Erdöl läuft aus einem gelben Fass (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

SWR2 Wissen: Radio Akademie Ressourcen teilen

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Aus der 12-teiligen Reihe: "Die teilende Gesellschaft" (6)

Heute ist fast alles zur Ressource geworden: Rohstoff, Ackerland, Sonnenschein, Wind und Menschen, insbesondere berufliche und private Kontakte – vormals Arbeitskollegen, Freunde und Verwandte – Geld, Ideen, Wissen, persönliche Kompetenzen und allgemeinere Soft Skills, vormals Charaktereigenschaften. Ressourcen werden ausgewertet. Heute fragt jeder: Was steckt drin? Welche Möglichkeiten, Geld zu machen?

Dauer

Wenn sich Erzeuger und Händler nicht direkt an einen Tisch setzen, schaltet sich eine Börse dazwischen. Die London Metal Exchange ist der weltgrößte Handelsplatz für Industriemetalle. An der New Yorker Mercantile Exchange handelt man auch mit Metallen, daneben noch mit anderen Ressourcen wie Energieprodukten und Agrarrohstoffen.

Handel mit Rohstoffen: New York Mercantile Exchange (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Handel mit Metallen: New York Mercantile Exchange picture-alliance / dpa -

Mit Schweinebäuchen, Kupfer, Wolle, Zucker, Rindern, Aktienindizes, Zinn, Aluminium und Holz handelt man an der Chicago Mercantile Exchange. Rohstoffe in Deutschland handelt man beispielsweise über die Frankfurter Börse. Elektrische Energie kauft und verkauft man an der Strombörse in Leipzig. Human Ressources, also Arbeitnehmer, finden auf diversen, dezentralen Jobbörsen ihre Abnehmer.

Oder es schalten wieder Händler dazwischen, Headhunter genannt. Wissen gibt es in diversen Wissensbörsen im Internet, oft kostenlos, aber leider oft von minderer Qualität. Für Grundwissen, Softskills und Social Networking sorgen die richtigen Kindergärten und Schulen, später Universitäten und Golfclubs.

Human Resources (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Human Resources: College-Studenten auf einer Jobbörse in China picture-alliance / dpa -

Der "freie" Markt

Bis auf die Job- und Wissensbörsen kann man an den anderen Handelsplätzen ganz ähnlich schachern. Mit Versprechen und Kaufrechten, Futures und Optionen, oder Cash gegen Ware. Und so, muss man sagen, verteilen sich die meisten Ressourcen auf der Welt. Man kauft und verkauft sie. Oder man spekuliert mit ihnen.

Kauft sich Rechte auf Ressourcen, oder geht Verpflichtungen ein, sie zu liefern oder abzunehmen. Die meisten der börsengehandelten Ressourcen unterliegen dabei dem Gesetz des freien Marktes. Den Regeln von Angebot und Nachfrage. Derjenige, der am wenigsten verlangt, verkauft sie. Derjenige, der am meisten bietet, kriegt sie, wird ihr Eigentümer und kann dann nach Gutdünken über sie verfügen.

Metallarbeiter in Indien (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Metallarbeiter in Indien picture-alliance / dpa -

Wie geht der freie Markt, in den Augen neoliberaler Ökonomen der Idealtypus einer gerechten Verteilmaschine, mit der Endlichkeit der Rohstoffe um? Ganz einfach.

Er ignoriert sie

Also muss man neue, tiefere Bergwerke graben. Weil man aus geophysikalischen Gründen ausreichend Metalle nur in großen Tiefen findet. Doch je tiefer die Unternehmen graben, desto energieintensiver und kostspieliger wird der Bergbau.

Die 2016 tiefste Mine der Welt, Mponeng – zu Deutsch: "Schau mich an" – liegt einige Zig Kilometer vor Johannisburg, Südafrika. Eine Goldmine. Bis zu 4.000 Meter graben sich hier die Bergleute dem Edelmetall hinterher und fördern etwa neun Gramm pro Tonne Gestein.

Tiefste Mine der Welt (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Ein Bergmann in der tiefsten Mine der Welt picture-alliance / dpa -

Die Luft dort unten wäre 55 Grad Celsius warm, 60 Grad das Gestein, bei 95 Prozent Luftfeuchtigkeit. Aufwändige Kühl- und Bewetterungsmaßnahmen drücken das Klima auf erträgliche 30 Grad herunter, aber den Stromverbrauch hoch. Die Mine hat eine Stromrechnung von ganz Karlsruhe und Reutlingen zusammen. Die Betreibergesellschaft plant, in den nächsten Jahren noch weitere 1000 Meter tiefer zu graben.

