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SWR2 Kulturgespräch 31.5.2012 „Ein Wunsch bleibt immer übrig“

Kasper König, der scheidende Direktor des Museum Ludwig in Köln, zeigt in seiner letzten Ausstellung ein Resümee seiner Sammleraktivitäten

Die erste Ausstellung des damals neuen Direktors des Museum Ludwig, Kasper König, hieß „Museum unserer Wünsche“. Ausgestellt wurden Bilder und Kunstwerke, die man gerne gehabt hätte, sich aber nicht leisten konnte. Und es fanden sich tatsächlich über die Jahre jede Menge spendable Sponsoren. Zum Ende seiner Amtszeit zeigt König das, was er in diesen zwölf Jahren an erfüllten Wünschen angesammelt hat.

„Ein Wunsch bleibt immer übrig“, heißt die Schau, Herr König, wie ist das, haben Sie einen Überblick, wie viele Bilder beziehungsweise Kunstwerke hat das Museum denn geschenkt bekommen, in dieser Zeit?

Das ist nicht so einfach zu beantworten, weil es sich entweder um ganz komplexe Werkgruppen handelt, und die haben dann zum Teil eigene Inventarnummern, oder aber es sind Einzelwerke. Ich würde mal sagen, so die einzelnen Werke und auch Teile von Gruppen, etwa 2.000.

Viele davon sind natürlich auch mit eigenen Mitteln erworben worden, die dann aufgebessert wurden durch eben die Verabredung mit dem Kämmerer der Stadt Köln oder mit verschiedensten Freundeskreisen, anderen Stiftungen, die sich mit einem Drittel beteiligt haben und so weiter.

Kommen wir mal noch auf die Sponsoren zurück. Bei Stiftungen fürs Museum läuft es ja meistens so, dass ein wohlhabender Sponsor etwas kauft, das er gut findet, und es dann einem Museum überlässt. Sie haben jetzt sozusagen mit Ihrer Methode raffiniert den, vielleicht manchmal auch zweifelhaften Sponsorengeschmack umkurvt.

Hat das auch manche abgeschreckt, die gesagt haben: „Ich lasse mir doch nicht vom König vorschreiben was ich gut finden soll“.

Na ja, wir haben ja eine Stiftung gegründet, eine richtige echte Stiftung, die heißt „Kunststiftung im Museum Ludwig“, um Leuten, die sehr viel Geld haben und die kunstinteressiert sind, die Möglichkeit zu geben das eine mit dem anderen zu kombinieren, nämlich etwas zu stiften, wo sie dann die Hälfte dieses evaluierten Eigentums, bis zu zwei Millionen für Ehepaare, in einem Zeitraum von zehn Jahren, können sie davon die Hälfte an der Steuer vorbei abschreiben.

Das war zum Beispiel Sigmar Polkes gesamte Grafik, die ist vom Ehepaar Reininghaus dem Museum gestiftet worden. Und das ist, sozusagen neudeutsch gesprochen, eine Win-Win-Situation. Die profitieren davon, sie schreiben sich in die Geschichte des Hauses ein und haben eben eine tolle Leistung zusammengebracht, nämlich die Dinge zu sammeln und wirklich mit Gewissenhaftigkeit zusammenzutragen. Und auf der anderen Seite haben sie also die Genugtuung, dass ein Teil des Geldes, was sie sonst der Steuer geben müssten, das der Öffentlichkeit zugutekommen zu lassen und selber darüber zu befinden.

Aber wir müssen immer in Vorlage treten und wenn es Menschen gibt, die sagen: „Wir sind gerne bereit dies oder jenes zu stiften“, was dann aber für uns gar nicht so attraktiv ist, dann kann das auch sehr verletzend sein. Man muss immer ein Schritt voraus sein und die Begeisterung muss irgendwie überspringen.

