Così fan tutte am Opernhaus Zürich Grandiose Mozart-Inszenierung von Kirill Serebrennikov

Così fan tutte am Opernhaus Zürich Grandiose Mozart-Inszenierung von Kirill Serebrennikov

Serebrennikov Cosi fan tutte in Zürich (Foto: Pressestelle, Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus)
Von Christian GampertNoch immer steht der Regisseur Kirill Serebrennikov in Russland unter Arrest. Dennoch hat er für das Züricher Opernhaus die Mozart-Oper „Cosi fan tutte“ inszeniert – vom Schreibtisch aus. Die Proben vor Ort wurden von Serebrennikovs Mitarbeiter Evgeny Kulagin geleitet. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Nach „Salomé“ in Stuttgart kam dort vor einem Jahr auch eine von Serebrennikov geplante „Hänsel-und-Gretel“-Inszenierung in reduzierter Form heraus, als Solidaritäts-Erklärung der Oper für den faktisch Inhaftierten. Zu „Cosi fan tutte“ erklärte Serebrennikov, die Geschlechterbeziehungen des Stücks mithilfe von „Doubles“ untersuchen zu wollen. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Das Regie-Konzept für die Züricher Aufführung übermittelte Serebrennikov aus dem Hausarrest bis in die Details. Sein langjähriger Mitarbeiter Evgeny Kulagin sorgte für eine adäquate Umsetzung – und zwar so penibel, dass nun eine grandiose, durchstrukturierte, vor Ideen überbordende und absolut heutige Mozart-Inszenierung entstanden ist. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Es beginnt in einem Fitness-Studio. Zwei Stockwerke – oben tändeln die Frauen, unten stemmen die Männer Gewichte. Dort findet auch die Wette mit dem desillusionierten Don Alfonso statt, der den soldatischen Jungmannen Ferrando und Guglielmo die prinzipielle sexuelle Verführbarkeit ihrer Bräute demonstrieren will. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Aber Serebrennikov belässt es nicht bei Anspielungen auf das SMS-, Video- und Internetzeitalter, das die erotische Anbahnung so viel leichter macht. Bei Mozart verschwinden die beiden Männer nur zum Schein und kehren dann verkleidet wieder, um – überkreuz – die Treue ihrer Freundinnen zu testen. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Bei Serebrennikov dagegen werden sie tatsächlich in den Krieg geschickt und mit Pomp beerdigt, sie sind den Rest der Inszenierung nur noch als schwarzgekleidete, singende, eifersüchtige Geister präsent, Untote auf Urlaub. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Die Rolle der sexuellen Aufreißer übernehmen in Zürich zwei gutgebaute Doubles, Schauspieler, die nun als tätowierte Models, bisweilen auch als Scheichs (da winkt dann das Geld) oder auch als Avatare, blutrünstige künstliche Internet-Menschen auftauchen. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Für die beiden angeblichen Witwen ist das erotische Angebot so attraktiv, dass sie bald ziemlich viele Hüllen fallen lassen – dafür hält man sich ja fit. Und dieses von vielen Gewissensbissen begleitete, aber auch sehr körperliche Sehnen koinzidiert ja aufs Schönste mit der Musik Mozarts. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Kyrill Serebrennikov nutzt wieder ausgiebig Video, Beobachtungskamera und alte Filme, um der Mozart-Oper auch historische Tiefenschärfe zu geben. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Wenn die Männer in den Krieg ziehen, dann wird per Film demonstriert, was das eigentlich heißt: marschieren und töten, alles bei Hormonstau und Truppen-Entertainment. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Wenn von weiblicher Befreiung - möglicherweise auch durch Sex! - die Rede ist, dann wird kurz eine filmische Reprise der feministischen Emanzipations-Bewegung eingespielt: „My Pussy my Rule – protect women’s rights!“ Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Die Despina ist bei Serebrennikov eine Psychoanalytikerin, die eindringlich auch zu sexuellen Experimenten rät. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Dieses Angebot wird von den verwitweten und somit wieder verfügbaren beiden Frauen zunächst eher zögernd angenommen. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Anna Goryachova singt die Dorabella allerdings eher forsch, während die armenische Sopranistin Ruzan Mantashyan gerade die melancholischen Passagen sehr schön ausarbeitet und sogar bei den kaum singbaren Koloraturen eine gewisse Lässigkeit hat. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Auch in den Duetten und Quartetten ist das musikalisch von großer Wärme und Schönheit. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Cornelius Meister dirigiert die Philharmonia Zürich sehr dynamisch und auf die Szenen bezogen. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Und Kyrill Serebrennikov ist ein frecher und gewitzter Bilderfinder für sehr alte Opern-Konstellationen: die beiden Frauen räkeln sich mit ihren Liebhabern, als wären sie Unterwäsche-Models. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Am Ende werden sie in einer traditionellen Hochzeit wie Waren drapiert. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
Die musikalische Leichtigkeit der Aufführung zeigt uns, dass die Liebe ein Spiel ist – aber eines mit tragischem Grundton und vielen Verletzungen. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
„Free Kyrill“, lasst Kyrill frei, steht auf den T-Shirts, die die Sänger beim Schlussapplaus tragen. So viel Englisch versteht sicherlich auch Wladimir Putin. Pressestelle Opernhaus Zürich - Foto: Monika Rittershaus
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