Steht auf der Roten Liste: Die weibliche Crauschrecke (Foto: Universität Trier - Dr. Axel Hochkirch)

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Notizen über ein verfemtes Insekt

Von Claudia Heissenberg

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Heuschrecken sind heute ein Zeichen für ein intaktes Ökosystem. Und sie werden immer seltener. Mehr als die Hälfte der Heuschreckenarten in Deutschland sind vom Aussterben bedroht. Verantwortlich dafür ist der massive Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden sowie die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume.

Wanderheuschreckenschwärme sind eine gefürchtete Plage

Im Alten Testament sind gefräßige Heuschrecken-Schwärme eine der zehn Plagen, die über Ägypten hereinbrechen, weil der Pharao das Volk Israel nicht ziehen lassen will. Und die Wanderheuschrecken-Plage ist noch lange nicht Geschichte. Im Jahr 2004 fraßen 70 Kilometer lange Heuschreckenschwärme in Afrika zwischen drei und vier Millionen Hektar Land kahl. Sie wurden vom Nordpassat bis auf die Kanarischen Inseln geweht. In Mexiko fielen 2006 Heuschreckenschwärme über weite Landstriche her.

Heuschreckenplage in Mexiko 2006 (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de - colourbox)
Heuschreckenplage in Mexiko 2006 Foto: Colourbox.de - colourbox

Der Wandertrieb dieser Heuschrecken beruht auf Stress. Für gewöhnlich ist die Wanderheuschrecke ein Einzelgänger. Zu den riesigen Schwarmbildungen kommt es dann, wenn die einzeln lebenden Tiere ein reiches Nahrungsangebot vorfinden und sich massenhaft vermehren. Durch die ständige Berührung mit Artgenossen wird der Botenstoff Serotonin ausgeschüttet, der die Larven in einen Erregungszustand versetzt und ihr Aussehen und Verhalten verändert. Dann verwandeln sich die einzeln harmlosen Heuschrecken in einen zerstörerischen Schwarm.

Insekt Warzenbeißer (Foto: Foto: Walter Müller -)
Warzenbeißer Foto: Walter Müller -

Die Heuschrecke: Musiker und Sportskanone

Charakteristisch für Heuschrecken sind die kräftig ausgeprägten Sprungbeine, mit denen manche von ihnen aus dem Stand das 30-Fache ihrer Körperlänge überspringen können. Darüber hinaus sind sie richtig gute Sänger: Keine andere Insektengruppe beherrscht eine so große Fülle verschiedener Gesänge, mit denen die Männchen vor allem Weibchen anlocken. Die Laute erzeugen sie in der Regel durch Reiben ihrer Flügel oder Beine. Jede Art hat ihre eigene Melodie und einen individuellen Rhythmus. Wie der Name schon vermuten lässt, sind Heuschrecken überaus schreckhaft. Nähert man sich ihnen zu abrupt, verstummt ihr zirpender Gesang und sie hüpfen in kraftvollen Sätzen davon. Die kleinste deutsche Heuschrecke ist mit etwa nur 2 bis 3 Millimetern die Ameisengrille. Dagegen können Heupferde bis zu 5 Zentimeter lang werden.

Fressen und gefressen werden

Die meisten Heuschreckenarten bevorzugen gemischte Kost: Gräser, saftige Pflanzen, wie zum Beispiel Klee und Löwenzahn, dazu Insektenlarven, Raupen oder Blattläuse. Sie selbst sind für viele Vogelarten eine wichtige Nahrungsgrundlage. Bei Störchen, dem seltenen Neuntöter oder auch dem Wiedehopf stehen Heuschrecken weit oben auf der Speisekarte. Übrigens: Manche Heuschrecken, etwa die Warzenbeißer, können dem Feind im letzten Moment entkommen. Werden sie an einem ihrer Sprungbeine gepackt, können sie dieses dank einer Bruchstelle einfach abwerfen.

Heuschrecken profitieren vom Klimawandel

Heuschrecken, die ursprünglich nur im Mittelmeerraum angesiedelt waren, zum Beispiel die Südliche Eichenschrecke, haben sich inzwischen durch die wärmeren Sommer in nördlicheren Gefilden, auch nach Deutschland verirrt. Die weiten Wege legen diese Insekten, die sich meist nur hüpfend fortbewegen, auf Autos zurück. Andere Heuschrecken, etwa die Beißschrecke, entwickeln aus ihren relativ kurzen Flügeln lange Flügel und können somit weitere Strecken zurücklegen.

Grashüpfer sitzt auf Auto-Spiegel (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Grashüpfer fährt auf Autospiegel mit picture-alliance / dpa -
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