Henry Purcell und John Dryden| Semi-Oper "König Arthur" am Theater Basel Purcell für Menschenfreunde

Henry Purcell und John Dryden| Semi-Oper "König Arthur" am Theater Basel Purcell für Menschenfreunde

Steffen Höld, Martin Hug (Foto: Theater Basel - ©Sandra Then)
„King Arthur“ auf der Großen Bühne: eine sogenannte Semi-Oper von Henry Purcell. Eine Mischung aus Oper, Schauspiel und Tanz und somit prädestiniert für einen spartenübergreifenden Saisonauftakt. Den gesprochenen Text dazu hat sich das Theater von seinem Hausautor neu schreiben lassen: der Autor Ewald Palmetshofer hat mit seinen sogenannten Überschreibungen von Klassikern schon viele Preise gewonnen.Im Bild: Steffen Höld und Martin Hug. Theater Basel - ©Sandra Then
Henry Purcells Semi-Oper „King Arthur“ auf einen Text von John Dryden sollte eine Feier der britischen Monarchie sein. Nicht fehlen durften ein paar Elemente aus dem britischen Mythos schlechthin, der Artussage, alles ziemlich frei erfunden: unterstützt vom alten Merlin und ein paar Luftgeistern gewinnt König Arthur dabei nicht nur den militärischen Kampf gegen den Sachsen Oswald, sondern auch den Wettstreit um die Hand der blinden Emmeline.Im Bild: Riccardo Fassi, Sarah Brady, Lisa Steigler und Max Mayer. Theater Basel - ©Sandra Then
Weil die Musik von Henry Purcell dazu so schön, dass Original-Libretto aber so nationalistisch verbrämt und künstlerisch dürftig ist, wurde es bislang eher um die Musiknummern herum zusammengestückelt. Ewald Palmetshofers Version führt das Ganze in einem wunderbar Shakespearschen Sprachduktus zurück auf die Bretter, die in der Tat eine Welt bedeuten können und auf denen sich jedermann irgendwie auch immer wieder ein Fest erwartet: das TheaterIm Bild: Kristina Stanek, Riccardo Fassi, Hyunjai Marco Lee und Sarah Brady. Theater Basel - ©Sandra Then
Fast schon kleinlaut, noch nackt bis auf die Unterhose führt der Zauberer Merlin ein in diese Welt, die zunächst noch eine schlichte Probebühne ist, dann aber mit verschiedenen roten Vorhängen ein Spiel der Illusionen entfaltet. Tänzer vollführen bald kriegerische bis zappelnde Bewegungen.Im Bild: Carina Braunschmidt und Mirko Campigotto. Theater Basel - ©Sandra Then
Der Chor steht mal als Fähnchen schwenkende Volksmasse in der Ecke, dann wuseln sie als ätherische Wesen umher. Die Luftgeister führen mit Flügeln auf dem Rücken und herrlich komödiantischen Auftritten den Ernst der Lage immer wieder ad absurdum. Und die angebliche Krone der Schöpfung?Im Bild: Martin Hug und Chor, Elias Eilinghoff, Marco Campigotto, Raquel Rey Ramos, Leela Subramaniam, Sarah Brady und Nils Rovira-Muñoz. Theater Basel - ©Sandra Then
Michael Wächter als Oswald (vorne rechts) und Elias Eilinghoff als Arthur (vorne links) sind in erster Linie mal zwei rastlose junge Männer, die am Ende einer Traditionslinie stehen, die sie selber nicht so richtig durchschauen oder die sie nur noch widerwillig weiterführen: Kampf- und Opferrituale, die Erzählungen von Vätern und Vorvätern.Im Bild: Steffen Höld, Carina Braunschmidt, Elias Eilinghoff, Michael Wächter, Riccardi Fassi und Raquel Ray Ramos. Theater Basel - ©Sandra Then
Im Hier und Jetzt will „der Sachse“ vor allem die Anerkennung der Rechte seiner Minderheit. „Der Brite“ will zwar an der Macht bleiben, vor allem aber die Liebe einer Frau gewinnen, Emmeline, die sich um all das herzlich wenig schert und, weil sie nichts sehen kann, die Menschen nach dem Klang ihrer Stimme beurteiltIm Bild: Mitglieder des Chors, Elias Eilinghoff, Vincent Glander, Carina Braunschmidt, Martin Hug, Javier Rodriguez Cobos, Fran Fannar Pedersen und Leela Subramaniam. Theater Basel - ©Sandra Then
Knapp vier Stunden lang führen Regisseur Stefan Kimmig und Autor Ewald Palmetshofer das Publikum aufs lustvollste an der Nase herum. Sie zwingen die im Original von Text und Musik allenfalls lose verbundenen Nummern nicht in ein dramaturgisches Korsett und erhalten seine barocke Pracht. Aber sie geben dem Stück auch ein Rückgrat aus Fragen, die auch im 21. Jahrhundert noch Bestand haben: Wie können sich Fremde auf zivile Art begegnen? Was verbindet uns?Im Bild: Carina Braunschmidt, Martin Hug, Javier Rodriguez Cobos, Frank Fannar Pedersen, Nils Rovira-Muñoz, Elias Eilinghoff und Leela Subramaniam. Theater Basel - ©Sandra Then
Dirigent Christopher Moulds, das Barockorchester La cetra und die Sänger in verschiedenen Rollen übernehmen in dieser musikalisch theatralischen Revue meist da, wo die Sprache nicht mehr weiter weiß. Erzählen in sehr fein gearbeiteten, farbenreichen Nuancen auf ihre Weise von der Kraft der Liebe, von der Möglichkeit, eine Welt gemeinsam zum Klingen zu bringen.Im Bild: Elias Eilinhoff und Steffen Höld. Theater Basel - ©Sandra Then
Zwischen buntem Jahrmarkt und Theaterzauber verläuft der Grat an diesem Abend manchmal sehr schmal. Die Botschaft, dass doch alle Menschen Brüder oder Schwestern seien, blinkt metaphorisch gesprochen in sehr großen Lettern darüber. Aber warum auch nicht?Im Bild: Steffen Höld. Theater Basel - ©Sandra Then
Signale der Spaltung gibt es schließlich außerhalb des Theaters genug, da kommt ein Saisonauftakt, der Menschen mit den verschiedensten Kunstsparten zusammenführen will und ein Plädoyer für Offenheit und gegenseitigen Respekt hält, gerade recht. Was wir daraus machen, steht auf einem anderen Blatt. Gehört im Zweifelsfall aber auch zum großen Spiel der Illusionen. - Im Bild: Max Mayer, Lisa Stiegler und Michael Wächter."König Arthur. Semi-Oper von Henry Purcell und John Dryden in der Neudichtung von Ewald Palmetshofer." Nächste Aufführungen im Theater Basel: 23., 27. und 29. September, 1., 6. und 13. Oktober. Theater Basel - ©Sandra Then
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