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SENDETERMIN Fr, 6.2.2009 | 8:30 Uhr | SWR2

SWR2 Wissen | Darwin-Jahr 2009 Die Diktatur des Natürlichen

Wie E. Haeckel den Darwinismus in eine Sozialtechnologie verwandelte

Von Hans-Volkmar Findeisen

Büste des Naturforschers Ernst Haeckel

Der Biologe Ernst Haeckel (1834-1919)

Alle Kulturen, die die Menschheitsgeschichte hervorgebracht hat, denken monistisch. Sie gehen von der Einheit von Geist und Materie aus. Nur das Abendland beschritt seit Platon und Aristoteles einen Sonderweg und machte aus der Einheit einen Gegensatz, einen Dualismus. Erst mit dem Beginn der Neuzeit, zuerst bei Giordano Bruno, aber vor allem im 19. Jahrhundert mit Darwin und dem Jenaer Biologen Ernst Haeckel kehrt die heute in den Naturwissenschaften allgemein akzeptierte Idee einer sich selbst organisierenden Materie in das westliche Denken zurück. Haeckels Denken, schnell in einen platten Materialismus umgeformt, kommt in dem auf die Beherrschung und Steuerung von Natur und Gesellschaft erpichten Zeitalter der Massengesellschaft gerade recht. Alfred von Krupp, der Kapitalist, kennt und schätzt es ebenso wie Lenin, der Sozialist. Kurz nach 1900 tritt ein junger Student, der später in der DDR zu einem profilierten Kritiker des sozialistischen Programms der Schwerindustrialisierung wird, mit Haeckel in eine kritische Auseinandersetzung ein und versucht einen dialektischen Mittelweg. Der Marxist Ernst Bloch will den Materialismus retten, aber auch die geschichtliche Wirkungsmacht des sogenannten geistigen Überbaus.