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Jazzpreis Olivia Trummer erhält Jazzpreis Baden-Württemberg 2019

Von Günther Huesmann

Der mit 15.000 Euro dotierte Jazzpreis Baden-Württemberg geht in diesem Jahr an Olivia Trummer. Die Jury lobt die Frische der in Stuttgart geborenen und in Berlin lebenden Pianistin und Sängerin, ihr genuines Jazzspiel und ihren ausdrucksstarken Gesang.

Ob bei ihren quirlig-frechen Grenzgängen zwischen Klassik und Jazz oder beim Brückenschlag von der Jazzmusik zum Singer-Songwriting - das „Dazwischen“ ist ein Platz, den Olivia Trummer sehr gut kennt.

Musik zwischen den Stühlen

Es ist ein Ort, an dem sich die Pianistin und Sängerin wohlfühlt und stolz ausdrücken kann, mit vielfarbigen stilistischen Bezügen. Das begann schon in ihrer Kindheit.

„Wenn man klein ist, dann hat man ja überhaupt keine Scheuklappen“, sagt Olivia Trummer in SWR2. „Jazz und Klassik waren für mich keine getrennten Kategorien.“

Autodidaktisches Entdecken

Aufgewachsen ist Olivia Trummer in Stuttgart, beide Eltern sind Schulmusiker, klassische Pianisten und Chorleiter. Klassik lernt sie anfangs nicht nach Noten, sondern nach Gehör. Die Ohren führen Olivia Trummer dorthin, wo sie sich am wohlsten fühlt: zum Improvisieren.

„Ich habe mit 13 Jahren eine Platte bekommen zu Weihnachten, von Bill Evans, „Waltz For Debbie“. Das war die erste Platte, wo mir bewusst war, dass das jetzt Jazz ist. Das hat mir wahnsinnig gut gefallen, aber es kam mir auch alles schon bekannt vor, durch das autodidaktische Entdecken und Nachspielen.“

Inspirationen in New York

Olivia Trummer hat an der Musikhochschule Stuttgart Jazzklavier und klassisches Klavier studiert. Der Umzug nach New York 2008 war ein Wendepunkt.

„Als ich nach New York kam, war ich umgeben von Leuten, die komplett ihren Traum verfolgen, die wahnsinnig bei der Sache sind und sich nicht zurückhalten. Da dachte ich: „Dann hole ich das auch alles aus mir raus.“ Ich habe mich dann auch mehr mit meiner Rolle als Sängerin identifiziert. Ich kam verändert zurück.“

Brücken bauen zwischen Jazz und Pop

Olivia Trummer hat in ihrer Musik einen eigenen vokalen Ansatz entwickelt. Das ist nicht lediglich Singer-Songwriting mit Jazzornamenten, auch kein Jazz mit einer Prise Pop-Gewürz. Olivia Trummer baut Brücken zwischen Jazz und Singer-Songwriting, Brücken, die musikalisch tragfähig sind und Wege nach vorn weisen.

Seit 2017 ist sie festes Mitglied in der international erfolgreichen „Caipi“-Band des amerikanischen Gitarristen Kurt Rosenwinkel und tourt auf den großen Bühnen der Welt.

„Das ist ein Gefühl von wahnsinniger Freiheit“, sagt Olivia Trummer. „Es gibt eine Sängerin, Laura Nyro, die mal gesagt hat: Singen ist wie Fliegen. Singing is the closest to flying. Das finde ich schön ausgedrückt.“


Das Preisträger-Konzert findet am 28. Juli im Theaterhaus Stuttgart statt. SWR2 sendet den Konzertmitschnitt am 19.9.2019 um 23.03 Uhr.

Im Programm

Mit Martin Hagen
Carlos Chávez:
Sinfonie Nr. 2 „Sinfonía India“
The Orchestra of the Americas
Leitung: Carlos Miguel Prieto
Traditional:
"Kalimanku, Denku"
Vesselina Kasarova (Mezzosopran)
Cosmic Voices
"Sofia Soloists" Kammerorchester
Leitung: Tzanko Dimitrov Delibozov
Wolfgang Amadeus Mozart:
"La Clemenza di Tito" Arie des Sesto (2. Akt)
Vesselina Kasarova (Mezzosopran)
Staatskapelle Dresden
Leitung: Colin Davis
Henriette Renie:
Harfenkonzert c-Moll
Xavier de Maistre (Harfe)
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung: Hugh Wolff
Franz Schubert:
Rondo h-Moll D 895 op. 70 "Rondeau brillant"
Isabelle Faust (Violine)
Alexander Melnikov (Klavier)
Georg Philipp Telemann:
Ouvertüre D-Dur
Akademie für Alte Musik Berlin

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