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SENDETERMIN Mi, 25.4.2018 | 17:05 Uhr | SWR2

SWR2 Forum Rückgabe, Teilhabe, Leihgabe –

Wem gehört die Kunst der Kolonialzeit?

Es diskutieren:
Prof. Dr. Ines de Castro, Direktorin des Linden-Museums, Stuttgart
Prof. Dr. Andreas Eckert, Afrikawissenschaftler, Humboldt-Universität Berlin
Dr. Larissa Förster, Ethnologin, Humboldt-Universität Berlin
Gesprächsleitung: Gregor Papsch

Die Worte des französischen Präsidenten wirkten beiläufig, aber sie besaßen eine enorme Sprengkraft. Die Kolonialmacht Frankreich, so Emmanuel Macron im vergangenen November, habe einst anderen Kulturen Kunstwerke weggenommen, sein Land habe deshalb beschlossen, diese Werke an die Herkunftsländer zurückzugeben.

Sollen auch deutsche Museen Werke zurückgeben?

Gesagt hat er es bei einem Besuch im afrikanischen Burkina Faso. Seitdem ist auch in Deutschland die Aufregung groß: Regierung und Museen müssen die Frage beantworten: wie sollen wir heute mit all den Kunstwerken umgehen, die vor hundert und mehr Jahren vor allem aus den afrikanischen Kolonien vielfach geraubt und dann nach Europa geschafft wurden? Sollen auch deutsche Museen Werke zurückgeben? Welche rechtlichen und moralischen Fragen stellen sich dabei?

Oder gibt es andere Wege, die einen angemessenen Dialog der Kulturen ermöglichen? Wie können Museen von Stuttgart bis Berlin koloniale Kunst zeigen, ohne dem Vorwurf einer neoimperialistischen Perspektive ausgesetzt zu sein?

Die Direktorin des Linden-Museums Stuttgart Prof. Dr. Ines de Castro hat keine Sorge, dass der Bestand in ihrem Museum durch Rückgabeforderungen schrumpfen werde. "Wir suchen schon seit vielen Jahren seit neuen Wegen, mit diesem Erbe umzugehen", sagt sie im Forum-Gespräch. "Ich begrüße sehr, was Macron ausgesprochen hat, weil es uns hilft, über diese Dinge mehr nachzudenken und die politische Trägerschaft mitzunehmen." Selbstkritisch merkt sie an, dass viele Museen zwar Provenienzforschung betrieben aber dies zu wenig an die Öffentlichkeit gebracht und darüber nachgedacht, was damit verbunden sei.


Der Afrikawissenschaftler Prof. Dr. Andreas Eckert von der Humboldt-Universität Berlin glaubt, dass eine Reihe von Museen wohl etwas überrascht worden sei durch den neuen Druck, auch durch Macrons Ankündigung der Rückgabe. "Viele ziehen sich auf die Position zurück: Wir haben doch schon immer Provenienzforschung betrieben. Aber ich glaube, dass dem nicht so ist, sondern dass es schon dieses öffentlichen Drucks bedurfte, um ein wenig Schwung in die Sache zu bringen."

Die Ethnologin Dr. Larissa Förster von der Humboldt-Universität Berlin glaubt ebenfalls, dass die Debatte in Deutschland jetzt erst losgehen werde, weil Macron die Frage der Restitution von der Frage der Provenienz entkoppelt habe. "Wir müssen jetzt die Debatte in Deutschland führen: Was bedeutet das? Was für Möglichkeiten gibt es? Wir müssen sie auch zusammen mit anderen europäischen Museen führen oder auch mit afrikanischen Museen in den Herkunftsländern führen."

Sendung vom

Mi, 25.4.2018 | 17:05 Uhr

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