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SENDETERMIN Do, 21.2.2019 | 22:03 Uhr | SWR2

SWR2 Hörspiel-Studio Zum Leuchtturm - Teil 3: Der Leuchtturm

Nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf - Aus dem Englischen von Gaby Hartel

Dieses Hörspiel steht für ein Jahr zum Nachhören bereit.

Godrevy Leuchtturm Cornwall, England

Im letzten Teil von Virginia Woolfs Roman, der in der Virtuosität der modernen Erzähltechnik als ihr vollkommenster Roman gilt, kehrt die Familie Ramsays nach 10 Jahren kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges in das alte Landhaus zurück.

Die lange verschobene Fahrt zum Leuchtturm wird nachgeholt. Dabei erkennen die jungen Mitglieder der Familie, dass es wichtiger ist, ihren eigenen künstlerischen Visionen zu folgen als irgendeinem Generationenvermächtnis gerecht zu werden.

Die Figuren und ihre Wahrnehmungen

Am Anfang steht die Frage des kleinen James Ramsay, ob die für den nächsten Tag geplante Segeltour zum Leuchtturm stattfinden wird. Das Wetter verhindert den Ausflug. Zehn Jahre vergehen bis zur Erfüllung seines Kindheitstraums, womit der Roman endet. Anhand der Erlebnisse der Familie Ramsay und einiger Freunde in einem schottischen Ferienhaus verschachtelt Woolf die Gleichzeitigkeit und Unordnung von unmittelbar erfahrenem und reflektiertem Leben. Sie kontrastiert einen auf die Menschen gerichteten Blickcluster mit der vom menschlichen Schicksal ungerührt fortschreitenden Zeit, in der Kriege und menschliche Tragödien nur winzige, unwichtige Episoden darstellen.

Akustische Umsetzung

Diese Perspektive ist akustisch markiert vom Geräusch der am Strand sich brechenden Wellen, was gleichzeitig bedrohlich und beruhigend wirkt. Virginia Woolf wusste früh, dass dieser Roman vom Klang des Meeres unterlegt sein sollte.

Autobiografisch gefärbte Dualismen

Autobiografisch grundiert, verdichtet Woolf und kreist in ihrem Roman um die Gegensätze: männlich/weiblich, Leben/Tod, Kreativität (Malen, Schreiben, Reden)/steriler Egozentrismus, Vergänglichkeit des Augenblicks/Schaffen einer dauerhaften Erfahrung. Diese Dualismen bettet Woolf in die drei Teile ihres Romans ein, von denen der erste an einem Nachmittag und Abend spielt, der zweite zehn Jahre umfasst, in denen fast ausschließlich das Haus Protagonist der Erzählung ist, und der dritte einen langen Vormittag darstellt.

Verschränkung und Verdichtung

Mehr noch als in Woolfs Romanen "Mrs. Dalloway" und "Jacobs Zimmer", findet sich in "To the Lighthouse", erschienen 1927, die Verschränkung und Verdichtung von Zeit-, Gefühls- und Erlebnisebenen. Zugleich wird er von Natur- und Alltagsgeräuschen getragen, von Gesprächsfetzen oder erinnerten Stimmen. Im Hörspiel gewinnen sie einen konkreten wie zugleich verzaubernden Spiegelungshintergrund.

Virginia Woolf (1882 – 1941), geboren in London. Ihr Leben lang litt sie unter wiederkehrenden Depressionen. 1912 Heirat mit dem Journalisten und politischen Schriftsteller Leonard Woolf. 1913 erster Selbstmordversuch. 1915 Romandebüt mit "The Voyage Out" (Dt.: "Die Fahrt hinaus"). 1917 Gründung des Verlags Hogarth Press gemeinsam mit ihrem Mann, der sich auf moderne Literatur aus England, den USA und Russland spezialisierte. 1919 Erwerb von Monk’s House in Rodmell (Sussex), das eines der Zentren der Künstler und Literaten der Bloomsbury Group wurde. Zahlreiche Veröffentlichungen von Erzählungen, Romanen und Essays, Ende der 1920er-Jahre ist sie eine erfolgreiche und international anerkannte Schriftstellerin. Am 28. März 1941 beging sie Suizid.

Mit: Zoe Hutmacher, Wiebke Puls, Krista Posch, Walter Hess, Shenja Lacher u. a.
Hörspielbearbeitung: Gaby Hartel
Komposition: Ulrike Haage
Regie: Katja Langenbach
(Produktion: BR 2016)

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