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Impressionen und Livemix vom SWR Jazzlabor NEWJazz Meeting mit Lukas Kranzelbinder

Konzerte am 16.11. in Mannheim, 17.11. in Tübingen, 18.11. in Karlsruhe

Beim Abschlusskonzert des SWR NEWJazz Meeting 2018 war der Entschluss schon gefasst: Das Septett um den Bassisten und Krurator Lukas Kranzelbinder macht weiter, da die Musiker sich menschlich und musikalisch so gut verstehen. Name der neuen Band: „On boit Lumumba“.

Erstmals wirkte auch ein Romanautor mit beim SWR NEWJazz Meeting: Fiston Mwanza Mujila aus dem Kongo. Für sein Debüt "Tram 83" hat er zahlreiche Preise erhalten.

Hören Sie hier den Livemix vom Abschlusskonzert am 18.11. im Tollhaus Karlsruhe. Eine CD mit den besten Aufnahmen vom SWR NEWJazz Meeting 2018 erscheint im September 2019 bei SWR Jazzhaus:

Impressionen vom Konzert am 18.11. in Karlsruhe

Der Wiener Bassist und Komponist Lukas Kranzelbinder, einer der erfolgreichsten österreichischen Jazz-Musiker, leitete das SWR NEWJazz Meeting 2018. Mit den Bands „Shake Stew“ und „Interzone“ hatte er schon in den letzten Jahren international für Furore gesorgt. Vom 16. bis 18. November präsentierten Kranzelbinder und das SWR NEWJazz Ensemble ihre Musik bei Konzerten in Mannheim, Tübingen und Karlsruhe.

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Septett um Lukas Kranzelbinder wird festes Ensemble

Abschlusskonzert beim SWR NEWJazz Meeting 2018

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Architekt und Stadtplaner Stephen Kovats im vom Oskar Schlemmer gestalteten Treppenhaus im kleinen Van-de-Velde-Bau der Bauhaus-Universität Weimar.

Nach vier außergewöhnlichen Probentagen und drei erfolgreichen Konzerten verkündete der Bassist Lukas Kranzelbinder, Leiter des SWR NEWJazz Meetings 2018, die Gründung eines neues Ensembles. Das Septett verstand sich menschlich und musikalisch so gut, dass die Musiker beschlossen, unter dem Namen „On boit Lumumba“ weiter zusammen zu arbeiten. 

Mit Fiston Mwanza Mujila war erstmals ein Schriftsteller bei einem NEWJazz Meeting dabei. 

Lukas Kranzelbinder: „Es war sehr wichtig für mich, Fiston Mwanza Mujila nicht als Solisten zu featuren, sondern dass er genau so ein energetischer Input ist wie jeder andere in der Band."

"This has been an amazing week of music making with an extraordinary group of musicians". Dave Smith - Drums, Percussion

Dave Smith ist Drummer in der Band des ehemaligen Led Zeppelin Sängers Robert Plant. Für das SWR NEWJazz Meeting 2018 ist er extra nach Baden-Baden gekommen.

Johannes Schleiermacher - Flöte, Tenorsaxofon

Johannes Schleiermacher - Flöte, Tenorsaxofon

"Voll motiviert" war Mario Rom beim SWR NEWJazz Meeting dabei.

Mario Rom leitet das das Trio "Interzone", bei dem auch Lukas Kranzelbinder mitspielt. Mit "Interzone" reiste der Bassist erstmals nach Marokko, wo er die Guembri und die Musik der Gnawa für sich entdeckte. 

2012 entdeckte Lukas Kranzelbinder - Bassist und Leiter beim SWR NEWJazz Meeting 2018, die dreisaitige Kastenhalslaute „Guembri“ in Marokko. Seitdem ist er „absolut süchtig nach den magischen Noten, die da rauskommen!“

Die aus dem Iran stammende Klarinettistin Mona Matbou Riahi kam vor einigen Jahren nach Wien, um Jazz zu studieren. Inzwischen ist sie in der Donaumetropole längst heimisch und eine viel gefragte Musikerin geworden.

Mario Rom - Trompete, Mona Matbou Riahi - Klarinette

Für den E-Gitarristen und Oud-Spieler Gregory Dargent aus Straßburg war das SWR NEWJazz Meeting eine "verrückte Woche mit "prächtigen Musikern".

SWR NEWJazz Ensemble 2018 (v.l.n.r.): Fiston Mwanza Mujila, Lukas Kranzelbinder, Mario Rom, Mona Matbou-Riahi, Dave Smith, Gregory Dargent, Johannes Schleiermacher

Abschlussapplaus für SWR NEWJazz Ensemble 2018 (v.l.n.r.): Fiston Mwanza Mujila, Lukas Kranzelbinder, Mario Rom, Mona Matbou-Riahi Gregory Dargent, Johannes Schleiermacher, Dave Smith.

