SWR2 Tandem Der Mann, der Porsche machte

Der Weg des Adolf Rosenberger. Von Eberhard Reuß

Der Mitgründer, Mitbesitzer und Geschäftsführer Adolf Rosenberger ist der Mann, der Porsche erst möglich gemacht hat. Doch Adolf Rosenberger war Jude. Als die Nazis 1933 an die Macht kommen, gerät Rosenberger unter Druck und landet 1935 im KZ Kislau. Später gelingt es ihm, in die USA auszuwandern. Vor 50 Jahren, am 6. Dezember 1967, starb Adolf Rosenberger in Los Angeles.

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Erstmals Einblick in den Nachlass

Jetzt öffnet Familie Esslinger den Nachlass von Alan Robert, vormals Adolf Rosenberger. Und liefert damit einen präzisen, völlig neuen Blick auf ein bis heute brisantes und bis dato unvollständiges Kapitel in der Geschichte der Familien Porsche und Piëch. Reporter Eberhard Reuß hat die Geschichte in den USA recherchiert und lässt Sandra Esslinger die Geschichte ihres Onkels erzählen, des Mannes, der Porsche machte.

Rennfahrer, Schauspieler, Emigrant - Adolf Rosenberger Der Mann, der Porsche machte

Adolf Rosenberger mit Rudolf Caracciola, Sieger beim "Schauinsland"-Bergrennen in Freiburg 1927. (Foto: Daimler AG -)
Adolf Rosenberger (l.) mit Rudolf Caracciola, Sieger beim "Schauinsland"-Bergrennen in Freiburg 1927. Daimler AG - Bild in Detailansicht öffnen
Am 5. September 1935 wird Adolf Rosenberger in Pforzheim wegen "Rassenschande" verhaftet und am 23. September 1935 aus dem Untersuchungsgefängnis ins KZ Kislau verbracht, aus dem er vier Tage später frei kommt. Privat - Bild in Detailansicht öffnen
Der Nachlass von Adolf Rosenberger wurde seiner Nichte, der Kunsthistorikerin und College-Professorin Dr. Sandra Esslinger, und ihrer Mutter Phyllis Esslinger anvertraut. Privat - Bild in Detailansicht öffnen
Adolf Rosenberger gewinnt am 14. August 1927 den ersten Durchgang des Schweizer Klausenpass-Bergrennens auf der "Mercedes-Großmutter" aus dem Jahr 1914. Privat - Bild in Detailansicht öffnen
Adolf Rosenberger (mit Zigarette), Ferdinand Porsche und Rudolf Caracciola auf dem Nürburgring am 19.6.1927. Rosenberger-Archiv - Bild in Detailansicht öffnen
Bild aus dem Jahr 1943 für das Besetzungsbüro des Warner-Brothers-Films "Action in the North Atlantic". Rosenberger alias Alan Robert arbeitete nach seiner Emigration in die USA auch als Schauspieler. Privatbesitz / Rosenberger-Archiv - Privat Bild in Detailansicht öffnen

Unglaubliche deutsch-jüdische Familiengeschichte

Und eine Geschichte, die Sandra Esslinger endlich erzählen will, nämlich die ihres Onkels Alan Robert, 1900 in Pforzheim geboren als Adolf Rosenberger, Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg, Kampfflieger, Ziehsohn seines Onkels Ludwig Esslinger, des damals reichsten Mannes Pforzheims.

Mitgründer, Mitbesitzer und Geschäftsführer von Porsche

Adolf Rosenberger wird technischer Kaufmann, Werksrennfahrer bei Mercedes-Benz, lernt dort Ferdinand Porsche kennen, finanziert und gründet mit ihm und Porsche-Schwiegersohn Anton Piëch 1930 und 1931 das Stuttgarter Konstruktionsbüro, die Keimzelle der heutigen Firma Porsche. Rosenberger holt Aufträge aus der Automobilindustrie an Land, ist Geschäftsführer und hält zehn Prozent der Anteile an der Porsche GmbH.

Adolf Rosenberger, Ferdinand Porsche und Rudolf Caracciola auf dem Nürburgring am 19.6.1927 (Foto: SWR, Rosenberger-Archiv -)
Adolf Rosenberger (mit Zigarette), Ferdinand Porsche und Rudolf Caracciola auf dem Nürburgring am 19.6.1927. Rosenberger-Archiv -

Rücktritt am Tag der Machtergreifung

Am 30. Januar 1933, dem Tag der sogenannten nationalsozialistischen Machtergreifung, tritt Rosenberger als Porsche-Geschäftsführer zurück, bleibt aber weiter Mitbesitzer der Porsche GmbH mit einem Anteil von zehn Prozent und arbeitet auch weiter für das Unternehmen. Rosenberger rettet damit das Rennwagen-Projekt, mit dem Porsche dann im Frühjahr 1933 bei Hitler vorstellig wird und staatliche Subventionen für sich und die Auto Union an Land zieht. Damit öffnet sich für Porsche auf Dauer die Tür zu Hitler für das Volkswagen-Projekt.

Anteile für 3.000 Reichsmark verkauft

Porsche kommt nun rasch zu Geld, schuldet seinem jüdischen Mitgesellschafter jedoch mehr als 120.000 Reichsmark. Im Sommer 1935 gibt Adolf Rosenberger seinen Anteil an der Porsche GmbH ab. Jedoch nur zum Nennwert von 3.000 Reichsmark. Kurze Zeit später landet Adolf Rosenberger im Konzentrationslager Kislau. Er wird zur Emigration gezwungen. Er geht nach Paris, hat noch einen Vertrag mit Porsche als Auslandsmitarbeiter und emigriert schließlich in die USA.

Aufarbeitung der Firmengeschichte von Porsche unvollständig?

Als die Porsche AG 2005 ihr 75. Bestehen feierte, wurden als Gründer des Stuttgarter Konstruktionsbüros genannt: Ferdinand Porsche und dessen Schwiegersohn Anton Piëch. Doch es gab damals noch einen dritten Mann, der Mitgründer, Mitgesellschafter und Geschäftsführer der Firma Porsche war: Adolf Rosenberger.

Eberhard Reuß erinnerte bereits 2010 in SWR2 an die vergessene und verdrängte Geschichte des jüdischen Mitgründers Adolf Rosenberger. Die Porsche AG entschloss sich dann, die Frühgeschichte ihres Unternehmens aufarbeiten zu lassen. Seit September diesen Jahres liegt das Resultat vor. Doch darin wird nicht der Nachlass von Adolf Rosenberger berücksichtigt.
Der befindet sich in Los Angeles, wo Rosenberger vor 50 Jahren, am 6. Dezember 1967, verstorben ist.
Eberhard Reuß hatte exklusiven Zugang zu diesen persönlichen Dokumenten.

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