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„gegen die postmoderne mode“ entwarf der Komponist Mathias Spahlinger bei den Darmstädter Ferienkursen 1988 einen Kriterienkatalog für Musik „die den namen neue musik verdient“. Er reagierte darauf, dass, ähnlich wie kurz zuvor in der Philosophie, Literatur, Bildenden Kunst oder Architektur, auch in der Musik Mitte der 1970er Jahre eine um bestimmte
moderne Gepflogenheiten oder Tabus unbekümmerte Ausrichtung möglich und spürbar wurde. „Neue Einfachheit“ oder „Neue Subjektivität“ waren Schlagworte, unter denen man Kompositionen subsumierte, die traditionelle Verfahren, namentlich tonale Strukturen benutzten. Auch überkommene Gattungen wie die Symphonie wurden wiederbelebt. Wie in der postmodernen Architektur wurden überdies Stilmischungen möglich (Polystilistik, Collage). Und auch die Grenzen zwischen sogenannter „Ernster“ und „Unterhaltungs“-Musik ließen sich überschreiten – vielleicht ist im Crossover, also in der Aufweichung von Genre-Grenzen z. B. in Musikprogrammen des Rundfunks oder Konzertbetriebs, sogar der nachhaltigste Einfluss der Postmoderne auf die zeitgenössische Musikkultur auszumachen. Als Reizwort jedenfalls, als Begriff, gegen den es sich mit „modernen“ Ansichten abzugrenzen galt, ist die musikalische „Postmoderne“ inzwischen weitgehend verschwunden (siehe auch Moderne).

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