Asteroid im Weltraum. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

Gold aus dem Weltraum? Der amerikanische Traum vom Bergbau im All

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SWR2 Wissen. Von Jan Bösche

Für lange Zeit war das Science Fiction, eine Idee für Romane und Filme: Bergbau im All. Asteroiden, ferne Planeten, voll mit Gold und Edelmetallen; Weltraum-Cowboys, die auf gefährlichen Missionen diese Schätze bergen und zur Erde bringen.

Dauer

John Lewis hat eine lange Karriere in der Weltraum-Forschung hinter sich: Er ist emeritierter Professor an der Universität von Arizona, hat unter anderem am Massachusetts Institut of Technology gelehrt, zahlreiche Bücher geschrieben. Jetzt arbeitet er für "Deep Space Industries", eines der Unternehmen, die Bergbau im All betreiben wollen.

Nach Lewis‘ Berechnungen reichen allein die Asteroiden in der Nähe der Erde aus, um 10 Milliarden Menschen mit Rohstoffen zu versorgen – weit mehr, als die Erde könnte.

Der wilde Westen der Zukunft

Wenn man den Raum rund um die Erde verlässt – also am Mond vorbeifliegt und weiter in unser Sonnensystem, dann ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Denn die meisten bekannten Asteroiden bilden einen Gürtel zwischen Mars und Jupiter. Hier sieht Lewis, den "Wilden Westen der Zukunft":

Die Werbevideos von "Deep Space Industries" zeigen bereits das: Bergbau-Roboter, die an Asteroiden andocken, die Rohstoffe abbauen, verarbeiten, und gleich in großen 3D-Druckern zu Bauteilen machen, aus denen kreisrunde Raumstrukturen gebaut werden. Die neue Heimat der Menschheit: Eine Raumstation im Asteroidengürtel.

Kreisförmiges Besiedelungskonzept (Foto: Deep Space Industries -)
Kreisförmiges Besiedelungskonzept Deep Space Industries -



Natürlich haben die Forscher auch den Mond im Blick. Dort vermuten sie Helium-3, ein Gas, das auf der Erde selten ist. Helium-3 ist ein idealer Brennstoff für Kernreaktoren. Schätzungen gehen von einer Million Tonnen Helium-3 auf der Mondoberfläche aus. Nur 40 Tonnen würden ausreichen, um den Energiebedarf der USA für ein Jahr lang zu decken. Eine äußerst vielversprechende Energiequelle also.
Also, hinfliegen, landen, einsammeln, zurückbringen

Klingt einfach, ist aber ziemlich schwer. Im Jahr 2001 ist es zum ersten Mal gelungen, überhaupt auf einem Asteroiden zu landen. Die NASA-Sonde "NEAR Shoemaker" hatte den erdnahen Asteroiden 433 Eros ein Jahr lang umkreist, um Daten zu sammeln. Dann entschieden die Forscher, auf dem Asteroiden zu landen, von wo aus die Sonde zwei Wochen lang weiter Daten schickte.

2004 startete die europäische Raumfahrtagentur ESA "Rosetta". Die Sonde machte sich auf den Weg zu dem erdfernen Kometen 67P. Mit an Bord war das Landemodul "Philae". "Philae" war extra konstruiert, um auf einem Objekt zu landen, das vergleichbar ist mit einem Asteroiden. Im November 2014 kam Philae schief auf, konnte sich nicht richtig verankern und sendete nur unregelmäßig Daten.
In diesem Jahr schließlich, 2016, startet die NASA ihre Mission "OSIRIS-Rex". Sie soll zu einem Asteroiden fliegen, landen, Proben nehmen und wieder zurückbringen. Die Kosten: 800 Millionen Dollar für bis zu zwei Kilo Material.

Rosetta Andockmanöver (Foto: SWR, SWR -)
Andockmanöver von Rosetta SWR -

Elon Musk mit Vision

Unternehmen wie SpaceX arbeiten daran, Raketenstarts günstiger und einfacher zu machen. SpaceX ist besonders erfolgreich. Das Unternehmen mit Sitz in Kalifornien bringt Satelliten ins All und Fracht zur internationalen Raumstation ISS – zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten. SpaceX-Gründer Elon Musk macht ein Geschäft daraus, das Weltall erreichbar zu machen.
Gleichzeitig hat er große Ziele für die Menschheit: Während die NASA irgendwann nach dem Jahr 2030 Menschen zum Mars fliegen will, will Musk schon ab 2018 regelmäßige Frachtflüge dorthin starten. Die ersten Menschen könnten laut seinen Plänen schon 2024 an Bord eines Marsfluges sein.

Elon Musk (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
SpaceX-Gründer Elon Musk picture-alliance / dpa -



Der Plan von Planetary Resources ähnelt dem von Mitbewerber "Deep Space Industries". Dieses Unternehmen wurde erst 2012 gegründet. Die Gründer sammelten Geld bei Freunden und Verwandten ein, um zu starten.

Wasser aus dem All in das All

Beide Unternehmen wollen das Geschäft mit einem Rohstoff beginnen, der bei uns auf der Erde im Überfluss zu finden ist: Wasser. Sie wollen es von Asteroiden holen und verkaufen. Denn Wasser von der Erde ins All zu bringen ist außerordentlich teuer.
Mögliche Kunden sind die NASA und andere Raketen-Betreiber. Die Idee: Eine Tankstelle im Weltall, an der Vorräte aufgefüllt werden, die nicht für teures Geld ins All gebracht werden mussten.
Auch Metalle aus Asteroiden könnten genutzt werden, um im All Module für Raumschiffe zu bauen, oder besser: Mit 3D-Druckern zu drucken. Der Vorteil: Solche Module müssen nicht den enormen Kräften standhalten, die beim Start von der Erde entstehen – darum können sie weniger aufwändig gebaut werden.

