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SENDETERMIN Do, 29.11.2018 | 17:05 Uhr | SWR2

SWR2 Forum Mykene - Glanz und Untergang einer Hochkultur

Es diskutieren:
Dr. Katarina Horst, Archäologin, Badisches Landesmuseum Karlsruhe
Dr. Reinhard Jung, Archäologe, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien
Prof. Dr. Joseph Maran, Institut für Ur- und Frühgeschichte, Universität Heidelberg.
Gesprächsleitung: Marie-Dominique Wetzel

Die Welt staunte nicht schlecht, als der deutsche Archäologe Heinrich Schliemann vor bald 150 Jahren in Mykene die ersten Schätze einer Kultur ans Tageslicht brachte, die offenbar lange vor der klassischen Antike existiert hatte.

Mykene war die erste Hochkultur in Griechenland. Vom 15. bis 12. Jahrhundert v.Chr. dominierte sie den Peloponnes, erbaute prachtvolle Paläste und pflegte enge Kontakte zu anderen Zivilisationen. Nach nur vierhundert Jahren verschwand sie auf bis heute rätselhafte Weise.

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Größte Ausstellung über das mykenische Griechenland

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Gleich zu Beginn der Ausstellung sieht man Heinrich Schliemann auf einem vergrößerten, historischen Foto mit Tropenhelm auf dem griechischen Grabungsfeld. Beflügelt vom Erfolg in Troja, hatte er sich um Grabungsrechte in Mykene bemüht.

Gleich zu Beginn der Ausstellung sieht man Heinrich Schliemann auf einem vergrößerten, historischen Foto mit Tropenhelm auf dem griechischen Grabungsfeld. Beflügelt vom Erfolg in Troja, hatte er sich um Grabungsrechte in Mykene bemüht.

Und tatsächlich entdeckte Schliemann 1876 fünf Gräber voller wertvoller Grabbeigaben samt einer Goldmaske, die Schliemann - fälschlicherweise, aber sehr werbewirksam - sofort zur Totenmaske Agamemnons deklarierte. Das Original ist jetzt in der Karlsruher Ausstellung zu sehen.

Goldmaske aus Schachtgrab V, 16. Jh. v. Chr., Mykene, Grabfund, Archäologisches Nationalmuseum Athen, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Doch schnell war klar, dass sich diese Objekte nicht in bisher bekannte archäologische Fund-Zusammenhänge einordnen ließen. Man hatte es offensichtlich mit einer Kultur zu tun, von deren Existenz niemand etwas geahnt hatte und die ab dem 16. Jahrhundert vor Christus in Mittelgriechenland und auf der Peloponnes wie aus dem Nichts entstanden ist.

Kyklopenmauer und Nachpalastzeit, 12. Jh. v. Chr.

Die Karlsruher Ausstellungskuratorin Katarina Horst: „Die Sachen, die man aus der Vorzeit kennt, sind einfach Keramiken, einfaches bäuerliches Leben – und auf einmal erscheint dann in sehr kurzer Zeit eine sehr weit ausgereifte Gesellschaft mit wunderbaren Objekten, die uns zeigt, dass die Menschen weit fortgeschritten waren in ihrer kulturellen Entwicklung.“

15. Jh. v. Chr., Pylos, Grabfund aus dem Grab des Greifenkriegers, Archäologisches Museums Messeniens, Kalamata, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Wunderbar gearbeitete Ketten und Ringe aus Gold, filigrane Zierkämme aus Elfenbein, feine Keramiken und aufwendig verzierte Waffen bezeugen das. Teilweise stammen sie aus ganz neuen Grabungen und werden zum allerersten Mal öffentlich gezeigt.

Goldene Halskette mit Perlen aus Achat und Glaspaste, 15. Jh. v. Chr., Pylos, Grabfund aus dem Grab des Greifenkriegers, Archäologisches Museum Messeniens, Kalamata, Hellenic Ministry of Culture and Sports

In der Ausstellung des Badischen Landesmuseums erfährt man außerdem viel über die weitverzweigten Handelsbeziehungen der mykenischen Kultur bis nach Syrien und Ägypten und über die besondere Beziehung zu den großen Vorbildern, den Minoern auf Kreta.

Rinderfigur, 14. Jh. v. Chr., Archäologisches Museum Volos, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Nach Mykene entdeckte man weitere, große Palastanlagen, wie Tiryns und Pylos. Die Paläste waren, wenn auch nicht gleich, so doch ähnlich aufgebaut.

Nachbau eines mykenischen Thronsaals

Im Badischen Landesmuseum hat man einen Thronraum 1:1 nachgebildet, mit aufwendigen, farbigen Malereien.

