Klimawandel (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

SWR2 Wissen Klimapolitik in den USA

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Der Papst gegen die Konservativen

Ausgerechnet ein Auto wurde zum Symbol für den grünen Papst in Washington. Mit einem kleinen Fiat 500 kurvte Franziskus bei seinem Besuch im September durch die amerikanische Hauptstadt. Der Papst musste also gar kein Wort sagen, deutlicher konnte er den Energieverschwendern nicht zeigen: Ihr seid auf dem Holzweg. Die Konservativen im Land hat er damit in eine unangenehme Situation gebracht. Sein Besuch wurde als Versuch gewertet, einen Stimmungswechsel im Land zu forcieren. Dafür spricht der Zeitpunkt, wenige Wochen vor dem bevorstehenden Klimagipfel in Paris und ein Jahr vor den nächsten Präsidentschaftswahlen.

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Die Konservativen und die katholische Kirche

Egal wo Papst Franziskus in Washington auftrat, der Klimawandel war immer Gesprächsthema, ob vor amerikanischen Bischöfen oder vor den Abgeordneten im Kongress. Doch die Konservativen in den USA wollten von diesem Thema nichts hören und nicht darüber reden. Einige hatten zuvor angekündigt, die Rede des Papstes zu boykottieren. Wenn es um andere Themen geht, berufen sich die Konservativen in den USA gerne auf die katholische Lehre. Bei der Homoehe zum Beispiel, bei der Abtreibung oder auch der Evolution ist der Papst ein beliebter Partner. Doch seine klare Position zum Klimawandel treibt einen Keil zwischen ihn und die Konservativen. Das ist für diese besonders ärgerlich, da der Kampf um das Weiße Haus schon entbrannt ist und das Klima in diesem Wahlkampf eine große Rolle spielen wird.

Papst Franziskus winkt den Leuten vom Balkon aus zu (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Nach seiner Rede im US-Kongress in Washington D.C. am 24.09.2015, in der es auch um den Klimawandel ging, winkt Papst Franziskus vom Balkon den Leuten zu. picture-alliance / dpa -

Amerikanische Bischöfe wollen keine klare Position beziehen

Aber auch die amerikanischen Bischöfe folgen ihrem Papst nur sehr zögerlich. 2001 hatten sie sich in einem Papier dafür ausgesprochen, die Erde, die von Gott erschaffen wurde, zu schützen und zu bewahren. Doch sie sagten damals auch ausdrücklich, dass sie weder Wissenschaftler seien, noch in eine politische Diskussion hineingezogen werden oder für irgendein Abkommen streiten wollten. An dieser Haltung hat sich auch mit dem neuen Papst nichts Wesentliches geändert. Manche Bischöfe fürchten schon, sie müssten mit Umweltaktivisten auf die Straße ziehen. Als sie ihre Schwerpunkte für die kommenden Jahre festlegten, war der Klimaschutz jedenfalls nicht dabei.

Dürre Landschaft in Kalifornien (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Der Klimawandel lässt sich auch in den USA nicht leugnen. Bestes Beispiel ist die anhaltende Dürre in Kalifornien. picture-alliance / dpa -

Warum die Konservativen etwas gegen den Klimaschutz haben

Die Frage ist schon, warum gerade der Klimaschutz solch einen Unmut bei den konservativen Politikern in den USA hervorruft. Dafür gibt es drei Gründe:

  1. Es ist ein Obama-Thema. Der Präsident hat besonders in seiner zweiten Amtszeit den Klimawandel zu seiner obersten Priorität gemacht.
  2. Viele Republikaner sehen Umweltauflagen als Angriff auf die freie Marktwirtschaft, die Geld und Jobs kosten.
  3. Es herrscht eine völlige Ignoranz gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Kondensstreifen am Himmel (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Umweltschutz ist in den USA überwiegend als linkes Thema besetzt. Hat das vielleicht auch mit dem ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore zu tun, der mit seinem Film "Die unbequeme Wahrheit" bereits vor zehn Jahren vor der Erderwärmung gewarnt hat? picture-alliance / dpa -

Das Heartland Institut in Chicago oder die Vorzüge der Klimaerwärmung

Das Heartland Institut in Chicago bezeichnet sich als Denkfabrik, die marktwirtschaftliche Lösungen für soziale und ökonomische Probleme anbietet. Seit über 30 Jahren beschäftigen sich die Experten dort mit dem Klimawandel. James Taylor, der stellvertretende Institutsleiter, sagt zur aktuellen Klimadebatte:

