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SENDETERMIN Mo, 13.5.2019 | 23:03 Uhr | SWR2

SWR2 JetztMusik Musik-Lektüren

Mit Björn Gottstein, Lydia Jeschke, Bernd Künzig und Michael Rebhahn

Über Neue Musik wird immer noch viel geschrieben. Abgesehen von den schriftlichen Erwerbungen des Doktortitels werden jährlich zahlreiche Bücher zu Fragen der Neuen Musik veröffentlicht, darunter Fachbücher, Prosa, Sachbücher und Pamphlete. Die Redaktion Neue Musik hat Neuerscheinungen mit kritischem Blick gelesen und stellt die Bücher im Gespräch vor.

Vorgestellt und diskutiert werden:

Claus-Steffen Mahnkopf: Philosophie des Orgasmus (Suhrkamp-Verlag)

Wer den schönsten Augenblick sucht, kommt rasch auf den Höhepunkt der Höhepunkte: den Orgasmus. Wiewohl Dauerthema in den Medien, ist die sexuelle Erfüllung mitnichten eine einfache Sache. Sie ist biologisch und kulturell, sinnlich und symbolisch, fleischlich und geistig, emotional und kommunikativ. Und weiblich und männlich, mithin zutiefst menschlich. In ihr treffen die Naturgeschichte und die Evolution auf die großen Erzählungen vom menschlichen Glück, einer emanzipierten Gesellschaft, einer reifen Liebeskultur und eines befreiten Geschlechterverhältnisses, kurz: eines guten Lebens.

Das Staunen über den Orgasmus erhält in diesem Buch eine Philosophie, die Wissenschaft mit Kunst, Literatur, Film und Musik, die intellektuellen Diskurse mit Alltagserfahrungen und die politische Frage mit der Utopie einer leidenschaftlichen und erfüllenden Glückseligkeit verbindet.

Sabine Ehrmann-Herfort (hg.): Salvatore Sciarrino. Vanitas. Kulturgeschichtliche Hintergründe, Kontexte, Traditionen (Wolke-Verlag)

Bereits der Titel von Salvatore Sciarrinos Komposition "Vanitas. Natura morta in un atto" signalisiert mit seinem expliziten Hinweis auf den Kontext des „Stilllebens“ das interdisziplinäre Potential, das diesem aus dem Jahr 1981 stammenden Werk innewohnt. Die evidenten Verbindungen mit kunsthistorischen Themenstellungen legen weitere fächerübergreifende Auseinandersetzungen mit dieser Komposition nahe. Für das Schaffen des italienischen Komponisten ist das Stück zentral, realisiert es doch in radikaler Weise die für Sciarrino kennzeichnende werkimmanente Dramaturgie. Denn die für Stimme, Violoncello und Klavier geschriebene Komposition entwirft bereits mit ihrer Musik eine Szene, knüpft mit den der Vertonung zugrunde liegenden Textfragmenten an die Blütezeit der Vanitas-Thematik im Barockzeitalter an und präsentiert sich zugleich als komplexes und verrätseltes System kompositorischer Bezüge.

Der Band eröffnet ein reiches Spektrum von Zugangsweisen zu Sciarrinos Komposition und stellt ihre Vergänglichkeits-Thematik in einen interdisziplinären Rahmen. Hierzu gehören sujetgeschichtliche Fragestellungen ebenso wie werkanalytische Zugänge und Reflexionen zur Einordnung des Stücks in den Schaffenskontext des Komponisten. Die Vanitas-Idee wird dabei sowohl aus musikwissenschaftlicher, wie auch aus literaturwissenschaftlicher und kunsthistorischer Perspektive fokussiert und analysiert. Impressionen Salvatore Sciarrinos zur Genese seines Werkes und seine Werkkommentare zu Vanitas – erstmals auch in deutschen Übersetzungen – runden das Panorama der vielfältigen Herangehensweisen an dieses faszinierende Werk ab.


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