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SENDETERMIN Mo, 30.3.2009 | 8:30 Uhr | SWR2

SWR2 Wissen Kultur als Schicksal

Irenäus Eibl-Eibesfeldt und die Humanethologie

Von Widmar Puhl

Die kulturelle und technologische Evolution verläuft um ein Vielfaches schneller als die genetische. Im 20. Jahrhundert haben wir die Entwicklung von Auto und Flugzeug erlebt, die Elektrifizierung der Städte, die Raumfahrt und den Computer. "Ein bisschen viel für ein Wesen, das emotional im Wesentlichen noch ein steinzeitlicher Wildbeuter ist", sagt der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt. Der Begründer der "Humanethologie", der auf den Menschen bezogenen Verhaltensforschung, begann seine Arbeit nach dem Zweiten Weltkrieg als Schüler von Konrad Lorenz mit dem Studium kollektiver Aggressionen. Er beschrieb in vielen Büchern, dass elementare Gefühle wie Liebe und Hass, die Grundlage für jede Moral und jedes Zusammenleben, uns eng mit den Tieren verbinden. Kultur erhebt uns über das Tier, ist aber Fluch und Segen zugleich. Eibls Lebenswerk gilt einer "universalen Grammatik menschlichen Sozialverhaltens". Denn ohne kulturvergleichende Forschung und soziale Ethik können wir nicht überleben. Der Mensch ist ein Glückstreffer der Evolution, sagt der 80-Jährige, aber er muss sich selbst besser kennenlernen, damit er nicht an seinen eigenen Erfindungen zu Grunde geht.

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