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Über den Unsinn von To-do-Listen Es kommt, wie's kommt.

...und ist noch immer gut gegangen! Glosse von Walter Filz

To-do-Listen sind etwas für "Rahmenbedingungsbeachter, Risikobedenker, Aufwandskrämer, Nebenkostenaddierer", spottet SWR2 Feature-Chef Walter Filz. All die wichtigtuerischen Tools lenken nur davon ab, dass diese Leute im Grunde keine Idee haben, keine Vision, keine Mission.

6:16 min | So, 13.1.2019 | 9:03 Uhr | SWR2

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Die To-Do-Liste

Von Clemens Hoffmann

Wir leben in einer Welt, die uns ständig drängt, dies oder jenes zu tun. Motto: Bloß nichts vergessen und alles am besten vorgestern fertig haben! Ein Rettungsanker, ein Kompass kann da die To-Do-Liste sein. Lauter dringende Dinge untereinanderschreiben, und Erledigtes abzuhaken. Das hilft, das Hirn für kreativere Gedanken frei zu räumen.<br />Schön und gut. Schräg wird es, wenn die Liste die Macht übernimmt. Nur wer heute dem Impuls wiedersteht, jede Aufgabe möglichst sofort zu erledigen, hat eine Chance, die wirklich wichtigen Dinge zu vollenden. Clemens Hoffmann hat sich ein paar Gedanken über Sinn und Unsinn dieser doch sehr beliebten Listen gemacht und eine begeisterte Listenschreiberin getroffen

Da … muss eine Lampe hin. Dringend. Wichtig!

Und also schrieben wir es hin. Ganz oben. Auf die To-do-Liste: Lampe für's Klo kaufen. Denn da hing nur eine Glühbirne an einem räudigen Kabel von der Decke. Damals. Als wir in die Wohnung eingezogen sind. 22 Jahre ist das her und - natürlich - die Birne baumelt immer noch.

Nur zwei Tage nachdem der Lampenkauf auf der To-Do-Liste stand, war er nicht mehr dringlich. Zwei Monate später nicht mehr wichtig. Zwei Jahre später war die Liste verkramt und vergessen. 22 Jahre später... man lernt dazu. Wird reifer. Wird weiser. Wird gelassener. To-do-Listen. Projekte planen. Pläne abarbeiten. Prioritäten setzen. A, B und C. Kurzfrist, Mittelfrist, Langfrist. Ach was.

Es kommt, wie's kommt. Und ist noch immer gut gegangen!

Ziele definieren. Arbeit budgetieren. Leistungsressourcen bilden. Pläne sind was für Rahmenbedingungsbeachter, Risikobedenker, Aufwandskrämer, Nebenkostenaddierer. Für Kalenderwochennummerierer, für Milimeterpapierfalter, für Einbauküchenausmesser. Für Schisser. Leute, deren größte Lebensleistung das Aufräumen des Kellers ist.

Immerhin: der ist dann voll. Während im Kopf die Leere gähnt. Organisationswerkzeuge. Programme. Tools. Hilfsmittel. Listenbücher und Lastenhefte. All dieses wichtigtuerische Zeug lenkt diese Leute nur davon ab, dass sie im Grunde keine Idee haben, keine Vision, keine Mission.

Hatte Jesus eine To-do-Liste?

  • Heilung von Petrus' Schwiegermutter
  • Speisung der 5.000
  • Lazarus vom Tod erwecken
  • 40 Tage freihalten fürs Sonderprojekt "Satans Versuchung".

Und vorher noch einen Feigenbaum verfluchen. Oder besser später? Unsinn.

Hatte Goethe einen Terminplaner?

  • Morgen früh 2:30 Uhr: Aufs Pferd zur Pfarrerstochter Friederike. Willkommen.
  • Abschied 17 Uhr 30 mit nassem Blick.

Nein hatte er nicht: "Es war getan fast eh' gedacht." So läuft das. Erst hat er es getrieben, und später aufgeschrieben. Äh, das war jetzt nicht von Goethe.

Hat Einstein Prioritäten gesetzt?

  1. Materie, Raum und Zeit erforschen.
  2. Völkerverständigung und Frieden fördern.
  3. Haare kämmen. (Aber nur wenn Zeit übrig. Klammer zu).

Natürlich hat er nicht.

Ätsch. Die Zunge raus. Genie braucht keinen Plan. Geistesblitze lassen sich nicht planen. Da macht es mitten in der Nacht Zisch-Peng. Und Zack sitzt man senkrecht im Bett, greift sich einen Notizzettel und schreibt drauf: Newton liegt falsch.

Weltbild ändern. So funktioniert das doch. Und zwei, drei Nächte später: wieder Zisch-Peng-Zack und Zettel raus: e = mc².

So geht das. Planung Pillepalle. Prioritäten Papperlapapp. Projektsteuerung Pustekuchen.
Abwarten, kommen lassen. Dem einen kommen die genialen Gedanken im Schlaf. Dem anderen beim Joggen.

Und mir zum Beispiel auf dem... hey, wieso flackert denn das Licht?
Da geht doch nicht etwa die Glühbirne kaputt. Oder das Kabel. Nach 22 Jahren. Was mache ich denn da?

Ich hab keinen Plan.

Sendezeit

Sonntags 9.03 bis 12 Uhr

SWR2 Matinee: Des Rätsels Lösung

Sendung vom 14.4.2019
"Kai aus der Kiste"
Kinderroman von Wolf Durian, 1924
Gewinn: Buch "Bauhaus" von Jeannine Fiedler
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Sendung vom 7.4.2019
"Der Feind in meinem Bett"
Film von Joseph Ruben mit Julia Roberts, 1991
Gewinn: Schlafbrille von Nox, Schlafbrille Manufaktur

Sendung vom 31.3.2019
"Das fünfte Element"
Film von Luc Besson mit Bruce Willis und Milla Jovovich, 1997
Gewinn: Buch "Mathematik – die faszinierende Welt der Zahlen"
Von Bertram Maurer (Naumann & Göbel Verlag)

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