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Die Shortlist des ARD PiNball 2018 (1/3)

Gäste: Nick-Julian Lehmann, John Sauter und Katrin Zipse
Mit den Hörspielen "Nur Berlin ist auch zuviel" von Marie-Charlotte Schube, Till Großmann und Nick-Julian Lehmann und "Das Haus" von John Sauter
Moderation: Frauke Oppenberg
Redaktion: Katrin Zipse

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Es gibt sie tatsächlich: Menschen, die so von Hörspielen begeistert sind, dass sie selbst welche produzieren, ohne zu wissen, ob sie je gesendet werden. Um wenigstens einen kleinen Teil der freien Hörspielszene kennenzulernen, veranstalten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten jeden Herbst einen Wettbewerb für unabhängige Hörspielschaffende und zeichnen im Rahmen der ARD Hörspieltage das beste Kurzhörspiel aus, das außerhalb der Sender produziert worden ist.

Aus den Wettbewerbseinreichungen in diesem Jahr hat eine vierzehnköpfige Fachjury fünf Stücke für die Shortlist ausgewählt. SWR2 Redakteurin Katrin Zipse war mit in der Jury und stellt heute und an den nächsten beiden Abenden die fünf nominierten Hörspiele vor. Zugeschaltet sind außerdem die Hörspielmacher Nick-Julian Lehmann und John Sauter, die sich in ihren Wettbewerbsstücken mit den Auswüchsen gutbürgerlicher Lebensentwürfe beschäftigen.

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Nur Berlin ist auch zu viel #3

Von Nick-Julian Lehmann

Die Hörspiel-Serie "Nur Berlin ist auch zu viel" erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Jan und Ina seit 2007. Im dritten Teil kreuzen sich ihre Wege nach einigen Jahren wieder. Es funkt zwischen ihnen, doch dieses Mal steht ihnen eine offene Beziehung im Weg: „Ich weiß halt nicht, ob das für mich klingt wie freie Liebe oder wie Liebe in Zeiten des Kapitalismus. Ich weiß nicht, ob das ganz eiskalt ist. Oder so weich und warm und schön, dass man sich kaum vorstellen kann, dass das geht.“ Während ihrer Treffen in Berlin versuchen sie es trotzdem immer wieder. Drehen sie sich im Kreis oder nähern sie sich an?

Das Haus

Von John Sauter

Eine fiktive Reise in die Provinz, bei der die Grenzen zwischen normalen und extremen Tönen verschwimmen. Der erste Teil erzählt von der Scheinidylle des Wohnzimmers, die schnell in eine albtraumhafte Szenerie kippt. Im zweiten Teil sieht sich der Protagonist einer kannibalistischen Situation ausgeliefert. Absurdes trifft auf zu Reales und Bekanntes. Der poetische Text nimmt uns mit auf das Land, wo man alles richtig machen muss, wo man die Dinge regeln muss, wo man weiß, wie man mit denen umgehen muss. Das Stück präsentiert keine ländliche Idylle, sondern einen ländlichen Albtraum. Die klangliche Gestaltung verstärkt die Wirkung des Textes und durchbricht regelmäßig dessen Oberfläche, um den Abgrund darunter zu offenbaren. Wohin führt spießige Kleinbürgerlichkeit? Wie weit ist es vom Grillmeister zum Neonazi?

Musiktitel

I've Got The Blues
Allan Harris
CD: Black bar jukebox

Ay de mi
Maui
CD: Viaje interior

Du
Peter Pux
CD: Stadtland

Gabriella
Giulia y Los Tellarini
CD: L'arrabbiata

Big Picture
London Grammar
CD: Truth is a beautiful thing

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