Nun ist das Museum Ludwig eine große Hausnummer in der Museenlandschaft, fast hätte ich gesagt eine Legende. Da finden sich vermutlich immer wieder Unterstützer und Sponsoren, die sich mit dem Haus auch sehr identifizieren.

Aber glauben Sie, das Modell könnte auch bei kleineren, bei weniger prominenten Museen funktionieren?

Wir haben ja seit 25 Jahren die Gesellschaft moderner Kunst am Museum Ludwig. Und das ist eine tolle Definition „am“ Museum Ludwig. Das  ist damals gegründet worden von sehr kunstengagierten Bürgern, sehr liberal eingestellten Leuten, um das Übergewicht oder das vermeintliche Übergewicht der großen Geberfiguren Ludwig sozusagen zu relativieren.

Also um dieses bürgerschaftliche Engagement noch mal dialektisch sozusagen dem entgegenzustellen oder in Kombination mit diesem großzügigem Angebot etwas zu stiften zu aktivieren.

Ich finde, es ist immer sehr wichtig, das Museum gehört sozusagen allen und keinem, und es gibt natürlich sehr verschiedenartige Museen. Die großen Museen in Deutschland sind eigentlich alle höfischen Ursprungs: Dresden, Berlin, München und so weiter. Und insofern ist es wichtig, wenn es private Leute gibt, die wirklich Ahnung haben und sich dann sozusagen, wie die Ludwigs das getan haben, einbringen, prägt das eine Sammlung sehr stark. Aber das ist eben nur ein Aspekt.

Und wir hatten die Möglichkeit dem andere Positionen entgegenzusetzen, vielleicht mehr auf der Geschichte von Ideen und nicht so sehr was in der Kunstgeschichte und im Kunsthandel als besonders dominant sozusagen wahrgenommen wird, sondern was vielleicht eine Herausforderung darstellen kann, vom Intellektuellen und Spirituellen sozusagen ebenbürtig ist, aber nicht diesem absoluten Zeitgeschmack vielleicht entspricht. Das macht die Sache lebendig, deswegen ist das „Museum unserer Wünsche“ nicht nur alles was gut und teuer ist, sondern alles was gut und herausfordernd ist und vielleicht auch einen gewissen Widerstand bietet, der andere Dinge, die ja für erfolgreich gehalten werden und im Markt auch als solche sozusagen bestätigt werden, auch eine Herausforderung darstellen.

„Ein Wunsch bleibt immer übrig.“ Was ist denn übrig geblieben? Was haben Sie denn nicht gekriegt, hätten es aber gerne gehabt?

Na ja, das ist eigentlich mehr ein bewusster Kalauer, weil die Vorstellung, wenn alle Wünsche in Erfüllung gehen würden, das ist ein Alptraum, das ist furchtbar.

Und insofern geht es natürlich bei der Kunst auch immer sozusagen um das Quantitative im Bezug zum Qualitativen. Was wird eingeschlossen, was ist ausgeschlossen? Und das kann man nur spielerisch sozusagen machen, immer wieder gemessen an der Produktion von Kunst und der Herausforderung die Kunst darstellt, für Leute, die Kunst machen, die es noch nicht gibt.

So, auch das ist ein Spiel. Deswegen ist es wichtig zu sagen, das fängt an, die Ausstellung, mit einem großen Bild vom Andreas Schulze, da steht drauf, das ist ein Bilderrebus: „Ich kaufe nichts“, also sozusagen die Konsumverweigerung.

Und das ist natürlich sehr wichtig einerseits, das Begehren, aber auch sozusagen sich dem Begehren zu entziehen.

Also es ist fast eine erotische Beziehung zu den Dingen. Aber man kann sich nicht dem sozusagen total einfach nur hingeben, sondern es ist auch ein Spiel, von Wunsch und von Begehren und von Verbergen.

Das SWR2 Kulturgespräch mit Kasper König, dem scheidende Direktor des Museum Ludwig in Köln, führte Katharina Eickhoff um 7.45 Uhr.

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