Die Proben beim SWR NEWJazz Meeting 2018


Die Konzerte - SWR NEWJazz Meeting 2018
FR., 16.11.18, Mannheim, Alte Feuerwache, 20 UHR
SA., 17.11.18, Tübingen, Sudhaus, 20.30 UHR
SO., 18.11.18, Karlsruhe, Tollhaus, 19 UHR


Was macht ein Schriftsteller in der improvisierten Musik?

Der in Graz lebende Fiston Mwanza Mujila aus der Demokratischen Republik Kongo Fiston hat für seinen Roman "Tram 83"  zahlreiche Preise erhalten. Ein Stern am Literaturhimmel, gewiss. Aber ein Akteur im Feld der improvisierten Musik?

„Auf der Bühne eine Naturgewalt“

Lukas Kranzelbinder rollte zunächst mit den Augen als er in Kritiken las, Fiston schreibe mit der Energie eines Jazzmusikers, seine Texte läsen sich wie die Soli von John Coltrane. „Dann aber habe ich seinen Roman ‚Tram 83‘ gelesen und war wie weggeblasen.“ Spontan nahm Kranzelbinder Kontakt mit dem Schriftsteller auf. Fiston sei ja nicht nur ein Schriftsteller, sondern performe auch live und improvisiere viel mit seinen Texten, so Kranzelbinder. „Fiston passt deshalb gut ins SWR NEWJazz Meeting, weil er diesen wahnsinnig schönen Spagat von der Jazzmusik hin zu Energien schafft, die noch viel größer sind als das ganze Genre.“



Die Musiker - SWR NEWJazz Meeting 2018

Lukas Kranzelbinder, Kontrabass, Guembri, Kurator
Fiston Mwanza Mujila, Voice, Poetry
Mona Matbou Riahi, Klarinette
Gregory Dargent, Oud, Gitarre
Mario Rom, Trompete
Johannes Schleiermacher, Tenorsaxofon
Dave Smith, Schlagzeug


Am Schlagzeug sitzt Dave Smith. Der Mitbegründer des Londoner Loop Collective tritt regelmäßig in großen Arenen auf. Seit einigen Jahren ist er festes Mitglied der Band von Robert Plant. Trotzdem hat er seinen Kontakt zur Londoner Underground-Szene nicht verloren. Er hat immer wieder Gambia bereist und dort die komplexen westafrikanischen Polyrhythmen studiert.

Musik der Nachfahren westafrikanischer Sklaven in Marokko

Als Lukas Kranzelbinder („der Bass-Senkrechtstarter“, SZ) mit der Band „Interzone“ die marokkanische Stadt Tanger besuchte, lernte er die Musik der Gnawa kennen – spirituelle Heiler, Nachfahren westafrikanischer Sklaven, die eine groovebetonte Musik voller Magie machen. Kranzelbinder fing Feuer, tauchte tief ein in die Gnawa-Musik und versuchte so oft wie möglich von verschiedenen Meistern aus Marokko zu lernen. Seitdem hat ihn das Thema Afrika, die Musik und die Geschichte des Schwarzen Kontinents, nicht mehr losgelassen.

SWR2 Sendetermine
NOWJazz Session am Do, 21. Februar, 23.03 Uhr: SWR NEWJazz Meeting 2018 - Teil 1
NOWJazz Session am Do, 28. Februar, 23.03 Uhr: SWR NEWJazz Meeting 2018 - Teil 2

Transformierende Kraft von Groove, Trance und Ekstase

Elementarer Bestandteil von Kranzelbinders multistilistischen Kompositionen ist die transformierende Kraft von Groove, Trance und Ekstase. Zur funkelnden Pracht seiner Musik gehören aber genauso die subtilen Energien von Poetik, Melodie und Stille. Für die klangliche Balance in diesem Projekt sorgt die in Wien lebende iranische Klarinettistin Mona Matbou Riahi. »Sie ist eine unglaublich intensive, freundliche, fröhliche, energetische Persönlichkeit, die gleichzeitig mit Stille arbeiten und mit einer Feinheit musizieren kann, die umwerfend ist.«

Auch freut sich Kranzelbinder, dass mit Gregory Dargent, ein herausragender Oud-Spieler dabei ist. "Gregory passt perfekt zur Band, weil er in dem, was er tut, stark zwischen den Stühlen sitzt. Er wechselt in seinen Projekten zwischen diesem betörenden, warmen akustischen Oud-Klang und intensiven, noise-lastigen Gitarren-Klangflächen hin und her. Das ist ein Bereich, den ich sehr interessant finde.« Hinzu kommen mit dem Trompeter Mario Rom und dem Saxofonisten Johannes Schleiermacher zwei virtuose Improvisatoren, die dem aktuellen Jazz ein unverwechselbares Gesicht geben.

