Krönung von Elisabeth I. in London 1571 (Foto: Imago, Imago/Fotograf XY -)

SWR2 Wissen Elisabeth I. von England

Eine Frau mit dem Herzen eines Königs

Von Imogen Rhia Herrad

Dauer

Als Elisabeth Tudor 1558 mit nur 25 Jahren den englischen Thron bestieg, war England ein kleines Reich am Rande des katholischen Europas. Die junge protestantische Königin verfolgte die gleiche kompromisslos separatistische Politik wie ihr Vater Heinrich VIII.: Sie schrieb Englands Bruch mit der katholischen Kirche fest - und damit auch mit großen Teilen des Kontinents. Sie schloss Bündnisse mit anderen protestantischen Mächten und mit dem osmanischen Sultan; Freibeuter mit dem königlichen Patent in der Tasche gründeten in Amerika erste englische Niederlassungen.

Unter Elisabeth wurde der Grundstein für Englands Aufstieg als Empire und Seemacht gelegt. Gleichzeitig musste sie als Frau in einer explizit als männlich verstandenen Position immer wieder beweisen, dass sie ihren Mann stehen konnte. Durch ihr geschicktes Taktieren und ein bewusstes Spielen mit Geschlechterrollen schaffte Elisabeth das noch nie da Gewesene: Als erste allein regierende Königin überhaupt in der englischen Geschichte saß sie fast ein halbes Jahrhundert auf dem Thron. Man feierte sie als "Virgin Queen", als (ewig-)jungfräuliche Königin: als Herrscherin, die ebenso unberührt und unberührbar war wie ihr Inselreich.

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