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Man witzelte über eine „sehr breite Stereowiedergabe“: Im Frühjahr 1987 wurden die Computermusiker der Gruppe The Hub nach New York eingeladen. Zur Finanzierung der Flüge kooperierte der Kurator des Clocktower, Nic Collins, mit Phill Niblock und seiner Experimental Intermedia Foundation, und man einigte sich auf ein Simultan-Konzert an beiden Veranstaltungsorten, zwischen denen die Zuhörer wandeln sollten. Ein Modem verband die Computer der zweimal drei Musiker – vermutlich war dies das erste über Modem verbundene Live-Konzert. Musik und Medienkunst fließen in einem neuen Genre zusammen, das auf der Vernetzung von Computern basiert. Neue Möglichkeiten der Klangerzeugung und -verarbeitung spielen dabei ebenso eine Rolle wie die neuen Formen der Kommunikation und Interaktion, die das lokale Computernetz und vor allem das Internet bereitstellen. Im engeren Sinne ist Netzmusik daher Musik, die mit den Besonderheiten dieser technischen und sozialen Möglichkeiten künstlerisch arbeitet.


Konzerte mit weltweit verstreuten Musikern und auf bestimmte Midi-Sounds und Samples reduziertem Material realisierten zuerst Razionalnik (Seppo Gründler und Josef Klammer, 1987) per Telefonnetz. 1994 nutzten Andrea Sodomka, Martin Breindl, Norbert Math und xspace bereits das Internet für die Aktion State of Transition. Das ORF Kunstradio (www.kunstradio.at) regte danach noch weitere Projekte an. Inzwischen gibt es auch Internetopern (z. B. Manfred Stahnke, Orpheus Kristall, 2002) und ganz offene Projekte, die weltweite Internetnutzer mehr oder minder zufällig zusammenführen (im Zusammenhang mit den Donaueschinger Musiktagen und SWR2: Michael Iber, INTErnetGEneratedRadio, 2000/2001, Max Neuhaus, Auracle, 2004). Einen Überblick über die in ständiger Veränderung und Fortentwicklung begriffene Kunstform gibt Golo Föllmer, Netzmusik, Hofheim: Wolke Verlag 2005.

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