Bitte warten...

Luthers Lieder im Interview 2 Mit Fried und Freud ich fahr dahin

Die Reformation hat Geburtstag: 2017 jährt sich der berühmte Thesenanschlag Martin Luthers an der Schlosskirche zu Wittenberg zum 500. Mal. SWR2 Cluster nimmt dies zum Anlass, die musikalischen Folgen der Reformation anzuschauen. Denn bekannt ist ja: Martin Luther soll nicht nur einen guten Tenor abgegeben und die Laute eifrig gezupft haben, sondern er hat auch zahlreiche Lieder geschrieben. Viele davon sind heute aus dem Gottesdienst nicht mehr wegzudenken, andere fristen auch mal ein Dasein im Schatten ihrer berühmten Kollegen.

Einmal im Monat stellt SWR2 Cluster ein Luther-Lied vor - im Interview! Im zweiten Interview trifft Cluster Luthers Begräbnislied "Mit Fried und Freud fahr ich dahin".

SWR2 Cluster: "Mit Fried und Freud fahr ich dahin" - das klingt für uns ja heute so als sei das Sterben etwas Positives. Sind sie denn nun ein eher fröhliches oder doch ein trauriges Lied?
Luther-Lied "Mit Fried und Freud fahr ich dahin": Tja, eigentlich beides. Mein Text spricht ja in der ersten Strophe ganz klar von der Freude auf den Tod. Der ist ja aber im christlichen Verständnis an sich nichts Schlimmes, denn das Leben geht ja danach weiter und zwar an der Seite von Jesus. Genau darauf freut sich die Seele des Menschen in meinem zweiten Vers. Und nicht nur die, sondern alle Seelen der ganzen Welt. Da sind wir jetzt in meiner dritten Strophe. Und am Schluss steht natürlich die Erlösung, das Licht, das über alle Menschen kommen soll.

Wenn ich mir sie einmal anhöre, dann klingen sie ja weniger nach Freude, eher verhalten, traurig ...
Das stimmt natürlich grundsätzlich. Aber wir haben da zum Beispiel auch immer wieder solche Quintsprünge nach oben, schon ganz am Anfang meiner Melodie. Oder die Punktierungen - die deuten ja schon die Freude auf Christus an. Das sind ja alles Zutaten wie man sie sonst eher bei einem fröhlichen Tanzlied erwarten würde.

Lied-Steckbrief. Name des Liedes
Mit Fried und Freud ich fahr dahin
Geburtsjahr
1524
Textvorlage
Lobgesang des Simeon, Lk 2, 29–32
Anzahl der Strophen
4
Nummer im Evangelischen Gesangbuch
EKG 519
Melodie
Martin Luther oder Johann Walter
Weitere Vertonungen
Johann Walter, Martin Agricola, Balthasar Resinarius, Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach, Christian Wolff, Johannes Brahms, Johann Nepomuk David, Ernst Pepping, Marcel Dupré, Max Reger


Luther hat ja ihren Text selbst geschrieben ...
Ja, genau!

... wo stammt der her oder worauf basiert der?
Na, die Bibel ist ja wohl nicht so ihre Stärke! Das ist natürlich eine Nachdichtung des Lobgesanges des Simeon, Evangelium nach Lukas, Kapitel zwo, Vers 29 bis 31. Dieser Simeon sehnt sich nach dem Tod, weil er ja den Heiland erblickt hat und der das Licht über alle Völker und die Heiden bringen wird. Und diese Grundideen hat Luther in seinem Text aufgegriffen und noch ein bisschen ausgeschmückt.

Wie kam er denn gerade auf diese Stelle
Als Augustiner-Mönch kannte er diese Passage natürlich besonders gut aus der Komplet (dem Nachtgebet der Mönche, Anm. d. Redaktion). Er hat es sicher oft selbst gebetet - allerdings in der lateinischen Version. "Nunc dimittis" heißt es da. Die wurde übrigens auch sehr gerne vertont in den letzten Jahrhunderten.

Stammt denn die Melodie von "Mit Fried und Freud fahr ich dahin" von Luther selbst? Wir wissen ja, dass er musikalisch ambitioniert war...
Naja, das ist wieder so einer dieser schwierigen Punkte: die einen sagen ja! Andere sagen Johann Walter hätte sie komponiert ...

Wer war dieser Johann Walter?
Ach ja, der war ein Musiker und eng mit Martin Luther befreundet. Der hat viele seiner Lieder auch veröffentlicht. Mich findet man zum Beispiel erstmals in seinem "Geystlich Gesangk Buchleyn" von 1524. Da sehen sie mal wie alt ich schon bin!

Dann haben sie ja sicher einiges mitgemacht in den letzten Jahrhunderten - ich meine musikalisch.
Das kann man wohl sagen! Ich finde es zum Beispiel wahnsinnig rührend, dass mich Dietrich Buxtehude in seinem so genannten "Klage-Lied" verwendet hat. Das hat er anlässlich des Todes seines eigenen Vaters 1671 komponiert. Was für eine Ehre für mich!

Der Tod eines geliebten Menschen - ist das so ein Anlass, bei dem man sie hören kann?
Oh ja, sehr oft: überall dort, wo ich den Trauernden Trost spenden kann. Denn das ist schließlich meine wichtigste Aufgabe. Mit der Zeit lernt man auch als Lied damit umzugehen.

In welcher Form hören sie sich denn selbst am liebsten?
Also, wenn ich ehrlich bin ... Besonders stolz bin ich ja darauf, dass mich ein so berühmter Komponist wie Johann Sebastian Bach für seine Kantaten eingespannt hat, vor allem in der Nummer 125. Der Eröffnungssatz davon - einfach herrlich! Da hat mich Bach so schön zärtlich mit seiner eigenen Musik eingerahmt ... Dafür werde ihm sicher auf ewig dankbar sein!

Luthers Lieder im Interview

Weitere Themen in SWR2