SWR2 Tandem Narben

Auf der Haut und in der Seele
Von Gudrun Holtz

Dauer

Menschen mit Narben haben tief greifende Veränderungen an ihren Körpern erlebt. Die Narben erinnern an Krankheiten, Unfälle, sind Einschnitte und Traumata. Und sie lösen Fragen aus, wenn man sie von außen betrachtet oder vielleicht gar nur zufällig zu Gesicht bekommt: Was mag dem Menschen widerfahren sein? Was ist die Geschichte hinter der Narbe und was bedeutet sie für den Menschen in seinem Alltag heute?

Mit Narben leben

Narbe (Foto: Gudrun Holtz -)
Heute lebe ich gut mit den Narben. Sie stören mich nicht. Sie gehören zu mir. (Foto: Gudrun Holtz, alle Rechte) Gudrun Holtz - Bild in Detailansicht öffnen
Ich liebe meine Narbe, denn sie hat mich zu diesem Menschen gemacht, der ich heute bin. Gudrun Holtz - Bild in Detailansicht öffnen
Die Narben selbst sind heute gefühllos. Ich könnte da mit einem Fingernagel reindrücken, ich würde das nicht merken. (Foto: Gudrun Holtz, alle Rechte) Gudrun Holtz - Bild in Detailansicht öffnen
Bei mir sind Narben mit 11 Jahren bei einer Verbrennung entstanden. (Foto: Gudrun Holtz, alle Rechte) Gudrun Holtz - Bild in Detailansicht öffnen
In der Pubertät habe ich mich für meine Narbe sehr geschämt, weil jeder dahin gestarrt hat. (Foto: Gudrun Holtz, alle Rechte) Gudrun Holtz - Bild in Detailansicht öffnen
Ob es einen Sinn hat, die Krankheit zu haben, weiß ich nicht. Aber ich habe mir zum Sinn gemacht, anderen Mut zu schenken. (Foto: Gudrun Holtz, alle Rechte) Gudrun Holtz - Bild in Detailansicht öffnen

Narben

Fotoprojekt von Gudrun Holtz


In den letzten vier Jahren hat die in Köln arbeitende Autorin Gudrun Holtz immer wieder Menschen getroffen, die bereit waren, ihre Narben zu zeigen und sich mit ihnen auch fotografieren zu lassen sowie ihre Geschichte dazu zu erzählen. Es sind Menschen mit ganz unterschiedlichen Schicksalen und Lebensläufen. Ihre Narben lösten auch bei der Autorin Fragen aus, was geschehen war und wie sie damit zurechtkamen. In diesen Geschichten führen zwar die Narben zu den Traumata, aber es wird sichtbar, dass die Haut, das in seiner Fläche und Ausdehnung größte Organ des Menschen, vor allem ein sinnliches, verletzbares Organ ist, ein Grenzfläche zwischen Selbst und Welt, ein Ort der Ich-Bildung.

Im Sommer 2016 werden die Bilder in zwei Ausstellungen sowohl im Kunsthaus Bern als auch in Köln zu sehen sein und es entsteht derzeit ein Fotokunstbildband in Kooperation mit einem international arbeitenden Verlag. Es bedarf großen Mutes, sich so frei zu zeigen, und es ist auch ein Experiment, dies zu veröffentlichen und es zu verlegen.

Im Tenri-Köln (Japanisch-Deutsche Kulturwerkstatt) findet die Fotoausstellung im folgenden Zeitraum statt: 26.08.2016 (Fr) - 17.09.2016 (Sa).

Auf der Photokina Köln werden die Fotos dann vom 20. bis 25. September 2016 zu sehen sein.

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