Endlichkeit der Rohstoffe

Die tiefste Zink-Kupfermine der Welt liegt in Ontario, Kanada. 1966 als Tagebau gestartet, reicht sie heute knapp 3.000 Meter tief. Mit jeder Tonne Gestein fördern die Bergleute hier etwa 20 Kilogramm Kupfer und 60 Kilogramm Zink. Allein für die Belüftung der Stollen erhält die Betreiberfirma Stromrechnungen von über 12 Millionen kanadischen Dollar.

Wie sieht es also mit der Endlichkeit der Rohstoffe für Energie aus? Zum Beispiel Erdöl, das in Kraftwerken verbrannt und zu elektrischem Strom verwandelt wird? Wird auch das der freie Markt richten?

Braunkohleabbau in Brandenburg (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Braunkohleabbau in Brandenburg: Wie endlich sind unsere Rohstoffe? picture-alliance / dpa -

Bis 2005 entdeckte man immer neue Ölvorkommen. Seit 2007 nimmt die Menge leicht zu erreichenden Öls ab. Kompliziertere Fördermethoden rechnen sich bei entsprechend hohen Ölpreisen. Zum einen die Förderung aus kanadischen Ölsanden. Zum anderen das Fracking, das Aufsprengen des Bodens durch Hochdruck.

Risiken von Ressourcenwirtschaft

Doch Fracking ist eine umstrittene Technologie. Es kann andere, lebenswichtige Ressourcen zerstören. Die Grundwasserreserven. Und die Atmosphäre. Wie alle anderen fossilen Energieträger befeuert auch das verbrannte Erdöl den Treibhauseffekt. Und Drittens kommt eine gesellschaftspolitische Komponente hinzu.

Staaten, die wesentlich vom Export eines einzigen Rohstoffs leben – Erdöl aus Libyen und Venezuela, Erdgas aus Russland – tragen ein ganz besonderes Risiko: Bricht dieser Export zusammen, kommt es auch zu sozialen Unruhen, konstatierte der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung in einem Gutachten.

Ölförderung in Pennsylvania (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Ölförderung in Pennsylvania: Hier wird "Fracking" betrieben. picture-alliance / dpa -

Eine neue Erscheinung der modernen Wirtschaft, der Konsument, der gleichzeitig auch produziert, nennt man Prosument. Eine Alternative für Ressourcen wie Energie und Wissen, weil hier Privatleute das Know-how und die technischen Möglichkeiten haben zu gestalten. Im Bereich Rohstoffe, oder allgemeiner, Wertstoffe und Chemikalien hingegen sieht es anders aus.

Transformation der Gesellschaft?

Hier bräuchte es hoch entwickelte Technologien, das eigene Handy, den eigenen Kühlschrank zu recyceln und neu zu bauen. Trotzdem auch hier die Frage: Wie kann die große Transformation der Gesellschaft aussehen? Welche Ressourcen brauchen wir, welche sind nachhaltig, mit welchen müssen wir vorsichtig sein?

Stichwort: Effektivität. 2016 ruft die Bundesregierung ein Forschungsprojekt ins Leben, wirtschaftliches Wachstum vom Ressourceneinsatz zu entkoppeln. Dass nicht jede Produktionssteigerung mit mehr verbrauchten Rohstoffen einhergeht.

Ein neuer, ein verantwortungsbewusster und effizienter Umgang mit Ressourcen muss her. Erreicht man ihn tatsächlich dadurch, dass Computer- und Handyhersteller die Altgeräte recyceln müssen, statt dass sie über die kommunale Müllabfuhr in den Ofen wandern?

Recycling von Elektroschrott (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Recycling von Elektroschrott in Rheinland-Pfalz picture-alliance / dpa -

Wie müssten die Hersteller ihre Geräte umbauen, dass sie die 60 verschiedenen chemischen Elemente zurückgewinnen, die sie vorher hineingearbeitet haben? Und vor allem: Was würde es daran ändern, dass es der freie, ungezügelte Markt ist, der die Rohstoffe verteilt?

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