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SWR Orchester Pionier am Dirigierpult: Roger Norrington wird 85

Von Kerstin Gebel

Am 16. März 2019 wird Roger Norrington 85 Jahre alt. Der britische Dirigent gilt als Pionier der historisch informierten Aufführungspraxis. Als Chefdirigent des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart hat er den sogenannten „Stuttgart Sound“ etabliert und damit weltweit für Aufsehen gesorgt.

Mit dem Singen hat alles angefangen. Im Elternhaus von Roger Norrington gab es Musik nur live als Hausmusik zu erleben. Eines Abends im Jahr 1938, da war Norrington vier Jahre alt, hörte er von seinem Zimmer aus die Erwachsenen feiern und singen.

Das hat ihn nie mehr losgelassen. In den 1950-Jahren leitete er einen kleinen Chor mit Freunden und dann entdeckte er Heinrich Schütz.

Entdeckungsreise durch die Musikgeschichte

Mit Heinrich Schütz begann Norringtons aufregende Entdeckungsreise durch die Musikgeschichte. Für ihn wurde die Stimme, der Gesang und damit verbunden das Wort zum wesentlichen Faktor in der Musik an der Wende von der Renaissance zum Frühbarock.

1962 gründete er den „Schütz Choir“, begann eine professionelle Karriere als Dirigent und wurde 1969 als musikalischer Leiter an die Kent Opera berufen, für die er in fünfzehn Jahren über vierhundert Vorstellungen von vierzig verschiedenen Opern leitete.

Beethoven historisch interpretiert

1978 gründete er die London Classical Players, um die Aufführungspraxis mit Originalinstrumenten in der Zeit von 1750 bis 1900 zu erforschen.

Die Aufnahmen von Haydn, Berlioz, Schubert, Mendelssohn, Schumann, Wagner bis hin zu Mahler vermittelten den Hörern eine Vorstellung davon, wie die Stücke zu ihrer Zeit geklungen haben könnten. Besonders die Beethovensinfonien ernteten viel Lob.

SWR Classic auf Youtube: Norrington dirigiert Beethoven


Roger Norrington war und ist bis heute als Gastdirigent sehr gefragt. Die Berliner und Wiener Philharmoniker, das Leipziger Gewandhausorchester, die Konzerthäuser in Amsterdam, Paris und in den USA sowie berühmte Opernhäuser wie Covent Garden luden und laden ihn immer wieder ein.

1997 wurde Norrington von Queen Elisabeth der II. geadelt. Kurz darauf begann seine Chefdirigententätigkeit beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, die er 13 Jahre lang innehaben sollte.

Zeitenwende beim RSO

Für das ehemalige RSO Stuttgart begann eine neue Zeit, ein neuer Musizierstil, ein Experiment, von dem man - eingeschlossen Norrington selbst - nicht wusste, ob es gelingen würde. Alles bisher Gelernte, Erfahrene und Erprobte übertrug Norrington nun auf einen modernen Sinfonieorchesterapparat.

Gemeinsam mit Musikern kam er zu einem verblüffenden Ergebnis: Wichtig ist nicht das Instrumentarium allein, sondern die Art, wie man es spielt, wie man phrasiert, wie man mit den Tempobezeichnungen umgeht.

„Stuttgart Sound“ erobert die Welt

Bedeutet ein Allegro oder Adagio von heute das gleiche wie damals? Wie dosiert man ein Vibrato richtig? Wichtig allein war, ein Gespür dafür zu bekommen, was historisch angemessen ist und den richtigen Zugang zu dem entsprechenden Jahrhundert zu bekommen. Dafür waren die Originalquellen von unschätzbarem Wert.

Sir Roger Norrington

Sir Roger Norrington ist heute Ehrendirigent des SWR Sinfonieorchesters in Stuttgart.

Norrington etablierte den sogenannten „Stuttgart Sound“, und zwar weltweit. Damit gemeint war seine Art, historisch-informiert zu musizieren. Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart war der Ausgangspunkt dafür - sein Lieblingsorchester, das nach ein paar Jahren harter Arbeit seine Ideen umsetzte und mit herausragenden und preisgekrönten Aufnahmen ins Licht der Weltöffentlichkeit rückte.

Norrington hat Herausragendes geschaffen

In der Stuttgarter Erinnerung ist Roger Norrington der Sir, der mit viel Humor und Musikalität seine Musiker inspiriert und geformt hat, mit Ihnen zusammen etwas Einzigartiges geschaffen hat, mit Ihnen mehrmals zu Gast in der Royal Albert Hall bei den BBC Proms war.

Ein Dirigent, der konsequent seine Interpretationen vertreten und auch begründet hat, herausragende Einspielungen von Haydn, Mozart, Beethoven, Brahms, Mahler Vaughan Williams, Berlioz oder Elgar hinterlassen hat und auch mal mitten im Konzert die Zügel aus der Hand gegeben und vom Bühnenrand aus zuhörte.
Happy Birthday, Sir Roger!


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