Es wird schwer sein, die Menschen in South Carolina davon zu überzeugen, dass die derzeitige Wetterlage gut für sie ist. Sie ertrinken gerade in einer Jahrtausendflut. Auf der anderen Seite leiden Farmer in Kalifornien unter der anhaltenden Dürre. Wie kann man all diese Tatsachen ignorieren? "Die Klima-Krise ist vorbei", schreibt das Heartland-Institut auf seiner Internetseite. Die Zukunft wird nicht so warm wie vorhergesagt, und Kohlendioxid sei gar nicht in dem Ausmaß für schmelzende Pole verantwortlich. Und selbst wenn es auf der Welt wärmer wird, habe der Mensch und seine Abgase daran nur einen verschwindend kleinen Anteil. Alle, die anderes behaupten, wollen damit nur ihre linke Politik durchsetzen, so die Klimaskeptiker. Eine weltweite Klimaverschwörung also, um der Wirtschaft zu schaden, unnötige Vorschriften zu erlassen und den Einfluss der Politik auszudehnen.

Schmelzender Eisblock (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Der Klimawandel als Verschwörungstheorie der Linken - das behaupten einige konservative Gruppierungen in den USA. picture-alliance / dpa -

Der Klimawandel im Wahlkampf - Ökologie versus Ökonomie

Republikaner nehmen diese Argumentation - strengere Umweltauflagen zerstören die Wirtschaft - so dankbar auf wie einen Segen. Ihre Gegenkandidatin wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Hillary Clinton heißen und sie wird ihnen das Thema Klimawandel reindrücken, ob sie es wollen oder nicht. Damit wird die Debatte wieder auferstehen, die längst als beerdigt galt. Ökologie oder Ökonomie, für die hardcore Konservativen in den USA ist das nach wie vor ein "entweder-oder" - kein "sowohl als auch". Für die Demokraten ist der Klimawandel ein perfektes Wahlkampfthema. Es befriedigt die eigenen Wähler, es spricht sogar diejenigen an, die vielleicht keine Parteianhänger sind, aber unter den Folgen des Klimawandels leiden. Und es spricht junge Wähler an, Hillary Clinton kann auf die Errungenschaften von Präsident Obama verweisen und versprechen, dass sie beim Thema Klima seine Haltung beibehält. Viel schwieriger ist die Situation für die republikanischen Bewerber. Für Jeb Bush zum Beispiel:

Ist das nicht ein Widerspruch? Sagen nicht die religiösen Republikaner, man soll das Thema den Wissenschaftlern überlassen und eben nicht dem Papst?

Die Abteilung 'Klima' in der katholischen Kirche

Lonnie Ellis leitet die Gruppe "Catholic Climate Covenant" in Washington. Seines Wissens nach die einzige Abteilung in der katholischen Kirche, die sich ausschließlich mit dem Klima beschäftigt. Er sieht durchaus einen moralischen Aspekt in der Verschwendung von Ressourcen:

Seit neun Jahren gibt es den Catholic Climate Covenant nun schon. Ellis und sein Team wollen, dass das Thema in den Predigten angesprochen wird, dass die Menschen wissen, dass es auch in der katholischen Kirche Menschen gibt, die sich für den Klimaschutz erwärmen.

Klimapolitik in den USA Obamas Erfolge und Misserfolge in der Klimapolitik

Barack Obama (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Obama ist es während seiner Amtszeit gelungen, einige wichtige klimapolitische Ziele durchzusetzen. picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Beispielsweise hat Obama den Autoherstellern verordnet, den Spritverbrauch deutlich zu senken. US-Autos müssen in ein paar Jahren sogar weniger verbrauchen als die jeweiligen europäischen Varianten. Foto: Colourbox.de - Bild in Detailansicht öffnen

Und was kommt nach der Wahl?

Der Klimawandel wird im kommenden Wahlkampf auf jeden Fall eine Rolle spielen. Was passiert, sollte tatsächlich ein Republikaner die nächste Wahl gewinnen? Wird er dann im Ernst die nationale Umweltbehörde schließen, Verbrauchswerte wieder hoch setzen, so dass selbst VW darunter durchfahren kann? Schwer vorstellbar. Das Zugpferd Donald Trump hat schon verkündet, er findet Klimaschutz gar nicht so wichtig, mit anderen Worten, er würde einfach gar nichts machen. Nach dem Besuch des Papstes in den USA sagte er im Fernsehen:

Der grüne Papst ist beliebt

Dem Papst hat jedenfalls seine klare Haltung zumindest beim Umweltschutz nicht geschadet. Nach einer Umfrage vom Oktober 2015 sagen 68 Prozent der US-Amerikaner, sie finden den Papst gut. Im Sommer waren es etwas weniger. Er hat aber vor allem bei den Linken und Liberalen aufgeholt. Bei seinen Anhängern, den Katholiken hat er aber an Sympathien eingebüßt.

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