Dürfen die das überhaupt?

Schritt drei wäre schließlich der Schritt, edle Metalle zur Erde zu holen, Gold, aber vor allem Platin. Die Unternehmen haben einen Plan. Sie sind sich sicher, die Technik bald entwickelt zu haben, um diesen Plan auch umzusetzen. Sie sind bereit, die ersten Asteroiden in Angriff zu nehmen.
Der Weltraum – unendliche Weiten. Aber keinesfalls ein rechtsfreier Raum. In der Zeit, in der sich USA und UdSSR ein Wettrennen im All lieferten, jeder Satellit, jeder Raketenstart als Beispiel der eigenen Überlegenheit gefeiert wurde – in dieser Zeit waren die beiden Seiten in der Lage, gemeinsame Verträge für den Weltraum zu verhandeln und zu beschließen. Der erste war der grundlegendste, der Weltraumvertrag von 1967.
Im Weltraumvertrag wird der Weltraum zu einem "Staatengemeinschaftsraum" gemacht – das heißt, er gehört der ganzen Menschheit und kann von keinem Staat allein in Anspruch genommen werden. Wie regelt der Weltraumvertrag aber das Geschäft mit Rohstoffen?

Ein Blick in die unendlichen Weiten des Weltalls (Foto: picture-alliance / dpa -)
Ein Blick in die unendlichen Weiten des Weltalls picture-alliance / dpa -

USA bewegt sich in die Grauzone

12 Jahre nach dem Weltraumvertrag gab es einen Anlauf, diese Frage konkreter zu beantworten: Im so genannten "Mondvertrag" von 1979.
Diesen Vertrag haben die USA jedoch nicht unterschrieben, darum fühlen sie sich an das Moratorium nicht gebunden. So entstand eine rechtliche Grauzone –und der Kongress war entschlossen, diese Grauzone auszunutzen. Parteiübergreifend – und mit einer Geschwindigkeit, die für den politischen Betrieb in den USA eher ungewöhnlich ist.
Denn die Branche drängte darauf, Rechtssicherheit zu bekommen. Planetary Resources heuerte 2013 sogar eine Lobby-Firma an, um im US-Kongress Druck zu machen – mit Erfolg.

Internationaler Ärger

Ein Jahr später brachten zwei Abgeordnete einen Gesetzes-Entwurf ins Repräsentantenhaus ein, der Republikaner Bill Posey und der Demokrat Derek Kilmer. Der Name: Asteroid-Gesetz. Eine seltene Zusammenarbeit im Kongress, in dem sich die beiden Parteien sonst immer belauern und blockieren. Die darin enthaltenen Begriffe und Definitionen sind beabsichtigt sehr vage gehalten.
Amerikanische Unternehmen sind bereit, neue Rohstoffe zu erschließen, ein neues Abenteuer zu beginnen – warum sie aufhalten, wegen vager und mehrdeutiger internationaler Verträge? Das Asteroiden-Gesetz floss ein in eine Sammlung mehrerer neuer Regeln für die Private Raumfahrt, das neue Gesetz wurde von Repräsentantenhaus und Senat beschlossen. Im vergangenen November unterschrieb Präsident Obama schließlich den "Space-Act", das "Weltraum-Gesetz".
Wie vorhergesagt: Der amerikanische Alleingang brachte international Ärger. Ein Rechts-Ausschuss bei den Vereinten Nationen entschied daraufhin, zunächst grundlegend zu definieren, was es bedeutet, wenn man den Weltraum nutzen und ausbeuten will. Klingt langwierig – und das ist es auch.

Dragonfly - geplanter Abtransport eines Asteroiden (Foto: Deep Space Industries -)
Dragonfly - geplanter Abtransport eines Asteroiden Deep Space Industries -

Was kommt zuerst?

Der Bergbau auf dem Asteroiden oder das nötige internationale Abkommen? Das hängt vor allem davon ab, wie schnell die Bergbau-Firmen ihre wunderbaren Animationen in die Wirklichkeit umsetzen können.
Planetary Resources startete im vergangenen Jahr die erste Test-Sonde, die von der Internationalen Raumstation ins All gelassen wurde. Die nächste Testsonde ist bereits fertig und wartet darauf, dass der private Raketen-Betreiber SpaceX Platz hat bei einem der nächsten Starts.
Die modernen Goldgräber haben für ihren Traum vom Reichtum aus dem All auch schon einen Interessenten aus Europa gefunden: Luxemburg.
Das Land will zu einem Zentrum des Bergbaus im All werden und ist bereit, dafür Kredite zu geben: 225 Millionen Euro. Sowohl Deep Space Industries als auch Planetary Resources lassen sich im Gegenzug in Luxemburg nieder. In den nächsten drei Jahren soll die Filiale in Luxemburg genau so groß sein wie die Firmenzentrale in den USA.

Der nächste Goldrausch könnte im Weltall stattfinden, denn Asteroide bergen Gold, Platin, Nickel oder Eisenerz. Private Unternehmen in den USA bereiten sich darauf vor, diese Rohstoffe abzubauen und entwickeln mit Hochdruck die nötige Weltraum-Technik. Wenn es nach ihnen geht, sind Bergwerke im All keine wilde Fantasie, sondern nur eine Frage der Zeit. Der US-Kongress hilft dabei: Ende November unterzeichnete Präsident Barack Obama den "US Commercial Space Launch Competitiveness Act". Das umstrittene Gesetz verstößt aber möglicherweise gegen internationale Verträge und untergräbt die Idee, dass der Weltraum für alle gleichermaßen zu Forschungszwecken offensteht.

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