz-Streifen markiert, gleichzeitig wurden knapp 20 sogenannte Fahrradstraßen ausgewiesen, in denen das Rad Vorrang vor dem Auto hat. Zudem gibt es ein dichtes Radroutennetz und eine kostenlose Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln nach neun Uhr.

Auto und Radfahrer auf Pedelec stehen sich gegenüber.

Als Störenfried Nummer eins machten Autofahrer im Rahmen einer Studie die Radler aus

Attraktiver wird der Radverkehr, wenn er Platz hat und sicher ist. Das bedeutet aber auch: Andere Verkehrsteilnehmer müssen weichen. Das Ringen um Raum ist darum in vollem Gange. Ende 2017 erschien der ADAC Monitor "Mobil in der Stadt". Darin wurde untersucht, wie zufrieden Einwohner und Einpendler der 15 größten Städte Deutschlands mit ihrer persönlichen Mobilität sind. Als Störenfried Nummer eins machten Autofahrer die Radler aus. Die Radler sagten dasselbe über die Autofahrer. Aber sie beschwerten sich auch über ihresgleichen.

Bedeutung der Infrastruktur

Laut "Deutschem Mobilitätspanel", einer Untersuchung des Karlsruher Instituts für Technologie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums, werden bundesweit nach wie vor über die Hälfte aller Wege mit dem PKW zurückgelegt, gut 21 Prozent zu Fuß und rund 13 Prozent mit dem Fahrrad. Der Radverkehr wächst vor allem in den urbanen Ballungsräumen.

Nahaufnahme eines Fahrradrücklichts.

Die Mobilität der Zukunft ist für Forscher und Planer eine Rechnung mit einigen Unbekannten

Um die Bedeutung der jeweiligen Infrastruktur für den Radverkehr zu ermitteln, befragten Wissenschaftler 160 Radexperten, Verkehrsplaner, Fahrradkuriere. Ergebnis: eine Rangfolge von fünf Infrastrukturmerkmalen. Auf Platz eins – wenig überraschend - die grundsätzliche Existenz von Radwegen bzw. Radfahrstreifen. Auf Platz zwei - die Anzahl der Kreuzungen. Es folgen der Anteil der Grünflächen, Miet- und Verleihangebote. Und schließlich die Präsenz von Fahrrad- und Reparaturläden.

Akademie fürs Fahrradfahren

Regelmäßig veranstaltet das Difu, das Deutsche Institut für Urbanistik in Berlin, an seiner Fahrradakademie "Webinare", das sind Online-Seminare rund um' s Thema Radverkehr. Fast 30 Vertreter aus den Kommunen sitzen vor ihren Büro-Bildschirmen und folgen den Ausführungen des Referenten. Fragen werden schriftlich im Chat gestellt.

Pfeile und Fahrräder gemalt auf Asphalt

Das Grundproblem ist der beschränkte Platz bei immer mobiler werdenden Menschen

Experten schätzen, dass bis zu neun Prozent aller Lieferverkehre künftig von Lastenrädern mit oder ohne E-Antrieb übernommen werden könnten. Das erfordert eine entsprechende Infrastruktur. Denn auf den Radwegen könnte es eng werden, wenn die Zahl muskelbetriebener Lieferfahrzeuge zunimmt. Spannende Zeiten also für städtische Verkehrsplaner, sagt Sebastian Bührmann, der seit rund fünf Jahren die Fahrradakademie am Difu leitet.

Beschränkter Platz

Die Mobilität der Zukunft ist für Forscher und Planer eine Rechnung mit einigen Unbekannten. Grundproblem Nummer eins ist der beschränkte Platz bei immer mobiler werdenden Menschen. Und: autonomes Fahren und die Elektromobilität sind Entwicklungen, deren Folgen noch nicht absehbar sind.

Pedelec im Straßenverkehr

Im Rahmen einer Studie hat man am Difu die Bedingungen für einen Umstieg vom Auto aufs Pedelec getestet

Auch das Pedelec sorgt für zusätzlichen Schwung im Zweirad-Bereich. Diese Elektro-Fahrräder mit einem Antrieb von bis zu 25 Stundenkilometern erweitern den Radius eines herkömmlichen Fahrrads ganz erheblich. Weil das Pedelec schnell ist und das schweißtreibende Strampeln entfällt, wird es auch für Berufspendler interessant. Im Rahmen einer Studie hat man am Difu die Bedingungen für einen Umstieg vom Auto auf's Pedelec getestet. Acht Wochen lang stellten verschiedene Berliner Unternehmen ihren Angestellten ein Pedelec zur Verfügung. Das Ergebnis: Etwa die Hälfte der Pendler stieg vom Auto auf das Pedelec um.

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