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Luthers Lieder im Interview 8 Die beste Zeit im Jahr ist mein

Einmal im Monat stellen wir ihnen in diesem Jahr jeweils ein Luther-Lied vor. Und das machen wir, indem wir das Lied einfach ins Studio eingeladen haben. Heute geht es um Luthers "Die beste Zeit im Jahr ist mein".

Wann ist für sie die beste Zeit im Jahr? Wenn das Weihnachtsgeld kommt? Wenn es in den Sommerurlaub geht? Ich denke mal jeder hat da so seine Präferenzen. Auch bei unserem heutigen Studiogast ist das sicher nicht anders: im SWR2-Studio begrüße ich heute ganz herzlich das Lied "Die beste Zeit im Jahr ist mein". Herzlich willkommen!
Lied "Die beste Zeit im Jahr ist mein": Hallo!

Name des Lieds
Die beste Zeit im Jahr ist mein
Geburtsjahr
1538
Strophenanzahl
4
Nummer im Evangelischen Gesangbuch
EKG 319
Melodie
Melchior Vulpius 1609 (ursprünglich zum Lied Der Tag bricht an und zeiget sich)
Weitere Vertonungen
Karl Lütge nach einer Melodie der Böhmischen Brüder, Arnold Mendelssohn


Und die erste Frage an sie lautet natürlich: welche ist denn für sie die beste Zeit im Jahr, die ihnen gehört?
(lacht) Ich weiß ja nicht wie sie das sehen, aber die beste Zeit im Jahr ist natürlich der Frühling!

Warum?
Na, weil da die Natur nach dem langen Winterschlaf wieder zum Leben erwacht. Haben sie schon einmal im Frühjahr morgens die Ohren aufgesperrt, wenn die ersten Sonnenstrahlen wieder durch die graue Wolkendecke brechen und die ersten Knospen an den Bäumen sprießen?

Äh, ja natürlich.
Und was hören sie da?

Hmm, also, sie meinen wahrscheinlich nicht die nahe Autobahn, sondern so etwas wie den Gesang der Vögel, oder?
Ja, genau! Und wie klingt das?

Also ich kann davon dann erst einmal nicht wieder einschlafen... Aber Ich dachte, ich stelle hier die Fragen...
Ach ja, pardon! Also für mich klingt der Gesang der Vögel jedes Mal wieder wie Musik in den Ohren!

Da gebe ich ihnen Recht. Vogelgesänge wirken ja so sogar richtig beruhigend auf so manchen Zeitgenossen und haben ja auch schon zahlreiche Komponisten inspiriert...
Ja, aber auch so manchen Textdichter! So auch den großen Reformator Martin Luther persönlich. Er stimmt nämlich in meinem Text ein echtes Loblied auf die Musik an. Er nennt sie in der Tradition der sieben freien Künste liebevoll "Frau Musica". Sie erwacht im Frühling wieder zu neuem Leben. Deshalb ist es ihre und damit ja auch meine beste Jahreszeit!

Und was besingt Luther noch in ihrem Text? Bei Vögeln und Frühling wird es ja wahrscheinlich nicht bleiben...
Natürlich nicht. Für Luther war die Musik ja immer schon ein ganz fester Bestandteil seiner religiösen Praxis. Die Musik dient ihm vor allem dazu, Gott und seine Schöpfung zu preisen und die Gemeinde zusammen zu schweißen. Ich als Lied bin also in der Lage, "Zank, Zorn, Neid und Hass" unter den Gläubigen zu vertreiben - wie es in meinem siebten Vers heißt. Oder anders ausgedrückt: ich habe eine theologisch anerkannte therapeutische Wirkung!

Das klingt gut. Was war denn der Anlass, für den Luther ihren Text gedichtet hat?
Was meinen sie denn?

Eigentlich wollte ich doch die Fragen ...
Pardon, stimmt. Dazu muss ich leider sagen: eigentlich ist mein Text gar kein Liedtext, sondern ein gereimtes Vorwort, genauer sogar nur die letzten 16 Zeilen daraus. Luther hat ihn als Vorrede zu einem Lobgedicht seines Freundes Johann Walter im Jahr 1538 geschrieben.

Aha, interessant. Und wie wurde dann dieser Text zum Lied, zu ihnen?
Tja, ich bin eigentlich noch gar nicht so alt, wie viele von mir immer denken. Erst so Mitte des 19. Jahrhunderts kam in Kirchenmusiker-Kreisen die Idee auf, die letzten 16 Verse dieser Vorrede in Liedform zu bringen. Wann das aber genau geschehen ist, weiß ich leider selbst nicht mehr.

Moment, aber ihre Melodie stammt doch von Melchior Vulpius. Und der lebte immerhin von etwa 1570 bis 1615, also durchaus noch im reformatorischen Zeitalter...
(seufzt) Ja, diese Melodie gehört aber eigentlich zu einem anderen Lied, einem geistlichen Volkslied. Aber sie steht mir auch sehr gut, oder?

"Die beste Zeit im Jahr ist mein" - heute haben wir ein Kirchenlied Luthers zu Gast, das eigentlich streng genommen ein Luther-Fake-Lied ist. Das hatten wir in unserer Reihe auch noch nie! Gibt es sie denn auch noch in anderen Fassungen als mit der Vulpius-Melodie?
Aber ja! Da gab es z.B. einen Berliner Kirchenmusiker namens Karl Lütge. Der hat mich zum 400. Reformationsjubiläum im Jahr 1917 mit einer neuen Melodie aus dem Fundus der so genannten Böhmischen Brüder aus dem 16. Jahrhundert kombiniert. Auch eine sehr schöne Sache! Und natürlich Arnold Mendelssohn - nicht Felix - der mir einen eigenen, tänzerischen Chorsatz auf den Leib geschrieben hat.

Mit welcher dieser Melodien hören sie sich denn selbst am liebsten?
Puh, also wenn ich ehrlich bin: mit dem Vulpius fühle ich mich immer besonders wohl. Der stammt ja immerhin so ein etwa aus der Zeit Luthers. Da bekomme ich dann zumindest immer das Gefühl, ein authentisches Luther-Lied zu ein.

Gut. Ich habe mal eine wie ich finde besonders "volksnahe" Aufnahme von ihnen herausgesucht. Hier ist das Ensemble "The Playfords" und ihre textlich etwas verkürzte Version stammt aus dem Album mit dem schönen Titel "Luther tanzt".
Das konnte der auch sehr gut. Stimmt!

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