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SENDETERMIN Mi, 30.11.2016 | 22:03 Uhr | SWR2

SWR2 Feature "Ankommer"

Social Startups wollen Flüchtlinge in Arbeit bringen

Flüchtlinge für die Gastronomie ausbilden, ihnen per Online-Kurs das Programmieren beibringen oder geflüchtete Näherinnen einstellen. Mit diesen Ideen bewarben sich 2015 "Social Startups" beim ersten "Ankommer-Programm" der KfW-Stiftung und der "Social Impact gGmbH". Christine Werner hat einige der Startups bei ihren ersten Schritten begleitet.

Acht Monate lang wurden Refugee Canteen, CodeDoor, Stitch by Stitch und elf weitere Projekte unterstützt. Business-Pläne waren plötzlich gefragt, es kam auf den "Impactfaktor" an und auf die "Skalierbarkeit" des zukünftigen Unternehmens. Wie lief der Start? Wie sozial können Unternehmen sein, die sich dem freien Markt stellen müssen? Und wie kann die Arbeit mit Flüchtlingen gelingen?

Preisverleihung: Drei "Social Startups" mit jeweils 20.000 Euro gefördert

Am 9. Juni überreichte Sigmar Gabriel die Stipendien in Höhe von jeweils 20.000 Euro Startgeld an drei Leuchtturmprojekte des "Ankommer"-Programms. Neben "Stitch by Stitch", einer Schneiderwerkstatt für geflüchtete Frauen und der "Refugee Law Clinic", einer Arbeitsrechtsberatung und Ausbildung für Flüchtlinge, gehört das Projekt "CodeDoor" zu den den Gewinnern eines "Ankommer"-Sipendiums.

Nicolas Ritouet und Karan Dehghani vom Projekt "CodeDoor"

Nicolas Ritouet und Karan Dehghani vom Projekt "CodeDoor"

Das Startup "CodeDoor" im Portrait

"CodeDoor" lehrt Geflüchteten in Frankfurt und Berlin das Programmieren. Ziel ist es, die Flüchtlinge in einen Beruf mit großer Reputation zu vermittelt, in dem seit Jahren ein erheblicher Fachkräftemangel besteht.

Ehrenamtliche Schulungen auf flott gemachten Laptops

Angefangen hat "CodeDoor" mit Liban, einem jungen Flüchtling aus Somalia. Die Initiatoren Karan Dehghani und Nicolas Ritouet haben ihm die Programmiersprache PHP beigebracht, mit der Websites gebaut werden. Andere Flüchtlinge kamen dazu. Inzwischen gibt es drei Kurse, die von Tutoren ehrenamtlich betreut werden. Das Team macht gespendete Laptops wieder flott, stellt die Trainings-Software und gut 25 ehrenamtliche Tutoren, die bei Fragen helfen. "CodeDoor" wird im Moment komplett von Freiwilligen aufgebaut, die alle kostenlos arbeiten. Und das wäre ohne diese Freiwilligen gar nicht möglich gewesen, betont Karan Dehghani.

Kooperation mit Programmier-Schule aus dem Silicon Valley

"CodeDoor" konnte das online-Bildungsportal "Udacity" aus dem Silicon Valley als Partner gewinnen. Die Programmier-Kurse kosten dort normalerweise 200 Dollar. Über "CodeDoor" können Flüchtlinge an den online-Kursen kostenlos teilnehmen, eine Arbeits- oder Ausbildungsgenehmigung brauchen sie nicht. Zweimal die Woche gibt es Termine, an denen die Ehrenamtlichen Fragen beantworten.

Programmier-Unterricht in den Räumen des Social Startup "Code Door"

Programmier-Unterricht in den Räumen des Social Startup "Code Door"

Persönliche Betreuung ist ebenso wichtig wie Fachkenntnisse

Jussuf, Hamid, Abduhl und Achmed kommen zum ersten Mal zu "CodeDoor". Sie wollen Programmieren lernen. Gurdip Mudhar setzt sich zu ihnen, fragt nach Sprachkenntnissen, ihren Vorstellungen, erklärt das Kurssystem. Gurdip ist bei "CodeDoor" eingestiegen. Sie sind jetzt zu fünft im Management-Team, ehrenamtlich, ihr Geld verdienen sie alle woanders. Aber um das Start-up voranzubringen muss es wachsen.

Mit der Zeit bemerkten die Initiatoren, dass die "Coding-School" mehr anbieten muss als die reine Vermittlung der Programmiersprachen. Es geht auch um sozialen Austausch, darum "dass man sich mal zusammensetzt, sich kennenlernt, einen Tee zusammen trinkt".

Social Startup "CodeDoor"

Programmier-Unterricht in den Räumen des Social Startup "Code Door"

Erste Kursteilnehmer haben Arbeit gefunden

Drei Kursteilnehmer haben inzwischen eine Arbeit, zwei als Programmierer. Liban, der erste Teilnehmer, arbeitet als Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit. Sie haben sich die Jobs selbst organisiert, sagt Karan Dehghani. Ihre Fortbildung bei "CodeDoor" habe aber eine große Rolle in den Bewerbungsgesprächen gespielt. Und weil Programmierer gefragt sind, wurde Karan Dehghani von externen Finanz- und Unternehmensberatern schon gedrängt, von seinen Teilnehmern doch eine Gebühr zu verlangen:

" … was uns immer wieder empfohlen worden ist: Verlangt doch von den Teilnehmern einen Kredit, (…) oder: verlangt 30 Prozent des Bruttoverdienstes später, wenn die mal arbeiten, für drei, vier Jahre dann habt ihr euer Geld auch wieder raus. Und das sind natürlich Fragen, die nach unserer Meinung ethisch nicht vertretbar sind. Also auch in einem ganz kleinen Bereich in dem wir gerade arbeiten, wird man vor Entscheidungen gestellt, die auch unethisch sein können. Unsere Teilnehmer zahlen nix, klar. Karan Dehghani, "CodeDoor"


Programmier-Unterricht in den Räumen des Social Startup "Code Door"

Programmier-Unterricht in den Räumen des Social Startup "Code Door"

Kooperation mit Schulen und Bildungsträgern in Planung

In Zukunft sollen aber auch Programmierer gezielt für die Bedürfnisse von Unternehmen ausbildete werden. Die Firmen sollen dafür eine Gebühr von 4.500 Euro zahlen. Und das Programm soll ausgeweitet werden, auf Menschen und Jugendliche aus sozial schwachen Schichten. Kooperationen mit Schulen sind angedacht. Dieser Teil von "CodeDoor" wird immer eine gemeinnützige GmbH bleiben, mit kostenlosen Kursen, nicht auf Profit ausgelegt.

Es gibt aber auch immer mehr Anfragen nach kommerziellen Programmierkursen. Deshalb könnte parallel eine gewinnorientierte Programmierschule entstehen, die Kurs-Gebühren verlangt, sagt Dehghani. Soweit sind sie aber noch nicht.

Perspektiven für Rückkehrer erträumt

Im Moment denken Dehghani und sein Team eher an internationale Kooperationen und an mögliche Rückkehrer: "Was wir uns im Idealfall wünschen, da haben wir die letzten Tage viel darüber gesprochen, wie können wir den Menschen dabei helfen ihre Fähigkeiten für das Heimatland zu verwenden. (…) Und zu schauen, wenn vielleicht Syrien wieder befriedet wird, wie kann ich denn da unten was machen."

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