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SENDETERMIN Do, 20.11.2008 | 8:30 Uhr | SWR2

SWR2 Wissen "Wir sind Feinde jeglicher Macht"

Der russische Anarchist Michail Bakunin

Von Gisela Erbslöh

Er war mit allen rebellischen Geistern Europas in Verbindung: der russische Anarchist Michail Bakunin (1814 – 1876). Den Freiheitskampf der Polen unterstützte er ebenso wie die Unruhen und Umsturzversuche in Italien, Frankreich und Spanien. Seine revolutionären Aktivitäten in Deutschland hatten Bakunin 1849 zwölf Jahre Kerker und sibirische Verbannung beschert. Als alternder Flüchtling kehrte der russische Adelige nach Europa zurück und entwickelte nun klare Vorstellungen von dem, was seiner Meinung nach dem selbstbestimmten Leben des einzelnen Menschen und ganzer Völker entgegenstand: der Staat, der ohne hierarchisch organisierte Gesellschaft und Gewalt nicht denkbar sei.

Bakunins Gegenentwurf war die Anarchie, soll heißen: Leben ohne Zwang und Gewalt, ohne Ausbeutung, ohne Kontrolle von oben. Im Ringen um Anhängerschaft im linken Europa war Marx sein Antipode, der ihn regelrecht bekämpfte. Bakunins Ideen werden bis heute kritisch diskutiert – auch unter den jungen Anarchisten, die sich jedes Jahr im russischen Heimatdorf des Revolutionärs mit seinen Schriften auseinandersetzen.

Literatur:

  • Michail Bakunin, Staatlichkeit und Anarchie. Bd.4 der Reihe: M. Bakunin, Ausgewählte Schriften, Herausgegeben von Wolfgang Eckhardt. Karin Kramer Verlag Berlin 2007.
  • Michail Bakunin, Konflikt mit Marx. Teil 1. Bd. 5 der Reihe: M. Bakunin, Ausgewählte Schriften. Hrsg. von Wolfgang Eckhardt. Karin Kramer Verlag, Berlin 2004.
  • Arthur Lehning (Hrsg.), Unterhaltungen mit Bakunin. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1989.

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