SWR2 Musikstunde Kleine Geschichte der mechanischen Musikautomaten (1)

Mit Thomas Rübenacker

Roboter spielen in unserem Leben eine immer größere Rolle. In Kliniken überwachen sie operative Vorgänge, die Autofertigung sowieso. In Japan entdeckt man sie als Gefährten des Alters, komplett mit Sprachmodulen zum Antworten. In der Musik aber gibt es sie schon seit der Antike: Heron von Alexandria beschreibt in seiner Schrift "Automata" auch mechanische Musikautomaten. Da war es gar nicht mehr so weit: Über die Glockenspiele des Mittelalters hin zum "Großen Phonola-Orchestrion", einer Riesen-Kirmesorgel. Haydn und Mozart komponierten Originale für die Flötenuhr, Beethoven sein Schlachtengemälde "Wellingtons Sieg" für einen Automaten seines Freundes Mälzel. In dieser Woche erklingen immer wieder Abbild und Original - aber nicht immer ist "bigger" auch "better".

Mechanische Musikautomaten Wie von Zauberhand

Ein Mann betrachtet einen Flöten-Musikautomaten. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Patrick Seeger)
Der Flöten-Musikautomat von Hofuhrmacher Kleemayer aus dem Jahr 1782 ist eine kostbare mechanische Uhr, die zu vorgegebener Zeit Orgelmusik erzeugt, von einer Stiftwalze gesteuert. Einfache Flötenuhren wurden im Zeitraum 1770 bis 1850 in großen Stückzahlen im Schwarzwald hergestellt, der Ursprung der Flöte- oder Orgeluhr ist aber unbekannt. picture-alliance / dpa - Patrick Seeger Bild in Detailansicht öffnen
Die Kirmesorgel machte ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Jahrmarktbesuch erst richtig attraktiv. Ein riesenhaftes Exemplar der Gattung war das "Große Phonola-Orchestrion", das in Deutschland um 1900 auf den Markt kam. picture-alliance / dpa - Daniel Karmann Bild in Detailansicht öffnen
Weil sie nicht rechtzeitig fertig wurde, verpasste sie die Jungfernfahrt des Kreuzfahrtschiffs "Titanic": Die Philharmonie-Orgel der Freiburger Firma Welte mit Elektromotor und Papiernotenrolle sowie einem Gehäuse aus Mahagoniholz, um 1912. Zu hören im Deutschen Musikautomaten Museum, Schloss Bruchsal. picture-alliance / dpa - Ingo Senft-Werner Bild in Detailansicht öffnen
Der ehemals als "Weltwunder"-Geige bezeichnete übermannshohe und mehr als hundert Jahre alte selbstspielende Musikautomat "Violina" der Leipziger Firma Hupfeld besteht aus einem Klavier und drei Geigen. Leipzig war bis 1930 mit mehr als 100 Fabriken und Werkstätten Welthauptstadt für den Bau selbstspielender Instrumente. Das reichte vom Kurbelplattenspieler mit Blechplatten für den Hausgebrauch bis zu imposanteren Varianten für Kneipen und Kinos. picture-alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Der Clou der amerikanischen Jukebox "The Dancing Chicken" war ein lebendes Huhn, das über einen Plattenteller spazierte, um sich sein Futter zu holen. Der "Spaß" kostete 25 Cents. picture-alliance / dpa - Werner Baum Bild in Detailansicht öffnen
Die Attraktion der Schwarzwaldstadt Hornberg ist eine zehn Meter hohe Spieluhr im Stil einer Schwarzwälder Kuckucksuhr: Neben einem Kuckuck zeigt sie mehrere fast lebensgroße, handgeschnitzte Spielfiguren wie Glöckner, Schornsteinfeger oder Trachtenpaare, die sich zu jeder vollen Stunde drehen. picture-alliance / dpa - Patrick Seeger Bild in Detailansicht öffnen
Mit zwei riesigen Orgelwalzen wirbt die Orgelstadt Waldkirch im Landkreis Emmendingen. Jede der Walzen ist etwa 7,70 Meter lang und wiegt rund 52 Tonnen: Das ist offenbar Weltrekord. picture-alliance / dpa - Patrick Seeger Bild in Detailansicht öffnen

Musiktitel:

Emilia Giuliani:
Capriccio für Gitarre
Siegfried Schwab (Gitarre)
Ernest Gillet:
„Loin du bal“
Musikautomat
Leopold Mozart:
Salzburger Glockenspiel nach einer
Melodie von Leopold Mozart
Musikautomat
Giuseppe Verdi:
„Rigoletto“
Giuseppe di Stefano
Orchestro del Teatro alla Scala Milano
Leitung:  Tullio Serafin
Giuseppe Verdi:
„Rigoletto“
Klang von der Spieldose „Stella“
Arthur Freed/ Nacio Herb Brown:
„Singin' in the Rain“
Orchestrion „Helios“
Divers:
„Steigermarsch“
Orchestrion „Welt-Piano-X“
Franz von Blon:
„Blumengeflüster“
Phonoliszt-Violina
Nicolas Labègue:
„Les Cloches“
Divers
Gioacchino Rossini:
„Gazza ladra“-Ouvertüre
Spieluhr von Lecoultre
Frédèric Chopin:
Scherzo b-moll
Sergej Rachmaninow

 

 

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