Fußbodenfragment aus dem Palast von Tiryns, 13. Jh. v. Chr., Tiryns, Palast, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Originalfragmente aus dem Thronraum von Pylos, die einen Greif und einen Löwen zeigen, werden hier – zum allerersten Mal präsentiert.

13. Jh. v. Chr., Pylos, Plast des Nestor, Archäologisches Museum Chora, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Kuratorin Katarina Horst: „Die Ausstellung war jetzt die Gelegenheit, diese Stücke ordentlich zu rekonstruieren und zu konservieren und in einen schönen Rahmen zu setzen, so dass sie für die Zukunft gut aufbewahrt sind.“

Funde aus königlichen Tholosgräbern 16.-15. Jh. v. Chr.

Die griechischen Partner freuten sich, mangels eigener Gelder, über diese Aufarbeitung, so die Kuratorin. Überhaupt ist die Ausstellung in enger Zusammenarbeit mit den griechischen Museen und Denkmalämtern entstanden.

Männerkopf aus Elfenbein, 13. Jh. v. Chr., Mykene, Kultzentrum, Archäologisches Museum Mykene, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Vor ein paar Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. Erst durch die Rückgabe einiger Objekte, die vor vielen Jahren aus illegalen Grabungen ins Badische Landesmuseum gekommen waren, haben sich die Beziehungen wieder normalisiert. So ist diese eindrucksvolle Ausstellung mit über 400 wertvollen Leihgaben aus Griechenland möglich geworden.

Goldtasse, 16. Jh. v. Chr., Peristeria, Grabfund, Archäologisches Museum Chora, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Die Schau endet mit der Frage, warum die so hochentwickelte mykenische Kultur nach nur etwa 400 Jahren plötzlich unterging. Ausstellungskuratorin Katarina Horst: „Die Paläste sind praktisch gleichzeitig abgebrannt, um 1200 v. Chr. – wir wissen aber nicht genau, wie es zu diesem Untergang gekommen ist.“

Freskofragment mit Darstellung der sogenannten Weißen Göttin aus dem Palast von Pylos, 13. Jh. v. Chr., Archäologisches Museum Chora, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Waren es interne Machtkämpfe, Aufstände der ausgebeuteten Bevölkerung, Überfälle von Piraten – oder doch ein Erdbeben? Auf Tablets können sich die Besucher die verschiedenen Szenarien erläutern lassen.

Originalgetreuer Gipsabguss des Löwentors, Amsterstam, Allard Pierson Universität

Im letzten Ausstellungsraum können sich Besucher schließlich mit der Frage beschäftigen, was wohl von unserer Kultur überliefert werden wird, falls jemand sie - wie damals Schliemann Mykene - nach etwa 3.000 Jahren ausgraben sollte.

Prunkkrone, 16.–15. Jh. v. Chr., Myrsinochori, Routsi, Grabfund, Archäologisches Museum Chora, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Askos-Gefäß in Form eines Vogels, Spätes 12. Jh. v. Chr., Agia Triada, Grabfund, Archäologisches Museum Pyrgos, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Eberzahnhelm aus einem Grab der Kladeos-Nekropole bei Olympia, 14. Jh. v. Chr., Archäologisches Museum Pyrgos Hellenic Ministry of Culture and Sports

Objekte der Schachtgräberzeit um 16. Jh. v. Chr.

Figur einer Schlange aus Ton, 13. Jh. v. Chr., Mykene, Kultzentrum, Archäologisches Museum Mykene, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Ritualgefäß, 15. Jh. v. Chr., Archäologisches Museum Chora, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Fleischgrill aus Ton, 13. Jh. v. Chr., Mykene, Umkreis des Kultzentrums, Archäologisches Museum Mykene, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Kanne aus einem Kriegergrab, 15. Jh. v. Chr., Archäologisches Museum Volos, Hellenic Ministry of Culture and Sports

Vitrine mit Geschirr und Ernährung, 13. Jh. v. Chr.

Jagdfresko aus Pylos und Geschirr aus Mykene, 13. Jh. v. Chr.

Keramiken der Nachpalastzeit, 12. Jh. v. Chr.

Mykenische Grabsitten, 13.-12. Jh. v. Chr.

Idole aus der Palastzeit, 14.-13. Jh. v. Chr.

Jetzt zeigt das Badische Landesmuseum in Karlsruhe die weltweit größte kulturhistorische Ausstellung über das mykenische Griechenland. Was weiß man heute über die Welt jener mythischen Helden, die Homer in seinen Epen besungen hat? Und warum ging das Reich vor mehr als 3000 Jahren dem Anschein nach urplötzlich unter?

Ausstellung zur Sendung:
"Mykene. Die sagenhafte Welt des Agamemnon", Badisches Landesmuseum Karlsruhe, ab 1.12.2018.

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