Das Rundfunkstudio als Klanglabor – man darf gespannt sein, welche ungewöhnlichen Wege diese sieben Musikerinnen und Musiker gehen werden, wenn sie sich beim 51. SWR NEWJazz Meeting auf eine energetisierende, neue Reise begeben.

"Lumumba" - ein Ministerpräsident als Getränk?

Der Bandname „On boit Lumumba – wir trinken Lumumba“ weist auf ein Missverhältnis hin. Zum einen sind Patrice Lumumba, erster kongolesische Ministerpräsident und afrikanischer Freiheitskämpfer, und die mit ihm verbundenen historischen Ereignisse bei uns weitgehend unbekannt. Sie spielen in Schulbüchern der westlichen Welt kaum eine Rolle. Gleichzeitig ist Lumumba seit vielen Jahren ein vor allem beim Aprés-Ski in den Alpen beliebter Drink aus Kakao und Rum. Ein Heißgetränk, das dort in rauen Mengen getrunken wird.

Patrice Lumumba, erster Premierminister der Demokratischen Republik Kongo, am 11 Oktober 1960 in Leopoldville, Kongo

Patrice Lumumba, erster Premierminister der Demokratischen Republik Kongo, am 11 Oktober 1960 in Leopoldville, Kongo


„Da steckt wirklich eine Absurdität drin, die wiederum eine Verbindung zu den Themen hat, die Fiston in seinen Texten und seinen Büchern behandelt.", sagt Kranzelbinder, "Denn da geht’s auch sehr oft um solche wirklich völlig absurde Zustände. Die aber nicht mit einer traurigen Schwere betrachtet werden, sondern mit einer überspitzten Absurdität wie sie im Postkolonialismus teilweise vorkommt. Als ich Fiston den Titel „On Boit Lumumba“ gesagt hab, hat er erst mal gelacht.“

Wer war Patrice Lumumba?

Während der großen Unabhängigkeitswelle afrikanischer Kolonien wurde 1960 auch die Demokratische Republik Kongo von Belgien unabhängig. Patrice Lumumba (2. Juli 1925  - 17. Januar 1961) war Mitbegründer der ersten gesamtkongolesischen Partei, des Mouvement National Congolais ( MNC) und erster Premierminister des unabhängigen Kongo.

Afrikanischer Freiheitskämpfer und erster Premierminister der Demokratischen Republik Kongo

Der Kongo hatte die wohl brutalste Kolonialherrschaft in Afrika hinter sich. Auch der Übergang in die Unabhängigkeit verlief alles andere als sanft: Belgien musste den Kongo in die Freiheit entlassen; der öffentliche Druck war zu groß, die antikolonialen Bewegungen zu stark. Kurz vor dem Unabhängigkeitstag wurde Patrice Lumumba, zum Premierminister des Kongo gewählt. Schon bei der Unabhängigkeitsfeier am 30. Juni 1960 trat der Konflikt zwischen dem Kongolesen und dem belgischen König Baudouin offen zutage. Während Baudouin die angeblichen Errungenschaften unter belgischer Herrschaft lobte, kritisierte Lumumba mit scharfen Worten die Unterdrückung und die Ausbeutung durch die Belgier. 

Ermordet mit Hilfe von CIA und belgischer Administration

Seine klare Haltung gegen die Belgier kostete Lumumba das Leben: Noch im selben Jahr stürzte ihn der spätere Diktator Joseph Mobutu mit Hilfe des CIA. Lumumba wurde erst in der kongolesischen Hauptstadt Léopoldville ins Gefängnis gesperrt und dann im Januar 1961 von belgischen Offizieren in die abtrünnige Provinz Katanga gebracht. Dort wurde Lumumba ermordet. Patrice Lumumba gilt bis heute als eine Symbolfigur für den afrikanischen Unabhängigkeitskampf. Sein Tod konnte nie endgültig aufgeklärt werden. Eine belgische Untersuchungskommission stellte allerdings 2001 eindeutig fest, dass belgische Offiziere, Polizisten und Funktionäre in den Mord an Lumumba verstrickt waren. Belgien entschuldigte sich beim kongolesischen Staat, juristische Konsequenzen hatte die Untersuchung bisher nicht. 

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung


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