SWR Tagesgespräch mit Gesundheitsminister Spahn "Mehr Gespräche statt Apparatemedizin"

Ärzte, die am Limit seien, müssten entlastet werden, die Aufgabenverteilung im Gesundheitswesen neu überdacht, meint Bundesgesundheitsminister Spahn, CDU.

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Bundesgesundheitsminister Spahn hat das neue Terminservicegesetz verteidigt, das Ärzte verpflichtet, mehr Sprechstunden anzubieten. Diejenigen Ärzte, die jetzt schon am Limit seien, beträfe das Gesetz gar nicht, sagte Spahn im SWR Tagesgespräch.  Das Ziel sei vielmehr, genau solche Ärzte zu entlasten. Er nehme allerdings den Hinweis der Ärzte ernst, "dass das ein Eingriff in ihre Praxis ist".

Es müsse "an den richtigen Stellen" künftig mehr Ärztinnen und Ärzte geben und mehr Anreize, sich dort niederzulassen, erklärte der CDU-Politiker. Außerdem sei es nötig, die Anreize, die derzeit im Gesundheitswesen bestünden, so zu überprüfen, dass keine unnötigen Behandlungen mehr vorgenommen würden und nicht mehr operiert werde als nötig. Gespräche mit den Patienten müssten eher gefördert werden, als die Apparatemedizin.

Spahn hält es außerdem für notwendig, die Arbeitsverteilung innerhalb des Gesundheitssystems zu überdenken. So sei es sinnvoll, Ärzte durch Auslagerung von Aufgaben beispielsweise an operationstechnische Assistenten oder Apotheker zu entlasten, "ohne in den Kernbereich ärztlichen Tuns vorzudringen". Grippeimpfungen in Apotheken beispielsweise gebe es auch in anderen Ländern. In Deutschland solle das in Modellregionen getestet werden.

Er wundere sich manchmal darüber, dass Ärzte sagten, es bräuchte Entlastung und Freiräume. Wenn er dann konkrete Vorschläge mache, werde oft dagegen argumentiert, sagte der Minister. "Das ist dann auch schwierig".

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